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Kirche in WDR 4 | 04.09.2023 | 08:55 Uhr

Der Hundling

Guten Morgen,

es war bei einer dieser üblichen Vorstellungsrunden, die häufig zu lang ausfallen. Wo manche gerade mal ihren Namen preisgeben, während andere gerne weit ausholen, ohne dass man wirklich etwas von ihnen erfährt.

Doch diesmal ist es anders. Alle horchen sofort auf, als uns eine Frau in ihre Lebensgeschichte hineinschauen lässt. Sie erzählt von ihrer Kindheit, die lange zurückliegt, aber auf einmal ganz präsent ist.

Es geht um die letzten Monate des 2. Weltkriegs und die Zeit danach.

In wenigen Sätzen skizziert sie ihren Lebensweg in diesen Kriegswirren. Von der überstürzten Flucht aus den deutschen Ostgebieten, bis hin zu einem kleinen bayerischen Dorf, in das sie gemeinsam mit ihrem Bruder verschlagen wird. Dort ist der Frieden schon länger angekommen. Und dort gibt es Brot. Trotzdem ist es kein leichter Neuanfang für die Kinder, in eine neue Umgebung hineingeworfen zu werden.

Der Dorfpfarrer soll sich um die ankommenden Kleinen kümmern. Aber er ist wohl nicht gerade ein Menschenfreund - im Gegenteil. „Das war ein richtiger Hundling“, sagt sie. In Köln nennt man so jemanden „ene fiese möpp“, also jedenfalls kein Sympathieträger.

Aber sie sagt auch, dass dieser „Hundling“ sie immer gut behandelt hat. So ist es für sie keine schlechte Zeit gewesen. Doch als sich die Lage in Deutschland nach dem Krieg wieder etwas beruhigt, muss sie erneut aufbrechen. Ins Bergische Land, wo sie bis heute lebt. „Und der Dorfpfarrer hat mich zum Abschied gesegnet“, sagt sie. „Und dieser Segen begleitet mich bis heute.“

Selbst jetzt, als sie in unserer Vorstellungsrunde davon erzählt, spürt man ihre Rührung: „Dieser Hundling hat mich gesegnet.“

Die Geschichte dieser Frau geht mir bis heute nach. Man muss kein Heiliger sein, um anderen Menschen ein Segen zu sein. Wenn selbst ein „Hundling“ einem anderen Menschen zum Segen werden kann, dann kann es jeder.


Knapp eine Woche später, an einem überfüllten Bahnschalter im Hamburger Hauptbahnhof muss ich daran denken. Ich fühle mich von lauter Hundlingen umgeben. Und dann erklärt mir eine Beamtin umständlich, dass ich den vorgesehenen Zug trotz meiner gültigen Fahrkarte nicht nehmen kann. Als sie mein verständnisloses Gesicht sieht, hält sie kurz inne, lächelt und sagt nur. „Ach was. Jeden Tag eine gute Tat.“ Dann schreibt sie noch etwas auf meine Fahrkarte, setzt ihren Stempel darauf und wünscht mir eine gute Fahrt.

Manchmal ist es so leicht einen anderen Menschen zu segnen. So konnte ich auf dem Weg noch einen lieben Menschen besuchen und eine Freude machen.

Man muss kein Heiliger sein, um andere Menschen zu segnen. Wenn selbst ein „Hundling“ einem anderen Menschen zum Segen werden kann, dann kann ich es, und dann können Sie es auch.

Und vielleicht war gerade das, was Sie in der letzten Woche für einen einzigen Menschen getan haben, für diesen Menschen etwas sehr Heiliges.


Ihr Heinz-Bernd Meurer aus Velbert.


Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze


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