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Kirche in WDR 4 | 28.03.2022 | 08:55 Uhr

Gut, wenn einer weiterspricht

Heute ist wieder Montag, und weil heute Montag ist ist das Wochenende auch schon wieder vorbei. Tja. Und neulich, an einem Sonntag, da hats im Gottesdienst einen Klassiker aus der Bibel gegeben, eine olle Kamelle quasi. Schon tausend Mal gehört. Tja. Ich hab mit dem Lesen angefangen – und auf einmal bin ich total angefixt gewesen. Und ich habe gedacht: Hey, davon erzähle ich heute mal.

Es ist die Geschichte von Moses und dem Dornbusch gewesen. Und die geht ja so: Moses ist mit ein paar Schafen in der Wüste. Und da sieht er in der Ferne Qualm aufsteigen. Und er denkt sich: Ach Gott, was mag das sein? Und ein paar Schritte später sieht er: Da steht ein Dornbusch in Flammen.

Und als ich das gelesen habe, da habe ich an die vielen Bilder aus den Nachrichten denken müssen, die ich in den letzten Wochen gesehen habe. Aus Kiew, Mariupol oder Charkiv. Hochhäuser in Flammen. Die Trümmer einer Schule, aus der Rauch aufsteigt. Verschwitzte Gesichter von Frauen und Kindern auf der Flucht. Ich habe an eine Frau denken müssen, die ich im Altenheim besucht habe und die geweint hat, weil sie zwischen den Kindern in den Trümmern, die sie im Fernsehen gesehen hat sich selbst entdeckt hat. Weil sie das doch auch erlebt hat, als Kind, im Krieg, in Koblenz.

Und dann habe ich gemerkt, wie erschöpft ich bin. Die Bilder vom Krieg. Die unglaubliche Gewalt vor unserer Haustür. Meine Ohnmacht. Meine Wut auf die Kriegstreiber. Meine Traurigkeit. Meine Überforderung. Und ich habe gedacht: Ich fühle mich ja selbst so wie ein Dornbusch, der im Feuer steht. Und brennt. Ich sehe den Dornbusch in der uralten Geschichte – und auf einmal ist mir, als blickte ich in einen Spiegel. Und sehe mich, in dem alle Kraft und Zuversicht gerade in Rauch und Flammen aufgehen.

Aber die Pointe dieser Geschichte ist ja, dass der Busch brennt, aber nicht verbrennt. Er brennt einfach weiter. Und aus dem Busch hört Mose auf einmal eine Stimme, und diese Stimme sagt: Hey! Ich hab das Elend deines Volkes gesehen, Moses.

Und das hat mich total elektrisiert. Und ich habe gedacht: Wenn ich das heute lese, bedeutet das ja, dass Gott nicht nur das Elend von Moses und seinem Volk sieht – sondern auch meine eigene innere Not. Wenn ich nicht mehr kann. Wenn mir keine Antworten mehr einfallen angesichts dieses Wahnsinns. Wenn ich denke: Was für einen Sinn macht das?

Wenn alles in Flammen steht und ich keine Worte mehr finde – wie gut wäre es dann, wenn ein anderer weiterspricht! Wie in der Geschichte mit Moses an dem brennenden Busch. Wie gut, wenn dann einer sagt: Hey, ich habe dein Elend gesehen. Und das von denen, die du lieb hast. Ich bin da. Auch wenn du nur noch Qualm und Asche siehst.

Dass einer weiterspricht, wenn ich nicht mehr kann: Das wünsche ich mir ganz doll. Und das wünsche ich Ihnen. Nicht nur an diesem Montagmorgen.

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