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Kirche in WDR 4 | 24.10.2022 | 08:55 Uhr

Mach dich nicht verrückt

Heute ist wieder Montag, und weil heute Montag ist, ist das Wochenende leider auch schon wieder vorbei. Tja. Und vor ein paar Wochen, da habe ich mich sehr gefreut. Denn da ist Horst Schlämmer wieder aufgetaucht. In einer ziemlich witzigen Werbekampagne. Horst Schlämmer ist ja eine der großartigsten Figuren des Schauspielers und Entertainers Hape Kerkeling. Ein leicht schmieriger und stets angeschickerter Journalist in einem viel zu engen Trenchcoat, mit Wackelgebiss und grauer Lockenmähne. Was habe ich mich gefreut ihn wiederzusehen. Und ich finde, einer seiner wichtigsten Sätze ist ja: „Mach dich nicht verrückt.“ Eigentlich ein sehr philosophischer Satz, einer voll tiefer Lebensweisheit. „Mach dich nicht verrückt“ – dieser Satz bedeutet ja: Mach dir keinen Stress. Alles wird gut. Und wenn Horst Schlämmer diesen Satz mitten in höchster Anstrengung und mitten in selbst angerichtetem Durcheinander sagt – dann ist das zum Schreien komisch.

„Mach dich nicht verrückt“ – an diesen Satz von Horst Schlämmer habe ich neulich denken müssen, als mir eine Geschichte aus der Bibel wieder über den Weg gelaufen ist. Und die geht so: Die Jüngerinnen und Jünger sind mit Jesus unterwegs. Und der macht ihnen ein paar klare Ansagen: Wenn dein Freund oder deine Freundin eine Krise hat, dann kümmer dich! Sagt er. Und: Wenn dir einer blöd kommt und dich beleidigt, dann verzeihe ihm. Und wenn er das wieder macht nochmal. Und nochmal. Und nochmal.

Ich habe mir vorgestellt, dass die Menschen, die das gehört habe sich ganz schön erschrocken haben. Wer hat schon immer ein offenes Ohr, wenn einer in der Krise ist! Und vor allem: Wer bringt das fertig, einem fiesen Drecksack zu verzeihen? Nicht nur einmal? Und deswegen haben die Menschen gesagt: Hey, das schaffen wir nicht. Das kannst du vielleicht. Aber wir? Dafür sind unser Vertrauen und unser Glaube zu klein.

Und jetzt kommt der Horst-Schlämmer-Moment in der Geschichte. „Wenn euer Glaube nur so winzig ist wie ein Senfkorn“ sagt Jesus nämlich, „wisst ihr, was ihr dann schaffen könnt? Ihr könnt zu diesem riesigen Baum sagen: Mach dich vom Acker und spring ins Meer! Und der Baum wird das machen.“ Horst Schlämmer hätte das jetzt nicht so kompliziert ausgedrückt. Er hätte gesagt, genau: „Mach dich nicht verrückt.“ Was ja bedeutet: Das wird schon. Du schaffst das. Mach dir keinen Druck. Es wird schon reichen. Du kriegst das hin.

Das Wunderbare ist ja: Beim Glauben an Gott geht es doch nicht um Höchstleistungen. Du musst keine gelehrte Professorin sein, kein frommer Bischof und kein Kardinal, nicht mal ein Pastoralreferent. Wir meinen das immer, aber ich finde, das ist nicht so. Ein winziges Vertrauen darauf, dass die Welt anders sein könnte als sie so oft scheint, nicht so ernst nämlich, heilsamer, friedlicher und fröhlicher – das reicht. Eine kleine Sehnsucht danach, dazu ein bisschen beizutragen, das dazuzutun, was halt gerade geht – das reicht. Also: „Mach dich nicht verrückt.“ Nicht nur an diesem Montagmorgen.

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