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Kirche in WDR 4 | 04.12.2015 | 08:55 Uhr

Barbarazweige

Guten Morgen!

Wer heute ein Messer zur Hand nimmt und in der freien Natur an Obstbäumen Zweige abschneidet, knüpft an eine jahrhundertealte Tradition an. Diese Zweige kommen in eine Vase und blühen um Weihnachten herum auf.

Für mich ein schöner Brauch. Anscheinend Abgestorbenes kommt wieder zum Blühen. Anscheinend Totes ist tief innen lebendig und erwacht zum Leben.

Die Zweige, die heute in die Vase gestellt werden: Barbarazweige!

Heute am 4. Dezember denken manche Christinnen und Christen an die heilige Barbara – eine türkische Frau – die sich aufgrund ihrer Begeisterung für den christlichen Glauben taufen ließ.

Ihr heidnischer Vater war darüber so wütend, dass er sie dem römischen Hauptmann zur Hinrichtung übergeben hat. Und auf ihrem Weg ins Gefängnis, blieb sie mit ihrem Kleid an einem Zweig hängen, den sie dann mitgenommen und im Gefängnis ins Wasser gestellt hat. Und am Tag ihrer Enthauptung hätte dieser Zweig angefangen zu blühen. So die Legende. Mit der Botschaft: das Leben ist stärker als der Tod.

Mehr als die Legende beschäftig mich ihr Name

Barbara – wenn ich diesen Namen etwas anders betone, wird sein Sinn deutlich.

Barbara, das erinnert mich an das Wort Barbaren. So haben die Römer die Germanen – unsere Vorfahren – bezeichnet.

Ich finde interessant, das das Wort „Barbara“ ursprünglich bedeutet: Die „unverständlich Sprechende“. Und wenn ein Mensch „brabbelt“, dann heißt das auf gut Deutsch: „was er sagt, ist unverständlich für mich.“

Barbara - die Fremde – die unverständlich Sprechende.

Ich bin Anfang des Jahres in der Türkei gewesen- – nahe der syrischen Grenze - und habe dort riesige Flüchtlingslager mit Tausenden von Notleidenden besucht.

Da sind mir natürlich „unverständlich Sprechende“ begegnet – da habe ich Menschen erlebt, denen es sogar die Sprache verschlagen hat.

Weil sie durch die Flucht aus Syrien traumatisiert worden sind. Vor allem Kinder. Das hat mich erschüttert.

In den letzten Monaten sind dann Hunderttausende Flüchtlinge in unser Land gekommen – hier nach Deutschland. „Unverständlich Sprechende.“

Menschen, die für uns fremd sind.

Erst von vielen bejubelt und umsorgt. Und dann hat sich die Stimmung spürbar abgekühlt. Das Boot ist voll. Wir haben Angst! Wohin soll das noch alles führen?

Ich weiß nicht, wie es weitergehen soll. Und ich bin froh, dass ich nicht im Bundestag sitze und über die Weichenstellung mit abstimmen muss.

In meinem Verhalten und in meinem Denken ist mir die sog. „ Goldene Regel“ wichtig.

Sie steht in der Bibel, im Neuen Testament. Da sagt Jesus: „ Alles, was ihr von anderen erwartet, das tut auch ihnen.“ ( Mt 7,12)

Natürlich – das klappt nur selten. Aber mit dieser Blickrichtung – so vermute ich -liege ich, liegen wir goldrichtig.

Wenn dieses Jesuswort umgesetzt wird, dann kann Neues aufblühen in unserem Land. Zwischen den Fremden und uns Deutschen. Wie bei den Barbarazweigen.

Neues wird auch Neues aufblühen, wenn Sie und ich rechtsradikaler Hetze entgegentreten.

Ihnen heute am Barbarafest einen besinnlichen Adventstag! Ihr Klemens Schneider,

Pfarrer in Senden

Bildrechte: Daniel Stark (flickr) CC BY SA 2.0

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