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Kirche in WDR 4 | 27.03.2018 | 08:55 Uhr

Gelassenheit

Guten Morgen!

Die freundliche Wirtin lächelt: „Nein, Kaffee gibt es bei uns keinen“, sagt sie freundlich, aber bestimmt. Ich staune und hake nach. Nur zu gern hätte ich jetzt ein Heißgetränk. Und gern mit Koffein. Doch es bleibt dabei: In dieser Kneipe gibt nur kalte Getränke! Die Wirtin hat allerdings eine Idee: „Gegenüber ist ein guter Italiener, da bekommen Sie bestimmt leckeren Cappuccino. Und dann können Sie nachher ja nochmal wiederkommen!“ Schmunzelnd wechsle ich also die Straßenseite und genehmige mir die dringend benötigte Portion Kaffee. Danach geht’s zurück zur Kneipe. Diesmal frage ich nach der Speisekarte. Vielleicht hätte ich es aber schon ahnen können. Charmant beteuert nämlich die fröhliche Frau hinter der Theke: „Bei uns gibt es nichts zu essen.“ Aha, denke ich. Also keinen Kaffee, keine Speisen, sondern nur kalte Getränke. Die Wirtin erklärt: „Ich kann ja auch nicht gleichzeitig in der Küche und hier an der Theke stehen.“ Das Argument leuchtet mir natürlich ein. Aber ich habe Hunger. Und deshalb frage ich nochmal kritisch nach: „Funktioniert das Konzept denn?“ - „Ja“, beteuert sie: „Hier ist total viel los. Jedenfalls donnerstags. Und ich bin ganz froh, dass es an den anderen Tagen ruhiger ist. Man muss ja auch mal aufräumen und sauber machen“. Die Erklärung klingt plausibel. Schließlich empfiehlt sie mir noch einige Restaurants in der Nachbarschaft. Ich gehe also ungläubig weiter. Tatsächlich scheint die junge Frau vom Konzept ihrer Kneipe total überzeugt zu sein. Und wenn ich mal nur ein Bier trinken will, komme ich bestimmt wieder. Die Gelassenheit der Wirtin finde ich jedenfalls beeindruckend. Spontan überlege ich, wie ich das selbst auch umsetzen könnte: weniger machen, mich beschränken; weniger Hektik, weniger Programm, mehr Ruhe, mehr Zeit zum Sortieren - innerlich wie äußerlich. Im Job geht das vielleicht nicht immer so einfach. Aber sonst? Im Privaten, in all den Aktivitäten, die der Alltag so mit sich bringt? Vieles davon ist notwendig. Aber manches auch nicht. Vielleicht lasse ich den Computer mal aus. Gern würde ich wieder mehr lesen, mehr meditieren, mehr schlafen. Und ich denke an den Ausspruch von Astrid Lindgren, die einmal gesagt hat: „Und dann muss man ja auch noch Zeit haben, einfach dazusitzen und vor sich hin zu schauen." (1)

Auch in den Kirchen macht sich hier und da ein Gefühl von Überforderung breit. Es wird immer schwieriger, Menschen für die Veranstaltungen der Gemeinden zu gewinnen. Also: Noch mehr anbieten, passgenau für die jeweilige Zielgruppe. Mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg. Vielleicht passt also auch hier die Einstellung der Wirtin: Manches entspannter nehmen. Nicht alles anbieten. Nicht für jeden etwas vorhalten. Nicht immer das Gefühl haben, man müsse allein die Welt retten. Andere sind ja auch noch da. Und die Nachbargemeinde gegenüber hat schon ein tolles Programm für die Zielgruppe der jungen Familien – wunderbar. Dann machen wir was für die Jugend. Oder für Männer ab 50. Sich konzentrieren. Sonst wird es Haupt- und Ehrenamtlichen schnell mal zu viel. Manchmal ist tatsächlich weniger mehr. Und Man muss ja auch zwischendurch auch aufräumen und sauber machen.

Einen entspannten Tag wünscht Ihnen, Ihr Pfarrer Bernd Becker aus Bielefeld.

( 1 ) https://www.geo.de/geolino/kinderbuch-pippi-langstrumpf-schoenste-zitate

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