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Sonntagskirche | 27.08.2023 | 08:55 Uhr

Verwechslungen

Guten Morgen!

Sie ist nicht mehr die Jüngste. 84 Jahre ist sie alt, und die Beschwerden des Alters machen sich bemerkbar. An einem Morgen besuche ich sie. Wir sprechen einige Zeit über ihre Beschwerden, ihre Kinder, über Gott und die Welt. Plötzlich schaut sie mich mit großen Augen an und sagt überrascht: „Aber Herr Doktor, Sie waren doch erst gestern da!“ Sie hat mich wohl mit ihrem Arzt verwechselt, obwohl wir uns ziemlich gut kennen. Das kennen vielleicht die meisten. Ich treffe auf der Straße jemanden, von dem ich meine: „Den kenn ich, glaub ich.“ Ich sprech ihn an, und es stellt sich heraus: Eine Verwechslung liegt vor. Er sieht meinem Bekannten nur äußerlich ähnlich.

Manchmal verwechsle ich aber nicht nur Menschen, sondern ich verwechsle den lebendigen Gott mit dem, was ich mir unter Gott vorstelle.

Dazu eine andere Begegnung: Als wir uns damals kennenlernten, war sie 18 Jahre alt. Sie kam immer öfter zu uns in die kirchliche Jugendeinrichtung. An ein langes Gespräch kann ich mich noch gut erinnern. Wir sprachen über Gott und über die Frage, wie man ihn finden kann. Im Verlauf des Gespräches stellte sich heraus, dass sie nicht an Gott, den Vater, glauben konnte. Für sie war Gott eine leere Vokabel, mit der sie nichts anzufangen wusste. Durch ihr Elternhaus wurde sie schon früh mit Gott und Glauben konfrontiert. Man sagte ihr: Gott ist der Vater im Himmel. Anfangs glaubte sie daran. Doch ihre Kindheit war nicht leicht gewesen. Ihr Vater benahm sich wie ein Tyrann. Und immer, wenn sie etwas anstellte, bekam sie zu hören: „Das wird Gott aber nicht gefallen!“ Im Laufe der Jahre wurde auch Gott für sie zu einer Art Schreckensfigur, mit Rundumbewachung, der immer nur straft. Sie verwechselte Gott mit dem, wie man ihr Gott in der Familie vorgestellt hatte. An solch einen Gott aber wollte und konnte sie nicht glauben.

Verwechslungen helfen nicht weiter! Wer wirklich Gott kennenlernen will, sollte sich von falschen Gottesvorstellungen lösen und in der Bibel nachschauen, wer Gott wirklich ist.

Dabei muss ich selbstkritisch zugeben, dass Christen so manches Mal auch nicht gerade einladend auf andere wirken. Schon Nietzsche sagte, dass ihm die Christen erlöster aussehen müssten. Wie oft guckt man in ernste und fast ein wenig verbiesterte Gesichter, wenn ein frommer Chor lautstark und stimmgewaltig von der Freude Gottes singt. Da freut sich in mir nichts mit. Die Worte können mich nicht überzeugen, da der Gesichtsausdruck der Singenden das genaue Gegenteil predigt. Das gleiche gilt natürlich auch für die, die predigen. Doch wie schlimm und geradezu zerstörerisch, wenn im Schutzraum Kirche Menschen missbraucht werden. Als Pastor höre ich oftmals, dass jemand mit Glauben, Gott und Kirche nichts mehr zu tun haben will. Weil er sehr totalitär christlich erzogen worden ist - ob durchs fromme Elternhaus oder eine kirchliche Einrichtung.

Oft sind Christen also selbst schuld an so manchen Gottes-Verwechslungen. Dabei vermute ich, dass sich fast jeder Mensch danach sehnt, von einem liebenden Gott angeschaut und in die Arme genommen zu werden. Einem Gott, der uns zärtlich über den Kopf streichelt und sagt: „Du bist für mich einzigartig, unverwechselbar und wertvoll!“



Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze

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