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Kirche in WDR 4 | 26.03.2022 | 08:55 Uhr

Ihren Glauben…

Guten Morgen!


Da steht er vor mir, schaut mich milde lächelnd an und sagt: „Ihren Glauben möchte ich haben.“ Und ich frage mich, ob er das wirklich ernst meint und schaue ihn meinerseits etwas ungläubig an. Ich habe diesen Satz schon oft gehört. „Ihren Glauben möchte ich haben.“

Häufig schwingt da eine Sehnsucht mit oder auch eine Verletzung. So auch bei dem Mann, der mich nach einer Veranstaltung eher beiläufig angesprochen hat. Und als ich endlich Zeit habe und mich ihm zuwende, fängt er gleich an zu erzählen. Dass er aus einem frommen Elternhaus kommt. Und was man ihm alles eingetrichtert hat, was er zu glauben habe. Und dass er das als Kind ganz selbstverständlich übernommen hat, ohne groß nachzufragen. Bis ihm dieser Glaube Stück für Stück abhandengekommen ist. Mit all dem, was in seinem Leben und in seiner Kirche passiert ist. Er erzählt es kurz und knapp, wie einer, der mit dem Thema längst abgeschlossen hat. Am Ende sagt er: „Ich kann das alles nicht mehr glauben.“

Dann schaut er mich erneut an, diesmal aber eher ausdruckslos. Das Lächeln ist verschwunden. Doch irgendwie ist er mit dem Glauben doch noch nicht fertig. Aber er erwartet auch nichts mehr. Vielleicht hat man ihm auch schon zu häufig widersprochen: Nach dem Motto: „So darf man das aber nicht sehen!“


Ich zögere erst mal und nicke nur. Ich kann diesen Mann verstehen.

Er merkt es, und ist ein wenig irritiert. „Sie sind doch Pastor, Sie müssen das doch alles glauben, was in der Bibel steht, was in der Kirche gelehrt wird und was Christen alles so sagen.“ Ich muss erst mal seufzen. Und überlege noch: Ob ich ihm wohl deutlich machen kann, dass ich nicht an die Bibel glaube, sondern an den, von dem in der Bibel erzählt wird? Aber das würde ihn vermutlich nur verwirren.


Ich muss nicht alles glauben. Wobei ich mich in diesen Tagen schon wundere, was Menschen bereit sind zu glauben. Welche abstrusen Theorien auf irgendwelchen Foren im Internet kursieren, und dass es Menschen gibt, die das wirklich glauben.

Auf diesem Tripp ist mein Gesprächspartner nicht.

Doch er kann und will nicht mehr an den unnachsichtigen und zornigen Gott glauben, der alles sieht und straft, wie es ihm seit seiner Kindheit beigebracht wurde. Glaube fängt nicht mit Angst an. Im Gegenteil. Wo Glauben anfängt, brauche ich keine Angst mehr zu haben. Zweifel schon. Zweifel bleiben, die meinen Glauben immer wieder herausfordern, wie die Zweifel des Mannes, der nachdenklich vor mir steht.

Das Gespräch dauert gar nicht lange. Dann verabschiedet sich der Mann. Und wirkt ein bisschen gelöster. Ich habe ihm zugehört. Und gemerkt, wie gut ihm gerade das getan hat.


„Ich weiß, dass mein Erlöser lebt“, sagt ein Mann namens Hiob in der Bibel. Ein Mensch, der alles im Leben verliert und der doch an Gott festhält. Hiob, ein Mensch, dem nichts bleibt, als der Glaube, dass Gott an ihm festhält: „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt.“

Seinen Glauben möchte ich haben… und gerne auch mit Ihnen teilen.



Ihr Heinz-Bernd Meurer aus Velbert



Quellen: Die Bibel nach der Übersetzung Martin Luthers, Hrsg. Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart 2017.



Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze


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