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Kirche in WDR 4 | 25.12.2021 | 08:55 Uhr

Unerlöstes Weihnachten?

Es geschah aber zu jener Zeit, als Deutschland sein erstes Corona-Weihnachten feierte, da ist es mir irgendwann entfahren: „Das ist ja mal ziemlich unerlöst hier.“

Das sagte ich, genau heute vor einem Jahr, durch meine Atemmaske hindurch. Ich wollte das ganze etwas aufheitern. Rattenkalt war es. Aber noch nicht mal kalt genug, dass es geschneit hätte, bei uns in Kempen am Niederrhein. Sondern es war niederrheinisch klamm-kalt. Also: reingeh-kalt.

Aber: wir Kinder standen draußen vor der Tür unserer Eltern und warteten mit unseren Masken auf unsere Eltern. Denn: Mein Vater hat Lungenkrebs. Die Chemo hatte frisch begonnen. Ein Impfstoff war zwar in Aussicht, aber noch nicht da. Und so blieb uns nichts anderes, als die Bescherung draußen zu machen. Wir wollten unseren Papa auf jeden Fall schützen und eine mögliche Infektion vermeiden. So unsicher war die Corona-Situation noch vor einem Jahr. Glücklich alle, die geboostert feiern können in diesem Jahr. Wie auch immer: Letztes Jahr blieb uns nichts anderes übrig, als draußen Bescherung zu machen. Und da platze aus mir der Satz raus: „Das ist ja mal ziemlich unerlöst hier.“ Gut – ein Theologen-Witz. Denn Weihachten geht es ja darum, dass der Erlöser geboren wird. Aber wenn Du Deinen Vater hinter einer FFP3-Maske mit dem von der Chemo aufgequollenen Gesicht siehst, dann singst Du nicht ganz so ungetrübt: „Christ der Retter ist da.“

Mama hatte, wie jedes Jahr, Plätzchen gebacken und wollte sie an uns verteilen. Und dann schlugen wir Kinder vor: Lasst uns doch wenigstens eine Runde spazieren gehen. Mit der Plätzchendose. Und so sind wir Kekse-mampfend durch die abgemähten Kappes-Felder vor Kempen spaziert. Und ich würde lügen, wenn bei uns Kindern nicht die bange Frage mitgegangen wäre, ob das nicht der letzte Gemeinsame Spaziergang gewesen sein könnte, als Familie.

Aber: Wir versuchten, das Beste draus zu machen. Besonders mein Vater war tapfer und ließ sich nichts anmerken von seinen Schmerzen, die er sicher gehabt haben muss. Und was soll ich sagen: Das Ganze wurde dann doch auch noch irgendwie: schön. Irgendwann riss sogar der Himmel etwas auf und die Sonne kitzelte.

Mamas Plätzchen schmeckten himmlisch wie jedes Jahr, klar. Und irgendwann war die Stimmung vielleicht nicht erlöst, aber gelöst. Wir witzelten sogar darüber, dass auch an Weihnachten die Kappes-Felder um Kempen nicht aufhören, nach kaltem Furz zu riechen... Wie auch immer: Dass wir das zusammen hatten, diese Zeit auf dem Feld, als Familie, trotz Corona und allem: Das war Weihnachten 2020. Vielleicht war dieses Weihnachten näher an den „Hirten auf den Feldern“ vor 2020 Jahren, als jedes Weihnachten zuvor, das ich erlebt hatte.

Weihnachten geht es um Menschwerdung – trotz Krebs, Pandemie, oder was auch immer. Es geht darum, dass die Liebe Mensch geworden ist, das ist knapp gesagt, die Botschaft der Christen an Weihnachten. Und die Liebe ist bekanntlich das einzige, das wächst, in dem wir es verschenken. Daher schenken Christen an Weihnachten.

Manchmal reicht eine rumgereichte Dose Kekse auf einem Kappesfeld um diese Liebe erfahrbar zu machen. Oder zwischen zwei Nachbarn an der Ahr, wo die Häuser nicht mehr sind, aber immer noch die Nachbarschaft. Oder über den Balkon gereicht an einem Altenheim, wo noch einmal Corona gewütet hat in dieser vierten Welle.

Als wir vor einem Jahr von unserem Keksdosen-Kappesfeld-Spaziergang heimkehrten, da kamen wir an meiner Heimatkirche vorbei. St. Josef in Kempen. Und die Schützenbrüder von „Hüskes-Krone“ hatten für alle, die sich nicht in die Kirche trauten, etwas ganz tolles gemacht: Eine Krippe aus Strohballen. Die überragte sogar die Einfamilienhäuser der Reihenhaussiedlung. Und überall hingen QR-Codes, mit denen man sich Weihnachtslieder runterladen, oder die Weihnachtsgeschichte anhören konnte. „Gott wird Mensch – mach was draus“ Der Satz fiel mir ein, als ich diese Krippe sah. Weihnachten war nicht ausgefallen. War halt nur anders.

In diesem Jahr gab es eine weitere tolle Aktion, deutschlandweit: #jetzthoffnungschenken. Können Sie im Internet auch noch mal nachsehen. Da stehen viele Impulse, wie man ganz konkret und ganz einfach Hoffnung schenken kann. Wie gesagt: Liebe ist das einzige das wächst, indem wir es verschenken. Wo auch immer und wem auch immer Sie heute noch etwas von dieser Liebe schenken können oder in den kommenden Tagen: Seien Sie gewiss: Damit werden auch Sie zur Botin und zum Boten der Weihnacht.

Und in diesem Sinne: einen frohen ersten Weihnachtstag!
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