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Kirche in WDR 4 | 17.07.2023 | 08:55 Uhr

Prophetin der Liebe

Heute ist wieder Montag, und weil heute Montag ist ist das Wochenende auch schon wieder vorbei. Tja. Und heute Morgen, da döst unser Pudel Greta noch in ihrem Korb. Und träumt. Sie hat sich auf den Rücken gedreht und streckt mir ihren Bauch entgegen. Ihre Hinterbeine ragen wie zwei große Türklinken Richtung Himmel. Sie wackeln im Rhythmus ihrer Atemzüge. Die Vorderpfoten rudern sachte. Bestimmt rennt sie gerade im Traum noch einmal am sandigen Ufer des Rheins entlang. Da waren wir ja neulich noch. Ihr Maul geht auf und zu. Lautloses Bellen. Das Bild rührt mich zutiefst. Jedes Mal. Ein stilles friedliches Bild eines wunderbaren Geschöpfes, das das Leben liebt. Hachja.

Unser Hund erinnert mich an eine Welt, die es auch gibt. Eine Welt von Vertrauen, Lebensfreude und Zuneigung. Sie scheint manchmal verschüttet. Und oft ist sie es ja auch. Schon wenn ich morgens die Zeitung aufschlage. Versinkt sie in den Schlagzeilen. Dürre in Andalusien. Streubomben in der Ukraine. Menschen, die im Mittelmeer ertrinken. Fakenews, Beleidigungen und Geschrei im Internet. Lieblosigkeit allenthalben. Wo ist sie geblieben, diese andere Welt? Wenn es sie gibt, wo um Himmels willen kann ich sie finden?

In meinem Urlaub hat mir Gunnar einen wundervollen Text geschickt. Ein Interview mit dem Dichter und Schriftsteller Carl-Christian Elze. Und der hat eine These aufgestellt, die ich wunderbar, hoffnungsvoll und tröstlich finde. Da hat er nämlich gesagt: „Ein Hund lebt unbewusst eher die Bergpredigt als wir Menschen.“ Oha. Eine steile These. Immerhin ist die Bergpredigt Jesu eine Art göttliche Betriebsanleitung mit Hinweisen dazu, wie sich die Welt immer mehr aus ihren fatalen Verstrickungen lösen könnte. Und wie der biblische Gott sie dazu lockt, das auch zu tun. Okay, aber was kann ein Hund dazu beitragen?

Auf die verblüffte Nachfrage des Interviewers hat Elze das begründet: „Hunde bringen ,,ihren" Menschen eine so große und unbedingte Liebe entgegen, wie es sie sonst in dieser Beständigkeit nicht noch einmal gibt“, sagt er. „Ich sehe sie als kleine wandelnde Bergpredigten, von denen wir lernen könnten, lernen müssten.“ Und jetzt kommts. Er sagt: „Du kannst deinen Hund noch so schlecht behandeln und er liebt dich noch immer. Diese unbedingte Liebe, auch Feindesliebe, eines Hundes ist der einzige Weg, uns zu beschämen und unsere Gewaltspiralen zu durchbrechen.“ Ein Wahnsinnsgedanke. Die Liebe, die auch da noch weitergeht, wo ich nicht mehr hinterherkomme. Nicht mehr kann. Das ist ja vielleicht der Kerngedanke der christlichen Hoffnung. Auferstehung. Ostern. Nennen Sie es, wie Sie wollen. Diese Tür muss doch offenbleiben. Dieser Gedanke darf doch nicht stumm werden. Was für eine Welt wäre das sonst? Welchen Sinn würde das alles machen? Eben.

Und dann hat Elze noch einen wunderbaren Satz gesagt, der seine Gedanken auf den Punkt bringt: „Ich kann leider nicht mehr direkt mit Jesus zusammensitzen, aber ich kann noch jeden Tag mit meinem Hund spazieren gehen, zum Glück." Und genau das mache ich gleich. Wir springen nach draußen. Greta schaut mich an. Diese nimmermüde Prophetin der Liebe. Sie sagt: „Es ist nichts verloren.“ Nicht nur an diesem Montagmorgen.

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