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Kirche in WDR 4 | 12.03.2016 | 08:55 Uhr

Super-Samstag für Heilige

Guten Morgen,

manchmal haben auch Päpste einen guten Sinn für Humor. Humor muss Gregor XV. schon gehabt haben, als er heute vor 394 Jahren sich daranmachte, zwei völlig gegensätzliche Menschen gleichzeitig heilig zu sprechen.

Ich rede von Ignatius von Loyola und Philipp Neri. Der eine, Ignatius, ein stolzer spanischer Ordensgründer, strenger Organisator und Einflussreicher Geistlicher. Der andere, Philipp, ein Lebenskünstler, der vom Volk geliebt war, unter einfachen Bedingungen in einer Art WG in Rom hauste und wie ein Hofnarr das Kirchen-Establishment vorführte und demaskierte. Ignatius und Philipp waren Zeitgenossen in Rom, in der Mitte des 16. Jahrhunderts, und haben durchaus voneinander gewusst. Das Verhältnis der beiden zueinander gibt folgender Ausspruch wider, der von Philipp Neri überliefert worden ist: „Ich stelle mir vor, was jetzt Ignatius täte. Und dann tue ich das Gegenteil." So soll er einmal geantwortet haben auf die Frage, wie er denn Entscheidungen trifft.

Und beide wurden am heutigen Tag im Jahr 1622 von der Kirche heiliggesprochen, „zur Ehre der Altäre“ erhoben: Das war für meine Begriffe ein wunderbarer Stich in Richtung der Anhänger der ein oder anderen Lebensphilosophie.

Zu den beiden gesellte Gregor XV. noch ein paar weitere neue Heilige, die es in sich haben: Theresa von Avila, die rebellische Mystikerin aus Spanien. Dazu Franz Xaver, einem Freund Ignatius, der mit seinen Missionsreisen quasi im Alleingang Ostasien in den Blickpunkt der Kirche brachte. Zum Abschluss noch Isidor von Sevilla. Dieser hatte zu Beginn des siebten Jahrhunderts versucht, das schwindende Wissen der Antike zu sammeln und zugänglich zu machen. Heute wird es als Schutzpatron des Internets gehandelt. Dieser Tag vor 394 Jahren war also eine Art „Super Tuesday“ der katholischen Kirche – naja, eher ein Super-Samstag, denn das war im Jahr 1622 derselbe Wochentag wie heute: 5 bedeutende Heilige an einem Tag!

Alle diese Gestalten sind auf ihre Art auch nicht unumstritten. Was alle darüber hinaus verband ist, dass sie den Menschen ihrer Zeit spirituell neue Wege gezeigt und ermöglicht haben. Was wohl passiert wäre, wenn man sie alle aufeinander losgelassen hätte? Vielleicht hat sich Gregor XV. das auch ausgemalt. Was er mit der Heiligsprechung aber gezeigt hat ist, dass die Kirche im besten Falle groß genug ist für die verschiedensten Charaktere, Wege und Begabungen. Jetzt kann man über Heiligsprechungsverfahren durchaus geteilter Meinung sein, aber ich denke, im Optimalfall zeigen sie genau diese Vielfalt christlicher Zeugnisse auf. Und es gibt noch so viel mehr Glaubenszeugen – weit über das Heiligenregister hinaus – sogar heute! Und für die große Mehrzahl, die es auch gar nicht anstreben, je in den Stand der Heiligen zu kommen – denen gilt dann der Ausspruch, der dem Heiligen Philipp Neri in seiner schalkhaft-heiligen Art zugesprochen wird: „State buoni se potete“ - wörtlich: „Seid gut, wenn ihr könnt“.

Nicht mehr – aber um Gottes willen auch nicht weniger! Einen Guten Tag wünscht Ihnen Vikar Jörg Heinemann aus dem Süden von Hamm.

Copyright Vorschaubild: Wikimedia

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