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Sonntagskirche | 11.09.2016 | 08:55 Uhr

Cafè international

Guten Morgen!

Es ist ein bisschen laut und stickig. Viele Männer und Frauen treffen sich hier im Café International, einige stehen vor der Tür in der Sonne. Man grüßt sich freundlich. Kinder laufen herum. Es duftet nach Kaffee. Auf der Theke steht süßes Gebäck. Selbstgemacht. Kleine, orangefarbene Schnitten.

Ein Junge steckt sich eine in den Mund. „Lecker!“ ruft er mir zu und streckt seinen Daumen in die Luft. Daran klebt ein Rest der süßen Köstlichkeit. „Probier‘ mal“, sagt er.

Das Gebäck ist süß und weich. Ein bisschen warm. „Stimmt, lecker“, denke ich. Der Junge ist schon längst rausgelaufen. Er hat viel Energie.

Meine Finger kleben. Ich schaue mich um.

Ich sehe lachende Gesichter. Einige Leute spielen Kicker, andere erzählen, trinken Kaffee. Andere stehen um einen Tisch. Sie tragen sich in die Liste für Wohnungssuchende ein. Es ist ein bisschen eng an dem Tisch. Vielleicht nicht ganz so eng wie in den Unterkünften. In den Turnhallen ist kaum Raum für Privatsphäre. Jeder will eine Wohnung. Jeder braucht eine Wohnung. Die Energie von dem Tisch schwappt durch den ganzen Raum. Es ist eine aufgewühlte Stimmung. Irgendwie voller Hoffnung. Auch Verzweiflung ist dabei. Tatendrang. Wenn die Menschen sich in die Liste eingetragen haben, lösen sie sich vom Tisch und gehen zur Theke, um einen Kaffee oder Tee zu trinken oder spielen mit den Kindern. Eine Wohnung – endlich eine Wohnung. Darum kreisen die Gedanken.

„Ich mache jetzt den Alphakurs!“ Neben mir steht Azad. „Einen Deutschkurs“, fügt er hinzu. Seine Augen sind groß und er ist ein bisschen stolz. Ich kenne Azad schon vom letzten Mal. Da haben wir am Ende zusammen das Café gefegt. Er ist aus dem Iran geflohen. Er ist 28 Jahre alt. Seine Frau und seine Kinder sind noch im Iran.

„Oh super“, höre ich mich sagen. „Was hast du schon gelernt?“ Er holt ein Buch heraus und fängt an die Worte vorzulesen, die er schon kann.

Lampe, Bett, Tisch, Sofa, Stuhl. Teppich, Fenster, Tür. Er zeigt auf die Bilder zu den dazugehörigen Wörtern, die er laut und deutlich ausspricht.

Ich bin beeindruckt. Wie begeistert und motiviert er Deutsch lernt. Wie gerne er teilt, was ihn gerade beschäftigt.

Das Café International, in dem ich hier bin, ist ein Projekt der Willkommensinitiative in Köln-Nippes. Ehrenamtliche haben es auf die Beine gestellt. Hier begegnen sich neue Nachbarn und Kölner Bürger. Menschen treffen sich, tauschen sich aus. Ganz selbstverständlich wird gelacht, erzählt, geweint und gespielt.

Für ein paar Stunden am Sonntagnachmittag ist die Welt in Ordnung. Die Frage nach Integration ist kein Problem.

Schön ist es, das wuselige Multikulti. Und einfach. Menschlich. Friedlich.

„Wie köstlich ist deine Güte, Gott, dass Menschenkinder unter dem Schatten deiner Flügel Zuflucht haben“ (Psalm 36,8)

So heißt es im Psalm 36, einem Gebet in der Bibel. Dabei sein. Ein Mensch im großen Haus unseres Gottes sein. Mehr braucht es nicht.

Es ist genug Platz für alle, denke ich.

„Tschüss“, ruft der Junge mit dem Gebäck! Er winkt in meine Richtung. „Tschüss. Wie heißt Du eigentlich?“ frage ich noch. Er dreht sich um und ruft: „Khalil.“ Das bedeutet guter Freund auf Arabisch. Er zwinkert mir zu. Bis bald, Khalil, hoffe ich.

Einen begegnungsreichen Sonntag wünscht Ihnen Miriam Haseleu, Pfarrerin in Köln.

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