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Kirche in WDR 4 | 08.11.2021 | 08:55 Uhr

Bücken

Heute ist wieder Montag, und weil heute Montag ist ist das Wochenende auch schon wieder rum. Tja. Und in dem Moment, wo ich das sage, läuft unten um die Kölner Agneskirche herum bestimmt schon der Mitarbeiter der Abfallwirtschaftsbetriebe. Mit einem Besen kehrt er die Zigarettenstummel zusammen, die weggeworfenen Kaffeebecher, die Alufolie vom Döner und die vielen weggeschnippten Kronkorken vieler Kölschflaschen. Jeden Morgen kommt er mit seinem kleinen Handwagen. Er wechselt die Müllsäcke, packt mit seiner Greifzange plattgetretene Pommes und verstreute Servietten und bugsiert sie in seinen Mülleimer auf Rädern. Jeden Morgen macht er das. Montags bis freitags. Ob es regnet oder stürmt. Egal. Der Mann ist da und macht sauber. Flink und mit schnellen Handgriffen. Und weil jetzt November ist, kommt jeden Tag eine Menge Laub dazu. Auch das Laub kehrt er auf Haufen; die werden später von einem Lastwagen aufgeladen.

Ich bewundere ihn sehr. Und ich bin ihm sehr dankbar. Ich weiß, wie es bei uns in der Stadt aussieht, wenn so viel Müll herum liegt, dass die Mitarbeiter ihm nicht Herr werden. Und ich ärgere mich über die, die den Krempel da hinwerfen. Manchmal würde ich denen gerne mal einen Wagen voll stinkendem Müll auf den Balkon kippen.

Ich erzähle Ihnen das, weil ich gelesen habe, dass heute der Tag der Putzfrau ist. Eine Krimiautorin hat ihn erfunden. Die Detektivin in ihren Romanen ist nämlich eine Putzfrau – und mit dieser Idee des Welttages der Putzfrau hat sie allen Menschen ein Denkmal gesetzt, die täglich dienstbeflissen aufräumen und sich um Staub, Dreck und Abfall kümmern. Also die, von denen wir immer selbstverständlich annehmen, dass sie einfach da sind: In den Büros, den Supermärkten und U-Bahn-Stationen, den Bussen und Bahnen, Krankenhäusern und Altenheimen, in den Schulen, Praxen und Kindertagesstätten – und auf den Bürgersteigen und Plätzen in unseren Städten auch.

Wenn es diesen Welttag der Putzfrauen - und Putzmänner natürlich auch - nicht geben würde – er müsste glatt erfunden werden. Es gibt eine Geschichte in der Bibel, da muss ich immer an sie denken. Zum Beispiel an die beiden, die immer mit großer Freundlichkeit freitags bei uns durch die Agneskirche wischen. "Wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein, und wer bei euch der Erste sein will, soll der Sklave aller sein." Es ist die alte Menschheitsfrage: Wer hat das Sagen? Der am lautesten schreit? Der mit dem besten Studium? Der mit dem Maßanzug und den italienischen Schuhen? Oder der mit dem dicksten Portmonee? Jesus sagt: Der hat was zu sagen, der Autorität hat. Glaubwürdigkeit. Street-Credibility. Und wie kriegst du die? Wenn du das Evangelium kapierst. Und wie kapierst du das Evangelium? Wenn du dich selbst bückst.

Heute ist also der Tag derer, die sich immer bücken. Nicht nur montags. Auch dienstags. Jeden Tag. Es ist der Tag derer, die am Ende der Kette stehen. Der Tag der Bücker und Dreckwegmacherinnen. Wenn sich Menschen nicht bücken, funktioniert nichts mehr. Versinkt die Welt im Dreck. Der hat viel von Gott verstanden, der sich selbst bückt und nicht nur vom Bücken predigt. Probieren wir es aus. Nicht nur an diesem Montagmorgen.

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