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Kirche in WDR 4 | 01.03.2016 | 08:55 Uhr

Eitel Haschen nach Wind

Nachrichten. Er sieht oder hört, was sich politisch und wirtschaftlich in der Welt tut. Für diese aktuelle Information ist er dankbar – auch für die jeweilige kurze Erläuterung zum Thema. Manche Nachricht erschreckt ihn; manche macht ihn nachdenklich. Die Folgesendung in Radio oder Fernsehen gibt ihm noch weitere wichtige Hintergrundinformationen – das genügt ihm. Dann schaltet er ab, denn er weiß, was jetzt kommt: unzählige Talkrunden zu den verschiedenen Themen. Fachleute, die die aktuellen Themen hin und her wälzen, sie von allen Seiten betrachten und aus ihrer jeweiligen Sicht kommentieren. Und sie alle haben natürlich Recht. Zumindest glauben sie das. Am Ende fühlt er sich auch nicht schlauer als zu Beginn. Darum schaltet er lieber schon vorher ab.

Sprecher: Es ist alles ganz eitel, sprach der Prediger, es ist alles ganz eitel. (…) Alles Reden ist so voll Mühe, dass niemand damit zu Ende kommt. Das Auge sieht sich niemals satt, und das Ohr hört sich niemals satt. (Prediger Salomo 1,2+8)

Sie besucht die Ausschuss-Sitzung. Die Punkte auf der Tagesordnung sind überschaubar. Die Sitzung wird etwa eine Stunde dauern, denkt sie. Doch dann – wie so oft – ergehen sie sich in umständlichen ausschweifenden Ausführungen. Alles muss kommentiert werden; die Worte des Vorredners werden nur mit anderen Worten wiederholt. Ein Punkt gehörte sachlich eigentlich gar nicht in den Ausschuss, sollte aber der Information dienen. Der wird nun besonders lang besprochen ohne zu einem Ergebnis zu kommen.

Sprecher: Ich sah an alles Tun, das unter der Sonne geschieht, und siehe, es war alles eitel und Haschen nach Wind. (Prediger Salomo 1,14)

Geht es Ihnen manchmal auch so – bei Sitzungen zum Beispiel? Oder bei anderen Gesprächen, denen Sie zusehen oder an denen Sie selbst beteiligt sind? Da werden viele Worte gemacht, aber wenig gesagt. Es ist - wie der Prediger Salomo aus dem Alten Testament so treffend formuliert – eitel Haschen nach Wind.

Im April werde ich wie in jedem Jahr eine Woche im Kloster verbringen. Ich freue mich schon jetzt auf diese Tage. Denn dort muss ich nicht reden. Der Kurs, den ich besuche, bleibt bis auf wenige Einheiten im Schweigen. In den Zeiten, in denen gesprochen werden darf, werden die Worte mit Bedacht gewählt. So wie es der Prediger in der Bibel vorschlägt:

Sprecher: Sei nicht schnell mit deinem Munde und lass dein Herz nicht eilen, etwas zu reden vor Gott; denn Gott ist im Himmel, und du auf Erden; darum lass deiner Worte wenig sein. (5,1)

Auch beim Essen bleiben wir im Schweigen und wenn wir uns im Flur begegnen oder spazieren gehen. Und doch sind wir miteinander im Gespräch. Wir achten beim Essen darauf, was der andere braucht, und reichen es ihm, wir grüßen einander mit einem Lächeln. Auch im Schweigen sind wir nicht allein und wir werden verstanden.

In dieser Woche im Kloster sammle ich mehr Kraft als in drei Wochen Urlaub. Die Stille ist Balsam für die Seele. Der Ballast der Geschwätzigkeit fällt ab.

Einen Teil dieser Stille versuche ich in den Alltag zu übernehmen. Ich denke länger darüber nach, was ich sage und wie ich es sage. Ich muss nicht mehr alles kommentieren und an jeder Sitzung teilnehmen. Das befreit und schafft Raum für bewusste Gespräche.

Und manchmal hilft nur eines – sowohl im Alltag als auch in der Welt der Medien: abschalten und die Stille genießen. Denn die Stille ist manchmal beredter als all unser Reden.

Gott befohlen! Ihre Johanna Krumbach, Pfarrerin in Augustdorf.

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