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Sonntagskirche | 14.11.2021 | 08:55 Uhr

Vermasselt

Etwas zu vermasseln, kann einen so richtig fertig machen. Ich weiß nicht, wann oder ob Sie überhaupt schon einmal etwas ordentlich an die Wand gefahren haben, aber für mich kommen da schon ein paar Dinge zusammen. Ich weiß noch, wie mies ich mich in diesen Momenten gefühlt habe, ja, ich habe mich richtiggehend geschämt. Wenn mich jemand dann darauf angesprochen hat, hab ich mich gar nicht getraut, mein Versagen zuzugeben. Habe die Sache lieber kleingeredet oder auch gerne: die Schuld anderen in die Schuhe geschoben. Oder dem Wetter. “Ja, also, ich hätte mich ja liebend gern für den Winterlauf angemeldet, aber das Wetter war die ganze Zeit soo schlecht, da konnte ich vorher überhaupt nicht trainieren. Das ist jetzt echt dumm gelaufen.”

Besonders schlimm stelle ich mir das Scheitern in der Öffentlichkeit vor. Wenn nicht nur Familie und Freunde mitbekommen, was Du gerade vergeigst, sondern ein Riesenpublikum. Ich denke da beispielsweise an den letzten Kampf von Henry Maske oder das frühe Ausscheiden der Fußballnationalmannschaft bei der letzten WM. Ich glaube an deren Stelle wäre ich am liebsten im Erdboden versunken.

Dabei gibt es kein Leben ohne Vermasseln. Scheitern ist zutiefst menschlich. Es gibt einfach niemanden auf der Welt, der einen Erfolg nach dem anderen feiert. Auch, wenn es uns manchmal von außen so erscheinen mag: Gerade besonders erfolgreiche Menschen sind erst durch diverse Rückschläge dort gelandet, wo sie heute sind.

Als ich zu dem Thema mal einen Blick in die Bibel geworfen habe, musste ich mit Erstaunen feststellen, dass es hier nur so von Erzählungen über das Scheitern wimmelt. Adam und Eva, die aus dem Paradies geworfen werden, Jesus, der verhaftet wird und vom Kreuz hinunterruft “Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?”. In diesem Moment schaut es so aus, als sei sein Leben vollkommen sinnlos gewesen, er mit seiner Mission gescheitert. Ja es gibt sogar Passagen, in denen selbst Gott sein Wirken hinterfragt und erkennen muss, dass seine Schöpfung nicht so geraten ist, wie er sich das vorgestellt hat. Das ist dann Scheitern auf ganz hohem Niveau. Doch während Jesus später von den Toten aufersteht und Gott selbst seiner Schöpfung eine zweite Chance auf der Arche Noah gibt, sprich, es nach dem Scheitern immer auch einen Neuanfang gibt, möchte ich in Situationen, in denen es bei mir mal schief läuft, einen anderen Blickwinkel einnehmen.

Denn manchmal soll es einfach nicht sein. Dann habe ich es eben vermasselt. Da helfen dann keine Schuldzuweisungen, kein verzweifeltes Nochmal-Versuchen und es dann besser machen. Ich will auch nicht nach dem tieferen Sinn suchen. Vielleicht gibt es den nicht? Vielleicht soll es einfach nicht sein, dass ich nach Jahren meines Scheiterns stolz erzähle, dass danach noch etwas viel, viel Besseres passiert ist. Es gibt Situationen, da läuft es einfach schlecht. Und das Beste, was ich daraus noch mitnehmen kann ist zu akzeptieren, wie es ist und die Verantwortung dafür zu übernehmen.

Und mich vielleicht mit den Worten des Philosophen Senecas zu trösten: “Wer Großes versucht, ist bewundernswert, auch wenn er fällt.” Und das war’s dann auch schon.

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