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Kirche in WDR 4 | 02.07.2022 | 08:55 Uhr

So ein Spaziergang

Guten Morgen.

Er hätte so schön sein können, der Spaziergang am Sonntagmorgen. Warum er das dann doch noch wurde, erzähle ich Ihnen. Meistens bin ich ja Sonntagsvormittags in der Kirche. Coronabedingt hatten wir unseren Gottesdienst schon am Samstag aufgenommen. Also ich habe frei und will mir dann später noch einen Gottesdienst ansehen.

Die Sonne scheint, der Hund freut sich so wie ich und die Wiesen rufen.

Vor der Haustür die erste Überraschung: Da liegt ein dicker Hundehaufen mitten auf dem Gehweg. Der ist so frisch, der riecht noch. Zum Glück kann ich ausweichen und biege die nächste Straße ein. Da vibriert es mir in der Magengegend. Wieder so ein Autofahrer mit einem großen Verlangen, allen seinen Musikgeschmack aufzuzwingen. Der Hund zieht den Schwanz ein und ich bin froh, dass ich nicht mehr so gut hören kann. Wenn es wenigstens Bach oder Miles Davis gewesen wäre. Doch das hört man ja nie.

Endlich biegen wir von der Straße ab und in die Natur hinein. Herrlich, grüne Wiesen, ein paar Bäume und diese Ruhe. "Wusch" macht es, und der erste Rentner auf seinem E-Bike rauscht an mir vorbei. Und noch einer. Und noch eine. Gut, dass der Hund angeleint ist. Gefällt ihm zwar nicht, muss aber hier sein. Natürlich ist es besser, die fahren auf ihren E-Bikes durch die Gegend, als dass sie ohne Rad zuhause bleiben. Aber nervig ist dieser Verkehr schon.

Doch kaum habe ich die E-Biker verdaut, kommt das nächste. Ein großer Müllhaufen neben einer Sitzbank. Na prima, dabei steht ein Mülleimer direkt daneben. Kann doch nicht so schwer sein, seinen Abfall dort hinein zu bringen?

Der Müll macht mich empfindlich. Und mir fällt plötzlich auf, dass links und rechts des Weges zu viel Zeug rumliegt. Zeug, das da nicht hingehört: Getränkekartons, leere Chipstüten, Masken, Flaschen usw..
Meine Stimmung ist unten: In was für einer Welt lebe ich? Nimmt denn keiner mehr Rücksicht?
Doch dann sehe ich etwas, was diesem Sonntagmorgen eine ganz andere Richtung gibt. Es ist nur eine ganz kleine Geste mit einer enormen Wirkung auf mich.
Wir sind schon auf dem Rückweg. Wir gehen auf die Bank zu, die gerne von Wohnungslosen benutzt wird. So auch heute. Vor mir geht ein junger Mann. Plötzlich biegt er ab. Bietet dem Wohnungslosen auf der Bank eine Zigarette an. Ohne dass der gefragt hatte. Dem Wohnungslosen zaubert diese Kleinigkeit ein Lächeln ins Gesicht. Und das springt zu mir, dieses Lächeln. Breitet sich bis in mein Herz aus.
Nein, so schlecht kann die Welt gar nicht sein. Wenn ein Mensch einfach so ein kleines Geschenk macht. Mit großer Wirkung! Erst der Wohnungslose, der sich freut. Dann ich, der schlagartig seine schlechte Laune verliert. Und auch lächelt.
Und heute hören Sie von dieser kleinen Geste. Vielleicht schmunzeln Sie auch.
Und ganz vielleicht überlegen Sie sich, was denn Ihre Geste für eine bessere Welt heute sein könnte.
Jesus hat es mal so gesagt: "Was ihr für einen meiner geringsten Brüder und Schwestern getan habt, das habt ihr mir getan." (1) Das ist doch eine tolle Aussicht für unsere kleinen und großen Gesten in unserer Welt.



Es grüßt Sie, Pastor Heddo Knieper aus Soest.



(1) Die Bibel, Matthäus 25, 40 (Einheitsübersetzung 16).

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