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Kirche in WDR 4 | 19.09.2016 | 08:55 Uhr

„Der bestirnte Himmel über mir“

Guten Morgen!

Wenn man in einer abgelegenen Gegend des Nachts einmal den Sternenhimmel betrachtet, etwa in den Bergen oder in der Wüste, kann einen die Ahnung überkommen von der Unbegrenztheit von Raum und Zeit. Ich denke an manch nächtlichen Aufbruch in den Alpen, an den lautlosen Aufstieg unter einem sternklaren Himmel, überwältigt von der kosmischen Weite des Universums und der Unendlichkeit der Zeit. Der Mensch, wird mir da bewusst, ist nur ein winziger Punkt im Weltall; mein Leben eine kurze Episode im Lauf der Geschichte, ein Wimpernschlag von Jahrmillionen des Erdzeitalters.

Da kann man sich verloren fühlen – oder auch ins Staunen geraten. So ist es wohl auch Immanuel Kant ergangen. Er schreibt einmal: „Zwei Dinge erfüllen das Gemüt mit immer neuer und zunehmender Bewunderung und Ehrfurcht …: der bestirnte Himmel über mir und das moralische Gesetz in mir.“ – Ein großes Wort eines großen Philosophen, das mich schon als Jugendlicher angesprochen und innerlich bewegt hat.

Wer sich der überwältigenden Größe und Schönheit etwa des bestirnten Himmels überlässt oder sich von der Unberührtheit der Natur erfassen lässt, der mag vielleicht auch etwas von der geheimnisvollen Ordnung erahnen, die dieser Schöpfung zugrunde liegt. Von der ordnenden Hand dessen, der all das geschaffen hat. Und er mag sich der Einzigartigkeit und Einmaligkeit der eigenen Existenz bewusst werden und ein Gespür dafür bekommen für jenes „moralische Gesetz in mir“, wie Kant es nennt. Oder mit den Worten der Bibel, die sich staunend an den Schöpfer wenden: „Was ist der Mensch, dass Du an ihn denkst! Du hast ihn nur wenig geringer gemacht als Gott“ (Ps 8).

An einer anderen Stelle der Bibel ist von Abraham die Rede, dem unter dem bestirnten Himmel bewusst wird: Es gibt einen Gott, der Himmel und Erde gemacht hat – ja, der auch ihn geschaffen und schon ein Leben lang begleitet und geführt hat. Abraham wird in der Bibel der „Vater der Glaubenden“ genannt, der „homo religiosus“ par excellence, vielleicht, weil er sich aus den gewohnten Bahnen seiner Geschäftigkeit und seines Alltags herausführen lässt in die Weite: Unter den bestirnten Himmel und in die unbegrenzte Weite der Wüste. Das ist der Ort, wo er der Wirklichkeit des einzigen Gottes innewird – und seiner Gegenwart unter den Menschen.

„Was ist der Mensch, o Gott, dass Du an ihn denkst“ – Für mich klingt da mit: Dem Menschen kommt von Gott eine Würde zu, die er sich selbst nicht zu geben vermag. Und damit kommt auch Kants zweiter Aspekt für mich zum Tragen: Jenes moralische Gesetz in mir, in mich hineingesenkt von diesem Gott. Daraus erwächst auch eine Verantwortung für mein Handeln: Weil es diesen Gott gibt, der an mich denkt, kann ich getrost und verantwortungsvoll an die anderen Menschen denken. Vielleicht werde ich mich heute daran erinnern, und es wird mich nicht kleiner machen, sondern größer.

Ich bin Peter Klasvogt aus der Kommende Dortmund.

Kommen Sie gut durch den heutigen Tag!

*Immanuel Kant, Schlusswort zu seiner „Kritik der praktischen Vernunft“

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