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Sonntagskirche | 28.08.2022 | 08:55 Uhr

Geigenbauer

Der Ort Cremona in Italien ist weltberühmt. Und nein, nicht für Pizza, Pasta oder Eiscreme sondern
wegen
eines Musikinstrumentes: Der Geige. Gleich drei bekannte Geigenbauerfamilien gab es in Cremona: Amati, Stradivari und
Guaneri. Lange schon baut aus diesen Familien keiner mehr Geigen, aber es gibt noch Geigenbauer, auch in Deutschland.


Über eine solche Geigenbauwerkstatt habe ich kürzlich eine faszinierende Reportage gesehen. Allein der Anblick der Werkstatt mit den vielen Holzrohlingen hat mich beeindruckt,
all die schönen Formen.
Und
wie viel wunderbare Handarbeit im Bau einer Geige steckt!
Drei Monate und länger dauert der Bau einer guten Geige.
Ich kann mir den Geruch in einer solchen Geigenbauwerkstatt vorstellen. Diese Mischung aus Holz, Leim und Lack, der übrigens vielfach nach einem Geheimrezept in
den jeweiligen
Werkstatt gekocht wird.

Und
wie ich so die Reportage über den Geigenbau sehe, da macht mich
ein Detail nachdenklich.
Es ist so:
Wie
genau
eine Geige letztlich klingt, das erfährt der Geigenbauer erst dann, wenn sie fertig ist.
Es
gibt
zwar die grundsätzlichen
Eigenschaften
verschiedener Holzsorten, aber zum Beispiel benutzt der Geigenbauer für den Deckel
einer Geige
ein anderes Holz als für den Körper oder den Griff. Die Form der Geige spielt eine Rolle für den Klang und auch der Lack, mit dem sie angestrichen wird, ist entscheidend deshalb eben auch die
Lack-Geheimrezepte
einiger Manufakturen.


Wie also genau eine Geige klingt,
ist
am Ende
ganz individuell. Ich gebe zu, ich bin musikalisch echt talentfrei und mein Musikverständnis basiert auf „Hört sich toll an“ oder auch nicht. Ich weiß, dass man ein Instrument nach der Tonleiter stimmt, die Seiten anzieht oder lockert. Aber trotzdem ist
eben
Ton nicht gleich Ton, auch wenn er sich auf der Tonleiter gleich einordnen lässt? Genau.

Ein Instrument kann härter oder weicher klingen, voller oder sanfter.
Eine
Geige, deren Holz nicht unbedingt makellos schön ist,
kann also
trotzdem einen wohligen vollen Klang haben.

Genauso
kann
aber auch eine Geige
ihren Erbauer am Ende vom Klang her enttäuschen – nach Wochen, die er zum Bau gebraucht hat. Dann kommt
aber
vielleicht ein Musiker in den Laden, schaut sich um, sucht genau diese Geige aus, legt den Bogen an, spielt und ist von ihrem Klang begeistert, einfach weil genau ihr Klang ihn anspricht.


Irgendwie stelle ich mir Gott auch wie so einen Geigenbauer vor. Jeder Mensch ist sein Werk mit viel Liebe gemacht und gefertigt. Klar, Gott sitzt nicht in einer nach Holzspänen duftenden Werkstatt und schnitzt, leimt und lackiert. Aber ich bin sicher, dass er für uns alle genau die Liebe empfindet, die ein Geigenbauer in jedes seiner Instrumente investiert. Ab und an streicht er über uns und sagt „Du bist gut und schön, Dich habe ich gerne gemacht.“ Und dann hört Gott genau hin welche Töne wir in die Welt bringen. Wie klingen
wir? Sind unsere Worte freundlich,
wohlwollend

und
Frieden
stiftend? Oder
klingen wir
meckernd, streitlustig, unfair? Natürlich ist jeder von uns auch einmal missgestimmt, vergreift sich im Ton. Aber he, das macht uns aus und das Gute daran: Am Ende wird Gott sich unser Leben anhören, wie ein
großes
Geigensolo
und dann wird sich zeigen, ob wir im Großen und Ganzen einen guten Klang in die Welt gebracht haben. Haben wir mit anderen Menschen harmoniert? Vielleicht auch einmal den verrutschten Ton eines Orchesternachbarn wieder gerade gerückt?
Oder haben
wir auf die missglückten Töne eines anderen schadenfroh herabgeschaut, weil wir die erste Geige spielen wollten?
Waren unsere Töne laut oder leise, unser Tempo schnell oder langsam, getragen, überlegt ausgewählt oder spontane Improvisation?


Heute ist ein guter Tag für eine
schöne
Melodie. Ich weiß, dass Gott all seine Liebe in mich investiert hat und deshalb wünsche ich mir für mein Leben einen Klang, der ehrlich und echt ist, volltönend und melodisch, ein guter Klang in der Welt, der vielleicht auch ein wenig nachhallt, der anderen Freude macht und mich selbst zufrieden.

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