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katholisch

Sonntagskirche | 21.08.2022 | 08:55 Uhr

Offen katholisch

Ich mache aktuell eine Weiterbildung zur Traumaberaterin und am vergangenen Sonntag habe ich hier schon mal über das Thema gesprochen. Ich hatte von meinem Splitter erzählt, den ich mir an nem Kaktus eingefangen hatte. Und im Grunde war der Beitrag vom
letztem Sonntag Teil meiner Ausbildung.Wir haben nämlich ganz am Anfang geübt, den Begriff Trauma zu erklären. Metaphern sind dabei ein gutes Mittel und ich habe das Bild eines Splitters ausgesucht. Zum nächsten Seminartermin wollte ich
nun den anderen Teilnehmern von meinem Beitrag im Radio erzählen. Ich war gespannt und ein bißchen stolz.

Und dann, kurz bevor ich an der Reihe bin, passiert es: Es kommen Zweifel hoch. Soll ich wirklich sagen, dass ich einen Beitrag für die katholische Kirche im Radio gemacht habe? Soll ich offen sagen, dass ich in der Verkündigung arbeite?
Da sitzen 22 mir noch recht unbekannte Menschen. Wer weiß, wie die so über Kirche denken? Vielleicht kommt das komisch rüber…Vielleicht kommt sogar Gegenwind nach dem Motto „Wie kann man denn für den Verein nebenbei freiwillig arbeiten?“

Ein kleiner innerer Kampf beginnt, ich werde nervös und spüre wie mein Puls schneller schlägt. Und dann bin ich eigentlich auch ärgerlich über diese inneren Zweifel und denke: „He, Du kannst doch nicht im Radio von Kirche sprechen und dann im echten Leben kneifen“. Also erzähle ich vom Radiobeitrag. Sofort schwappt mir eine positive Welle aus Neugier entgegen. Wie lange machst Du das schon? Sprichst Du Deine Texte selber? Wo kann man das nachhören? Ich freue mich. Neben den Fragen in der großen Runde entwickeln sich später interessante persönliche Gespräche. Eine Kollegin erzählt, dass sie gläubig ist, aber sich aufgrund ihrer Homosexualität von der Kirche ausgeschlossen fühlt. Ich erzähle vom Projekt „Out in Church“ ,
eine Initiative, bei der sich homosexuelle kirchliche Mitarbeiter geoutet haben und dass es jetzt ein Diskriminierungsverbot bei kirchlichen Trägern gibt und von der Aktion „Liebe gewinnt“, bei der homosexuelle Paare gesegnet werden. Ich weiß, dass das Thema polarisiert.

In diesem Moment sehe ich aber vor allem diese tolle Kollegin aus der Fortbildung, die ein so lieber, herzlicher Mensch ist, die an Gott glaubt, aber so verletzt davon ist, so ausgeschlossen zu werden. Das macht mich traurig.

Eine Andere berichtet davon, dass ihr als Kind Glaube so vermittelt wurde, dass Gott alles Böse sieht, was die Menschen tut und sie dafür bestraft. Dieser böse strafende Gott hatte für sie nichts Tröstliches, Liebendes oder gab ihr Hoffnung. Als sie dann krank wurde, schwangen immer die Worte von früher mit „Du musst böse gewesen sein, Gott straft Dich.“ Sie ist wütend auf diesen Gott, auf diese Kirche. Auch das schmerzt.

Dann fragt einer warum ich in den Gottesdienst gehe? Das sei doch so steif und totlangweilig. Ha, damit trifft er einen Punkt, den ich als Vorurteil gut kenne, aber an dem gerne erzähle warum ich das anders sehe. Ich bin von klein auf katholisch, ich kenne die Abläufe einer heiligen Messe, immer gleich und das ist für mich nicht langweilig sondern es gibt mir Halt. Wenn ich in einer Messe sitze, fühlt es sich wie Heimat an, egal wo. Ich erzähle von einer Situation aus dem Urlaub: Ich war in einer kleinen Kirche in Lissabon gelandet. Mir ging es an dem Tag nicht gut, der Urlaub lief nicht wie erhofft, es hatte Streit gegeben, ich war aufgewühlt. Der Priester sprach Portugiesisch und ich verstand kein Wort. Anhand des Ablaufs wusste ich aber, was gerade da vorne geschah und in meinem Kopf hörte ich die segnenden Worte auf Deutsch und sprach sie mit. Das war Heimat, das brachte mich zur Ruhe, mein Herz wurde leichter und nach der Kommunion ging ich getröstet aus dieser Kirche ohne auch nur ein einziges Wort verstanden zu haben.

Als ich das den Kolleginnen aus der Fortbildung erzähle, werde ich nicht belächelt. Im Gegenteil: Eine Kollegin nickt und sagt, dass sie dieses Gefühl kennt und auch so empfindet. Beides ist da, Gleichgesinnte und Gegensätze, und vor allem ist da eine Atmosphäre gegenseitiger Akzeptanz. So eine Offenheit wünsche ich mir in der Kirche. Oft habe ich das Gefühl es wird ständig geurteilt und verurteilt in schwarz oder weiß, richtig oder falsch. Ich bin mir sicher, dass das so gar nicht sein muss.In den offenen Gesprächen in der Fortbildung habe ich es anders erlebt und das tat gut. Ja, ich brauchte etwas Mut um offen zu sagen, dass ich gerne katholisch bin und ja, es gibt die Facetten meiner Kirche, die ich antiquiert, beschämend, sogar schrecklich finde, aber es gibt eben auch das, was mir Halt, Mut und Heimat ist und davon erzähle ich gern. Denn in einer Sache bin ich mir sicher: Die Liebe, die Wärme im Miteinander, auf die es ankommt, ist bunt, vielfältig und nicht schwarz weiß.

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