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Sonntagskirche | 20.08.2023 | 08:55 Uhr

Entschleunigung

Guten Morgen!

Vor 65 Jahren (1958), erschien das Hörspiel „Lok 1414 geht auf Urlaub“. Als Kind habe ich diese Schallplatte geliebt und wahrscheinlich dutzende Male gehört, bis ich den Text auswendig kannte.

Die alte Dampflok 1414 hat immer wieder dieselbe Strecke zu bewältigen. Ihre Stimme „von Altstadt nach Neustadt“ klingt noch heute in meinen Ohren. Im Hörspiel fährt sie 61 Jahre lang immer wieder von Altstadt nach Neustadt und von Neustadt nach Altstadt. Auf einmal heißt es: „Ich bin so müd. Ich bin so müd. Ich will heut nicht. Ich kann heut nicht. Ich kann nicht mehr. Ich hab es satt. Ich bin so müd. Ich kann nicht mehr.“ Zum guten Schluss bleibt sie auf offener Strecke stehen.

Der Lokführer Anton rät ihr, einen Kurzurlaub zu machen, damit sie ihre „Batterien“ wieder aufladen kann. So macht sich die gute alte 1414 des Nachts auf den Weg. Auf ihrer nächtlichen Urlaubsfahrt besteht sie einige aufregende Abenteuer. Am nächsten Morgen läuft sie pünktlich um 8.15 Uhr erholt und erfrischt in Altstadt ein und kann die altbekannte Fahrt nach Neustadt wieder antreten, diesmal aber voller Elan.

Eine herrliche Kinderschallplatte, die mittlerweile im Internet diverse Fans hat. Diese Platte von Friedrich Feld hat inzwischen 65 Jahre auf dem Buckel und ist doch nach wie vor aktuell. Vielleicht heute sogar noch mehr als damals.

1983 erschien der Roman von Sten Nadolny „Die Entdeckung der Langsamkeit“. Damit wurde der Begriff der „Entschleunigung“ populär. Dabei ist das Konzept schon viel, viel älter. Jesus sagt einmal: „Kommt zu mir, alle, die ihr mühselig und belastet seid; ich will euch erquicken. Lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.“ (Matthäus 11,28-30, Lutherbibel 2017)

Jesus lädt die Mühseligen und Belasteten zu sich ein. Das griechische Wort für „Mühselige“ ist aus „Arbeit, Mühe und Schwierigkeit“ zusammengesetzt.

Das zweite Wort lässt sich mit „Beladene“ oder „Belastete“ wiedergegeben. Es meint alle, die nicht mehr können und am Ende ihrer Kräfte sind. Jesus lädt alle ein, zu ihm zu kommen. Alle, die entschleunigen müssen oder kurz vor dem Burnout stehen. Jesus will uns entlasten und „Ruhe geben“. Es geht um ein „Ausruhen, Ruhe gewähren und erquicken“.

Jesus lädt die Mühseligen und Belasteten ein.

Seine Arme sind weit geöffnet, und es ist Platz da für jeden von uns. In seine offenen Arme dürfen wir uns flüchten mit unseren Ängsten, mit unserem nicht mehr Mitkommen mit der Schnelllebigkeit im heute und hier. Mit unserem „zu kurz kommen“, mit unserem permanenten schlechten Gewissen. Zu ihm dürfen wir auch mit unserer Schuld kommen. Bei ihm sind wir willkommen, ganz egal wie alt wir sind. Bei ihm finden wir Halt in Phasen der Schwäche und der Krankheit. Und er hilft uns, manches leichter zu nehmen. Wenn ich mich so ausgeruht habe, gehe ich mit neuer Energie ans Werk.

Und ich fahre weiter von Altstadt nach Neustadt und umgekehrt – aber nie mehr ohne die nötigen Pausen und Energiereserven.



Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze

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