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Sonntagskirche | 24.07.2022 | 08:55 Uhr

Einsam sein

Guten Morgen,

„Der Sonntag ist für mich der schlimmste Tag in der Woche“, klagt Susanne, eine gute Freundin von mir. „Die meisten sind dann mit ihrer Familie oder ihren Partnern zusammen. Man lädt mich dann auch nicht ein, weil sie lieber miteinander etwas unternehmen möchten. Oder sie laden andere Paare oder Familien ein“. Und traurig fügt sie hinzu: „Ich fühle mich dann besonders einsam und habe auch keine Lust, alleine durch die Gegend zu laufen.“ Wie Susanne geht es sehr vielen und nicht nur hier bei uns im Land.

So verfolgt der Japaner Yuichi Ishii eine ungewöhnliche Geschäftsidee: Seine Agentur „Family Romance“ bietet Schauspieler als „Lückenfüller“ für soziale Situationen an. Wer keine Freunde, Familienangehörige oder keinen Partner hat, kann sich über die Agentur „menschlichen Ersatz“ mieten: So lächeln zum Beispiel Statisten auf einer Hochzeit oder trauern scheinbare Familienmitglieder auf Beerdigungen. Und ein Anbieter von Single-Hochzeiten macht sogar den Traum in Weiß wahr. Ebenso können „beste Freundinnen“ gemietet werden, die mit einem das eigene Hobby teilen und zum Geburtstag gratulieren. Dass sich mit der Einsamkeit gutes Geld verdienen lässt, entdeckte auch Japans Post: Gegen Gebühr lässt sie die Zusteller bei alleinlebenden Rentnern anklingeln. Der Postbote erkundigt sich nach der Gesundheit und wünscht einen schönen Tag. Dies alles in einem Land, in dem 15 Prozent der Menschen angeben, außerhalb ihrer Familie keinen sozialen Austausch zu haben. Gerade auch viele ältere Japanerinnen und Japaner beklagen, in einem Zeitraum von zwei Wochen keine einzige Konversation zu führen.
Und auch hier bei uns in Deutschland ist Einsamkeit ein elementares Problem unserer Zeit. Schon vor der Corona-Pandemie ist die Zahl der Menschen, die sich einsam fühlen, stetig gestiegen. Und dies beobachte ich auch in meiner christlichen Gemeinde vor Ort. Seit Jahren gibt es deshalb bei uns so genannte Besuchsdienste. Man kann einen Termin vereinbaren und wir kommen vorbei. Ebenso laden wir zu den Gottesdiensten am Sonntag ein. Beim anschließenden Kirchencafé kommt man miteinander ins Gespräch. Oder man verabredet sich zu gemeinsamen Unternehmungen. Darüber hinaus gibt es verschiedenste Angebote in der Gemeinde: da wird gebastelt und gekocht, gewerkelt und gesungen, über die biblischen Texte gesprochen und diskutiert, getrauert und gelacht, geschauspielert und getanzt, gebetet und gehofft und und und. Die christliche Gemeinschaft folgt da ganz einem frühen christlichen Text aus der Bibel, da schreibt eine Gemeinde: „Wenn wir aber im Licht leben, wie Gott selbst im Licht ist, haben wir Gemeinschaft miteinander“ (1. Johannes 1,7, BasisBibel). Und an anderer Stelle heißt es: „Gott gibt den Einsamen ein Zuhause“ (Psalm 68,7 BasisBibel). Für mich ist auch heute am Sonntag der Gottesdienst solch ein Stück vertrautes Zuhause. Und ich wünsche mir dann auch wieder den Blick für diejenigen, die sich über ein persönliches Gespräch mit mir freuen.

Vielleicht ergibt sich dabei auch eine Verabredung, was gemeinsam zu unternehmen.

Haben Sie vielleicht auch Lust bekommen, mal mit dabei zu sein?


Quelle: FOCUS-Nachrichtenmagazin 47/2014, S. 51.


Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze


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