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Sonntagskirche | 12.02.2023 | 08:55 Uhr

Beten hilft!

Guten Morgen.


Sie kommen beide im Himmel an: ein Priester und ein Busfahrer mit riskantem Fahrstil, der bei einem selbstverschuldeten Verkehrsunfall ums Leben gekommen ist. Der Priester erhält als Willkommensgeschenk eine Bibel. Doch ansonsten beachtet man ihn nicht weiter. Den Busfahrer hingegen begrüßen die himmlischen Heerscharen mit Harfen und Trompeten. Sie rollen extra für ihn einen roten Teppich aus. Und streuen unzählige wohlriechende Blütenblätter vor ihm auf den Weg. Und alle singen und bejubeln ihn. Neidisch fragt der Priester: „Warum wird dieser Busfahrer so würdevoll begrüßt? Und mich beachtet keiner?“ Die Antwort: „Bei deinen Predigten sind die Leute eingeschlafen, aber bei seinen Fahrten haben sie alle gebetet.“

Ich mag diesen Witz. Beten ist wichtig. Nicht nur in der Not, wenn der Busfahrer eine Kurve zu riskant nimmt. Beten ist für mich wie eine Muttersprache. Sonntags bete ich gerne in Gemeinschaft mit anderen Christinnen und Christen, die ihre Beziehung zu Gott mit mir teilen und mit mir feiern. Sonntags-Gottesdienst feiern. Beim Beten nehmen wir zu Gott Kontakt auf. Im Beten denke ich über mich selbst hinaus. Da gibt es freie Gebete, die ich selbst formuliere. Und die, die ich mit anderen bete und bei denen ich begreife, was die Liebe, die Hoffnung und der Glaube für mich bedeuten. Ich stelle mir Gott als persönliches Gegenüber vor. Der meine Gedanken und Worte aufnimmt. Ich stelle mir vor, dass er hört, was mich bewegt. Ob es Freude ist oder Dankbarkeit und Glück oder Traurigkeit, Verzweiflung und Resignation. Ich darf zu ihm sprechen, wie mit einem Freund. So begleitet er mich täglich, wenn ich bete. Mein Tag beginnt nicht nur am Sonntag mit einem Gebet, sondern jeden Tag. Und oft erlebe ich, dass Gott mir etwas Besonderes schenkt – mitten im Alltag. Zum Beispiel den Blick für die Menschen, denen ich vertrauen und denen ich mich anvertrauen kann. Und ebenso wie einem Freund darf ich Gott auch meine Enttäuschung, meine Zweifel und mein Entsetzen mitteilen. Alles, was ich nicht begreife, was mich fassungslos macht und wo ich nur hilflos daneben stehe. Ja, und natürlich, manchmal lehrt Not beten, zum Beispiel wenn der Busfahrer die Kurve zu riskant nimmt. Oder in anderen Alltagssituationen. Aber auch in den großen Katastrophen und Ereignissen unserer Zeit. Ich möchte jedoch keinen Gott als bloße Not-Lösung, sozusagen als religiöse Notbremse. Spannend ist für mich beim Beten aus der Not heraus: Ich gestehe vor Gott ein, dass ich schwach bin. Dass ich auf Hilfe angewiesen bin. Auf seine Hilfe. So ist für mich der Notfall auch ein Anstoß, mich täglich Gott zu öffnen. Täglich den Kontakt zu ihm zu suchen. Sonst könnte ich vieles, was mir sinnlos erscheint, überhaupt nicht aushalten können. Beten heißt aber nicht einfach alles erdulden. Ich bitte Gott auch täglich um die not-wendige Kraft, das zu tun, was mir möglich und mir richtig erscheint. So orientiere ich mich seit vielen Jahren immer wieder an dem wunderbaren Gebet:

„Gott schenke mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann. Den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann. Und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden“. (1)



Quelle

(1) Joachim Schäfer: Artikel Friedrich Christoph Oetinger, aus dem Ökumenischen Heiligenlexikon –

https://www.heiligenlexikon.de/BiographienF/Friedrich_Christoph_Oetinger.html (abgerufen am 02. 01. 2023)

Der Text wurde lange Friedrich C. Oetinger zugeschrieben. „Tatsächlich geht das Gebet auf den evangelischen Theologen Reinhold Niebuhr und das Jahr 1943 zurück, wie die Württembergische Landesbibliothek überzeugend aufzeigt.“ Evang. Gemeindeblatt für Württemberg 6/2007:

https://www.wlb-stuttgart.de/sammlungen/handschriften/bestand/nachlaesse-und-autographen/oetinger-archiv/gelassenheitsgebet/ (zuletzt abgerufen am 02.01.2023)




Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze

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