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Sonntagskirche | 19.09.2021 | 08:55 Uhr

Noch dabei

Ich bin es so satt. Gefühlt macht meine Kirche nur noch Schlagzeilen durch Skandale und auch ich treffe immer mehr Menschen, die gehen. Sie können es nicht mehr ertragen, die Skandale, fehlende Transparenz, das inkonsequente Handeln von Amtsträgern. Ich ertrage das auch kaum. Trotzdem bin ich noch da. Warum? Tja, da denke ich durchaus öfter drüber nach und dann denke ich daran, wie ich Kirche erlebt habe und erlebe.

Angefangen hat es als Kind mit meiner Großtante. Sie war Ordensschwester. Sie lebte in einem Franziskanerkloster und hat in einer Wohngruppe wie im SOS-Kinderdorf gearbeitet, quasi als Ersatzmutter. Wenn wir sie besucht haben und sie von „ihren“ Kindern sprach, war das so herzlich, dass ich dachte: Wow, wie gut, dass es Schwestern wie Tante Giswalda gibt.

In meiner durchaus nicht ganz einfachen Jugendphase war da der Kaplan unserer Pfarrgemeinde. Der war nicht so ein Kirchenfuzzi, der alles besser weiß. Der hat uns Jugendliche ernst genommen, Diskussionen zugelassen, zugehört wenn es mal zu Hause nicht gut lief. Der war da für uns und wir haben in der Gruppe eine Menge toller Aktionen auf die Beine gestellt. Bis heute sind wir befreundet.

Direkt nach dem Studium hab ich hauptamtlich für die Telefonseelsorge gearbeitet. Schicksale und menschliche Not habe ich da kennen gelernt – das konnte ich mir vorher gar nicht ausmalen. Die hauptamtlichen Mitarbeiter der Telefonseelsorge arbeiten selbst mit Ratsuchenden und sie bilden ehrenamtliche Mitarbeiter aus, die deutschlandweit dafür sorgen, dass jeder Mensch rund um die Uhr jemanden anrufen kann, der zuhört, der da ist und unterstützt.

Dann war da die Seelsorgerin in der Rehaklinik, die mit mir so geduldig gesprochen hat und mir geholfen hat damit klarzukommen, dass ich mit gerade mal 36 Jahren ein künstliches Hüftgelenk bekommen musste.

In meiner Arbeit hier im katholischen Rundfunk, habe ich so viele tolle Kollegen kennengelernt, die genau das wollen, was mich auch bewegt: die frohe Botschaft weitergeben. 

Und dann kam es dieses Jahr persönlich ganz hart. Plötzlich und unerwartet ist meine Mutter zunächst schwer krank geworden. Mein Chef hier beim katholischen Rundfunk schrieb mir und sagte „Lass uns mal telefonieren“. Im stressigen Redaktionsalltag spürte er „hey, hier ist ein Gespräch wichtig, einfach mal zuhören.“ Das tat gut, auch weil ich dann wusste: Im Kölner Dom brennt  gleich eine Kerze für Mama.

Trotz aller Hoffnung und vielen Gebeten starb meine Mutter. Ein paar Tage später bekam ich eine Mail von Herrn Schmitz, dem Seelsorger aus dem Krankenhaus in dem sie gestorben ist. Er hatte vom Tod meiner Mutter erfahren und bot mir ein Gespräch an. Erst einige Wochen später habe ich ihm dann tatsächlich geschrieben. Seitdem haben wir uns ein paar Mal getroffen und mir hat das in meiner Trauer sehr geholfen. Wieder ist es ganz simpel: Jemand der zuhört, der da ist.

Und Herr Schmitz hat mir etwas ganz Entscheidendes gezeigt: Es gibt Ereignisse, Dinge in unserem Leben, die wir beweinen müssen, die wir betrauern. Als Christ sehen wir aber auch immer wieder Ereignisse und Dinge, für die wir dankbar sind. Beides darf da sein, beides gehört dazu.

Vielleicht ist das eben auch das Wichtige an meiner Kirche: Da sind die Dinge, die mich wütend machen, die ich betrauere und über die ich weinen möchte. Aber ich bin noch da, weil da auch  immer wieder die anderen, so wichtigen Erfahrungen sind: Die Menschen, die helfen, die zuhören und die die frohe Botschaft lebendig machen. Die sind eben auch Kirche.

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