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Kirche in WDR 4 | 27.07.2022 | 08:55 Uhr

David

Autorin: Guten Morgen.


O-Ton 1: (Heidrun Edel) Ganz schwer ist natürlich der Moment, in dem ein mitfühlender Arzt sich auf die Bettkante setzt und einem sagt, dass das eigene Kind sehr schwer behindert sein wird. Und das ist tatsächlich ein Loch, aus dem man ganz schwer wieder rausfindet.


Autorin: Als Heidrun und Thomas Edels Sohn David auf die Welt kommt, hat er schon unbemerkt einen Schlaganfall im Mutterleib gehabt. Die Neigung dazu hat er geerbt. Die beiden mittleren Teil der Gehirnhälften sind durch den Schlaganfall zerstört. Mit 14 Wochen fällt auf - er entwickelt sich nicht wie andere Kinder. Einige Untersuchungen folgen.


O-Ton 2: (Thomas Edel) Ich habe das Bild noch vor Augen, wo ich in irgendeinem Krankenhaus ankam. Das war ganz zu Beginn, als noch rauszufinden war, was genau bei David im Argen liegt. Und meine Frau kam mit einem verweinten Gesicht auf mich zu und da war, glaube ich, klar, dass das MRT ein ganz schlimmes Ergebnis hatte.

Das war furchtbar, weil ja man vorher noch gewisse Hoffnung hatte. Da ist was, aber – Klammer auf - ich glaube, es wird schon nicht so schlimm sein. Wird schon irgendwie funktionieren alles. Aber das Gesicht meiner Frau, das war sehr eindeutig.


Autorin: Entwicklungsverzögert wird man das nennen. Wie schafft man es, mit so einer Diagnose umzugehen.


O-Ton 3: (Thomas Edel) Mit Sicherheit weiß ja jeder, was er zu leisten imstande ist und was er für Kräfte hat. Und wenn man sich dann kurz berappelt hat nach der ersten Neuigkeit, nach der Bösen, dann weiß man eigentlich schon, glaube ich, relativ schnell, dass man die Herausforderung annehmen muss einfach und dass man die Kräfte hat, das zu schaffen.


Autorin: Thomas Edel erzählt, dass das natürlich ein Prozess war. Scheibchenweise kamen immer neue Diagnosen. Die dreijährige Tochter nimmt ihren Bruder an, wie er ist. Sie schließen Freundschaft. Auch wenn er nicht richtig mit ihr spielen kann.


O-Ton 4: (Heidrun Edel) Also, um sich das besser vorstellen zu können, hilft es eigentlich, zu sagen, was er nicht kann. Nämlich nicht laufen, nicht krabbeln, nicht greifen, nicht sprechen. Um aber ihm einfach als Mensch gerecht zu werden, hilft es viel mehr, wenn man sagt, was er kann. Und er kann lachen.

(Thomas Edel) Er kann sehr fröhlich sein. Er kann wahrscheinlich schmecken. Er mag immer gerne leckere Sachen auf der Zunge haben. Er riecht wahrscheinlich auch. Und er kann uns alle begeistern. Wenn er einfach sehr aufmerksam ist und mit einem fröhlichen, offenen Gesicht uns anschaut.


Autorin: Menschsein – ein Gottesgeschöpf sein. In diese Welt gestellt. Mit allem, was ich mitbringe.

David fordert seine Umgebung, seine Eltern aber auch heraus – als Anwalt und Lehrerin haben sie Leistungsansprüche. Die verändern sich.


O-Ton 5: (Heidrun Edel) Es sind mir auch manche Dinge, die mir früher furchtbar wichtig waren, inzwischen total egal. Es lehrt, das Leben durch eine andere Brille und mit anderen Augen zu betrachten. Und wenn ich David so betrachte, glaube ich: Es ist gut so!

Zum Beispiel Leistung im weitesten Sinne. Gute Noten schreiben in der Schule. Karriere machen. Wobei das jetzt ganz furchtbar Geldbesessen und materiell denkend klingt, aber das war mir schon wichtig, in meinem Beruf auch gut zu sein und was zu erreichen, was ich mir vorstelle. Und ich glaube, das ist mir inzwischen längst nicht mehr so wichtig, weil mir viel wichtiger ist, dass wir zufrieden sind und dass es uns allen gut geht.


Autorin: David selbst tut etwas dafür, dass es ihm und allen gut geht. Er hat Freunde. Es gelingt ihm, Menschen an sich zu binden.
Wenn die Eltern David beschreiben, der heute fast 20 Jahre alt ist, merkt man: Er sieht mit dem Herzen.


O-Ton 6: (Thomas Edel) Er verteilt einfach Sympathien, so wie jeder andere Mensch auch, nur so ein bisschen wie Justitia, ohne zu sehen, wer vor ihm ist. Also, ich glaube nicht, dass er jemals jemanden abgelehnt hat.

Autorin: David lehrt: ohne Vorurteile aufeinander zuzugehen, sich anzunehmen wie man ist. In der ganzen Vielfalt.



Einen Tag, an dem es Ihnen und denen um Sie herum gut geht, den wünscht Ihnen,

Petra Schulze, Rundfunkpfarrerin aus Düsseldorf.



Redaktion Landespfarrerin Petra Schulze


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