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Sonntagskirche | 24.09.2017 | 08:55 Uhr

24. September

Heute schauen alle nach Berlin: Es ist Bundestagswahl. Warten auf die erste Hochrech-nung um 18 Uhr.

Ich will Ihnen heute nichts von Berlin erzählen, nichts von der Politik, sondern etwas von Bonn – der alten Hauptstadt. Meiner Studienstadt. Heute, mein Daheim. Und vom Warten will ich erzählen.

Geh nicht nach Bonn, hatten sie damals gesagt. Sieh dich vor. In Bonn regnet es, haben sie gesagt, und gleichzeitig sind die Schranken runter. Überleg es dir gut, haben sie gesagt.

Das dachte ich dieser Tage schmunzelnd, als ich ca. 10 min im strömenden Regen an einer Bahnschranke warten musste. Zum Glück saß ich im Auto. Geh nicht nach Bonn, da sind immer die Schranken unten. Das sagt man halt so von Bonn und anderen Städten, in denen gut befahrene Zugstrecken mitten durch die Stadt führen. Genau genommen mag ich diese Bahnübergänge jedoch sehr. Im Studium musste ich täglich die Schienenseite wechseln, um von Kessenich zur Uni zu kommen. Da war ich es einerseits gewohnt, kurz zu warten, kannte mit der Zeit aber auch intuitiv den Bahnfahrplan so gut, dass ich wusste, ob sich das Warten lohnt oder ob ich besser ein oder zwei Übergänge weiterradle. Für den klassischen Veranstaltungsbeginn um Viertel nach der vollen Stunde hieß das oft: Wenn nach Intercity soundso von Süden die Schranken nicht hochgehen, hat Interregio derundder Verspätung und vor Eurocity trallala aus dem Norden reicht die Zeit nicht, die Schranken hochzumachen. Wenn dem so war, musste man westlich der Bahn zum einem andern Übergang weiterfahren, notfalls sogar bis zur Unterführung an der Poppelsdorfer Allee, die unbeliebt war, weil man absteigen musste oder schon mal mit der Polizei Ärger bekam.

Wer stattdessen einfach wartete, kam zu spät zur Uni.

Wenn ich es nicht total eilig hatte, hab ich durchaus gern an meiner Bahnschranke ein paar Minuten gewartet. Das hatte etwas Vertrautes sich mit andern da zu sammeln, die man nicht kannte und mit denen man in der Regel auch nicht sprach, die aber, wie ich auch, diesen Übergang als den eigenen bezeichneten. Und die zwei drei Minuten Unter-brechung des Alltäglichen und des Eiligen und des Verzweckten, die damit einhergingen, mochte ich immer schon. Mich unterbrechen brechen lassen und was anderes sehen und denken, als geplant: Super. Oder kurz weiter im eigenen Tagtraum versinken. Auch schön.

Und dass ich oft klatschnass dort gestanden hätte, oder erst an der Schranke so richtig durchgeweicht bin, kann ich nicht erinnern. Auch wenn es die meiste Zeit meines Studi-ums noch kein Studiticket und damit keine bezahlbare Alternative zum Fahrrad gab.

So wie ich jetzt wohne, liegt kein Bahnübergang auf meinen üblichen Wegen. Nur wenn ich nach der Arbeit einkaufen fahre, habe ich die Wahl, mit oder ohne Schrankenrisiko nach Hause zu fahren. Und inzwischen wähle ich normalerweise die Schrankenvariante und freu mich, ganz nostalgisch, wenn ich ein paar Minuten dort warten kann.

Eine kleine Unterbrechung eben. Einfach ein Moment, nicht das Übliche zutun.

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