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Kirche in WDR 4 | 02.01.2023 | 08:55 Uhr

Am Ende geht es gut aus

Heute ist wieder Montag, und weil heute Montag ist ist das Wochenende leider auch schon wieder vorbei. Tja. Der erste Montag in einem blitzblanken neuen Jahr.

Als ich ein Kind war, hat es bei uns zu Hause zum Jahreswechsel immer ein wichtiges Ritual gegeben. Die Kalender sind ausgetauscht worden. Im Esszimmer über dem Ofen hat ein Tagesabreißkalender gehangen. Ich bin ganz heiß drauf gewesen, die Pappe mit dem Kalender über den Nagel zu schieben und das Deckblatt abzureißen. Dann ist mit den letzten Tagen des alten Jahres losgegangen, 29. Dezember, 30. Dezember, 31, Dezember (Silvester), ratsch, ratsch, schnell abreißen, und dann ist sie gekommen, die rote Eins. 1. Januar, Neujahr. Der erste Tag. Die erste Seite. Und noch so viele Seiten übrig. Beruhigend.

Dann ab in die Küche. Da hat unter dem Schlüsselbrett ein Monatsbilderkalender gehangen. Denn haben wir immer an der Tankstelle geschenkt bekommen. Da gabs zu jedem Monat ein passendes Bild: Ein lachender Clown im Februar. Eine Wiese mit Krokussen im März. Maiglöckchen im Mai. Blauer Himmel über einem Bergsee im Juli. Ich habe immer schnell, schnell ganz nach hinten geblättert. Wie wird das Jahr zu Ende gehen? Und nie bin ich enttäuscht worden: Das letzte Bild ist immer eine kleine Kirche oder eine Kapelle gewesen, tief verschneit in den Bergen, davor ein strahlender Weihnachtsbaum mit vielen hellen Lichtern. Weihnachtsidyll. Am Beginn eines jeden neuen Jahres ist also das kleine Kind unheimlich erleichtert gewesen. Der Kalender lügt nicht. Er hält, was er verspricht. Am Ende brennt der Weihnachtsbaum wieder. Am Ende geht es gut aus.

Am Ende geht es gut aus. Mensch, diese Zuversicht des kleinen Kindes hätte ich heute auch gern. Aber die Zeit der Abreiß- und Landschaftskalender ist vorbei. Am Ende geht es gut aus. Das würde ich gern Ingo sagen, der vor ein paar Wochen zum ersten Mal über seine Missbrauchsgeschichte in der Öffentlichkeit sprechen konnte. Am Ende geht es gut aus. Das würde ich gern Frau Dr. Fuchs sagen, die am Ende ihres Lebens genau an diesem Leben so oft verzweifelt. Am Ende geht es gut aus. Wie klingt das angesichts von Schlachtfabriken und Legebatterien? Angesichts von Bomben in der Ukraine?

Am Ende geht es gut aus. Das denke ich, als ich den Segen der Sternsinger über meiner Tür sehe. In diesen Tagen laufen ja wieder die Kinder zu vielen Wohnungen und kleben und schreiben ihn hin. Am Ende geht es gut aus, so lautet ja das Versprechen des Segens. Und auf einmal denke ich: Vielleicht ist das ein Anfang. Wenn Menschen sich einfach gegenseitig sagen, woran man allein so schwer glauben kann, nämlich: Am Ende geht es gut aus. Heute sage ich also Ihnen wie der kleine Junge damals mit seinem Kalender oder wie die Sternsinger an den Türen: Am Ende geht es gut aus. Und wenn Sie wollen erzählen Sie es mir. Dass es ein gutes Jahr wird. Dass es gut ausgehen wird. Und vielleicht erzählen Sie mir auch davon, warum Sie das glauben. Ich bin total neugierig. Meine Adresse finden Sie im Internet. Und dann werde ich wieder ein Kind und schicke Ihnen den Segen mit der Post nach Hause. Wenn Sie möchten. Denn am Ende geht es gut aus. Und heute geht es damit schon los. Am ersten Montagmorgen im neuen Jahr.

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