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Sonntagskirche | 19.12.2021 | 08:55 Uhr

Weihnachten in Bethlehem

Viele Male durfte ich im Heiligen Land sein – auch in Betlehem. Ein Besuch ist mir bis heute in besonderer Erinnerung geblieben: Vor 26 Jahren war ich mit drei Freundinnen über Weihnachten dort. Es war das Jahr, als der Staat Israel Betlehem an die Palästinensische Autonomiebehörde übergeben hat im Rahmen des zweiten Osloer Abkommens. Damals unterzeichneten Premierminister Yitzhak Rabin und der Palästinenservertreter Jassir Arafat im Beisein von US-Präsident Bill Clinton ein Friedensabkommen: Ein Meilenstein für die seit Jahrzehnten gewaltgeschüttelte Region.

Übrigens wäre ich Arafat damals beinahe persönlich begegnet. Meine drei Freundinnen und ich hatten sich Zugangskarten für die Mitternachtsmesse am Heiligen Abend in der katholischen Katharinenkirche in Betlehem. Sie liegt unmittelbar neben der Geburtskirche. Als wir allerdings hörten, dass Arafat zu dieser Messe erwartet wurde, wollten wir den zu erwartenden Sicherheitsmaßnahmen aus dem Weg gehen und fuhren kurzentschlossen einen Tag zuvor nach Betlehem. Das war nicht ungefährlich – man riet uns ab mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren.

In Betlehem angekommen wunderten wir uns, wie leer es in der Stadt war. Das bot uns die günstige Gelegenheit, lange und zwar allein in der Geburtsgrotte beim berühmten Stern von Betlehem zu verweilen. Der goldene Stern markiert den Ort, wo angeblich die Krippe gestanden haben soll. Für mich war das eine intensive Erfahrung – an dem Ort zu sein, wo Gott Menschen wurde, wo die Botschaft vom Frieden in der Welt ein menschliches Gesicht gezeigt hat in der Gestalt des Jesuskindes.

Später habe ich auf einer Straße einen Händler gefragt, der geschnitzte Krippen verkaufte, warum es so menschenleer in der Stadt sei. Die Antwort: „Gleich erwarten wir Präsident Arafat.“ Der hatte wohl auch umdisponiert und kam einen Tag früher. Und wie er kam: mit Polizei- und Militäraufgebot – alles aus Sicherheitsgründen. Die Sache mit dem Friedensabkommen schien doch nicht so gefestigt zu sein. Mich hat das damals etwas geschockt und verstört, so dass ich mich mit meinen Freundinnen schnell aus dem Staub gemacht habe.

An diese Erfahrung muss ich in diesen adventlichen Tagen immer wieder denken. Und ich muss an den Händler denken mit den Krippen. Wie er, leben auch heute viele Menschen in Betlehem vom Tourismus und überhaupt in Israel und den Palästinensergebieten. Schwierig für die Menschen dort: Seit dem Beginn der Pandemie reisen kaum noch Gruppen nach Israel. Staatliche Unterstützung fehlt. Kaum Touristen heißt: ganz wenige Einnahmen. Es ist und bleibt ein Drama mit dem Heiligen oder doch eher Unheiligen Land.

Und wenn ich in die Geschichte des Landes schaue, dann ist es seit Jahrtausenden von einem Drama gezeichnet: Die Not der Menschen dort dauert nun schon fast 3000 Jahre. Bereits der Prophet Micha hat 700 Jahre vor der Geburt Jesu verheißen, dass aus Betlehem einer kommt, der der Friede sein wird (Micha 5,4). Und bis heute scheint dieses Ereignis offensichtlich in ferner Zukunft zu liegen. Die Menschen warten noch immer auf den Frieden – und nicht nur dort.

Diese Reise hat in mir die Sehnsucht genährt, nach Frieden zu suchen – auch in meiner Welt hier in Deutschland. Vielleicht muss man für diese Sehnsucht nach Frieden nicht erst nach Israel fahren, sondern offen sein, für das, was mir begegnet. Solche Offenheit wünsche ich Ihnen jedenfalls, gerade jetzt, wenn wir auf Weihnachten, auf das Fest des Friedens zugehen.

Aus Mülheim an der Ruhr grüßt Sie Marie-Luise Langwald.

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