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Kirche in WDR 4 | 20.09.2016 | 08:55 Uhr

Kategorischer Imperativ

Guten Morgen!

„Werte fallen nicht vom Himmel, sie wachsen aus der Erde“, so der Titel einer Veranstaltung in der Kommende in Dortmund, wo ich Rektor bin. Sie müssen gelernt und gelebt, vorgelebt werden. Darüber sprach ich kürzlich auch mit einem guten Bekannten, der dazu eine sehr pointierte Meinung hatte. Er sagte: „Früher haben sich die Leute in der Regel vor einer Entscheidung gefragt: ‚Was ist, wenn das alle tun?‘“ Das ist – verkürzt gesagt –, was Immanuel Kant mit dem sogenannten „Kategorischen Imperativ“ gemeint hat: Das, was unbedingt gelten muss und woran alle sich unbedingt halten müssen, damit eine Gesellschaft funktioniert. Also zum Beispiel: nicht schwarzarbeiten, nicht auf Krankenschein blaumachen, bei der Steuererklärung nicht schummeln … Denn was wäre, wenn das alle täten?

Heute dagegen, so mein Bekannter, scheint es, als stelle man sich vor allem die Frage: „Was ist, wenn es rauskommt? Wenn das, was ich mache, morgen in der Zeitung steht – oder meine Frau oder meine Kinder davon erfahren…?“ Damit unterstellt er, dass die meisten Zeitgenossen sich nicht aus innerem Antrieb ethisch verhalten, sondern eher aus Angst, ihr Verhalten könnte im Nachhinein publik werden. Ein – zugegeben – ziemlich düsteres Gesellschaftsbild, gegen das ich mich innerlich gewehrt habe. Als ob unsere Gesellschaft eine Art Selbstbedienungsladen wäre, wo jeder sich nimmt, was er kriegen kann, frei nach der Maxime: „Rausholen, was drin ist“, ohne Anstand und Moral.

Doch auch wenn ich dem widersprochen habe, musste ich zugeben: So ganz falsch ist diese Einschätzung nicht. Es stimmt ja. Jedes Mal, wenn herauskommt, dass sich hinter der Fassade der Wohlanständigkeit die Fratze des Selbstsüchtigen und Gemeinen verborgen hat, ist die allgemeine Empörung und Enttäuschung groß: Der Weltklassesportler, der eben doch gedopt hat; der Verbandsfunktionär, der eben doch in die eigene Tasche gewirtschaftet hat; der Politiker oder angesehene Würdenträger, der eben doch kompromittierende Fotos auf seinem PC geladen hat – und und und.

Aber die empörten Reaktionen zeigen mir auch, dass unsere Gesellschaft nach wie vor ein gutes Gespür dafür hat, was aufrichtig und wie anständig ist, was ehrlich und gut. Wie gesagt: Werte fallen nicht vom Himmel, sie wachsen aus der Erde. Sie müssen gelernt und gelebt, vorgelebt werden. Unsere Gesellschaft braucht mehr denn je Vorbilder, integre Persönlichkeiten, denen man glauben kann, was sie sagen, zu denen man aufschauen und denen man nacheifern möchte: Menschen, die ihre persönlichen Werte vorleben – Eltern für ihre Kinder, Unternehmer für ihre Mitarbeiter, Vorgesetzte für ihre Angestellten, Politiker in ihrer Verantwortung für das Gemeinwohl. Anstand, Ehrlichkeit, Integrität, all das sind Tugenden, die man nicht prominent vor sich hertragen oder publikumswirksam zur Schau stellen muss. Im Gegenteil. „Gott, der auch das Verborgene sieht, wird es dir vergelten“, lautet die Empfehlung der Bibel. Dann braucht man keine Angst zu haben, wenn „herauskommt“, was einer tut und wie jemand lebt. Im Gegenteil. Dann könnte sich das Gute sogar ausbreiten und das Anständige Nachahmer finden. Werte, die aus der Erde wachsen und unsere Welt zum Positiven verändern. Ich bin überzeugt, auch der Himmel hätte seine Freude daran.

Ich bin Peter Klasvogt aus der Kommende Dortmund.

Kommen Sie gut durch den heutigen Tag!

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