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Kirche in WDR 4 | 18.07.2022 | 08:55 Uhr

21 Hühner

Heute ist wieder Montag, und weil heute Montag ist ist das Wochenende leider auch schon wieder vorbei. Tja. Und vor ein paar Tagen, da war ich in unserer Gertrudkirche unterwegs. Und da fällt mein Blick auf ein großes Buch mit leeren Blättern. Das liegt aufgeschlagen am Eingang der Kirche. Und wenn Menschen in die Kirche kommen, dann können die in das Buch alles eintragen, was ihnen so durch den Kopf geht. Was das Herz schwermacht. Oder auch, was sie sich ganz doll wünschen. Und als ich näher hingehe, da sehe ich, wie jemand mit einer Kinder-Krikelkrakelschrift in das Buch geschrieben hat: „Lieber Gott, ich wünsche mir 21 Hühner.“

Was für ein wunderbarer außergewöhnlicher Kinderwunsch! Ich habe mich auf die Treppe gesetzt, und ich habe mich gefragt: Warum wünscht sich ein Kind um Himmels Willen 21 Hühner?

Und ich musste lächeln. Denn ich bin auf einmal selbst wieder Kind gewesen. Mit grünen Gummistiefeln, einer Pudelmütze mit einem roten Bommel und einem braunen Kinderparka stehe ich wieder zu Hause vor dem Schuppen. Mein Vater biegt mit dem Opel Rekord auf den Hof. Er steigt aus, öffnet den Kofferraumdeckel, und mein Blick fällt auf zwei große Pappkartons. Ich höre ein schüchternes Gackern. Mein Vater trägt die Kartons, einen nach dem anderen in den Schuppen. Er öffnet die Tür zum abgetrennten Hühnerstall. Die Deckel öffnen sich, und da sind sie, diese wunderschönen braunen Vögel. Mit eingezogenem Kopf kauern sie nebeneinander. Mein Vater hebt sie nacheinander aus den Kartons und setzt sie vorsichtig auf den Boden des Stalls, der natürlich frisch ausgefegt und mit Torf und Stroh ausgestreut ist. Vorsichtig schauen sich die Hühner um. Sie sind gerade ein paar Wochen alt. Meine Eltern haben sie aus einer Hühnerfarm geholt. Für sieben Mark das Stück. Nicht 21 Hühner, aber immerhin 12 oder 13. Nun werden sie bei uns leben. Irgendwann werden sie Eier legen. Die wunderbarsten Eier der Welt, natürlich.

Eins ist mir aber aufgefallen. Die jungen Hühner hatten eine ganz käsige blasse Gesichtsfarbe. Die hat gar nicht zum kräftig braunen Gefieder gepasst. Und als mein Vater ein paar Tage, nachdem die Hühner eingezogen waren die Tür zur Freilauffläche öffnete – da blieben die Tiere erst mal noch drin. Freiwillig. „Sie kennen das Sonnenlicht nicht“ erklärte mir der Vater. „In der Hühnerfarm gibt’s nur künstliches Licht. Und deswegen haben die noch Angst. Aber das legt sich.“ Ich habe mir das nicht erklären können. Hatten etwa nicht alle Hühner so einen wunderbaren Hühnerpark wie wir? Tja.

Und als ich nun auf der Treppe in der Kirche gesessen bin und den Wunsch des Kindes gelesen habe, da habe ich meinem Vater gedankt. Dafür, dass er alle paar Jahre einer Schar Hühner zu uns geholt hat. Diese wunderbaren klugen und sozialen Tiere. Dass ich sie beobachten konnte: wie sie später übermütig durch die Sonne gerannt sind oder sich in einer staubigen Kuhle gewälzt haben. Und ich habe gedacht: Lieber Gott, dann schenk doch diesem Kind um Himmels Willen 21 Hühner. Damit es diese wunderbaren Tiere studieren kann und lieben lernt. So wie ich sie lieben lernen durfte. Und: damit es lernt, wie wichtig die Freiheit ist. Von der sogar Hühner ein Lied gackern können. Nicht nur, an diesem Montagmorgen.

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