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Sonntagskirche | 17.09.2023 | 08:55 Uhr

Tag des Friedhofs

Der Schotter unter meinen Autoreifen knarzt. Ich stelle den Motor ab auf dem mittlerweile vertrauten Parkplatz. Seit zwei Jahren komme ich regelmäßig hierher, vorher war das eher sporadisch. Ein gewundener Weg führt zu einem kleinen Eisentor. Tagsüber ist das immer offen.

Der gepflegte Weg verzweigt sich sehr schnell in viele kleine Laufgänge. Große alte Bäume gehören zur Anlage. Ein paar davon sind mir schon seit Kindertagen vertraut. Hier herrscht Stille, deshalb höre ich umso mehr das Vogelgezwitscher und Blätterrascheln. Links und rechts auf meinem Weg sehe ich ganz unterschiedliche Blumen blühen. Ein paar sind echte Klassiker, aber es gibt auch Besonderheiten: Rosensträucher, kleine Bäumchen, ein ganzer Blütenteppich oder einzelne Pflanzen zu Mustern aufgereiht.

An vielen Stellen ist geschäftiges Treiben, es wird gegossen, geharkt, oder auch nur still eine Kerze angezündet. Natürlich sind hier auch professionelle Gärtner am Werk. Aber die meiste Arbeit machen hier Menschen wie Du und ich. Unser Gemeindefriedhof in Viersen-Süchteln ist ein Waldfriedhof. Er liegt in einem Waldstück und daher wachsen hier prächtige Bäume. So ist es auch im Sommer schattig, viel Grün fasst die Gräber ein und ich finde die Atmosphäre schön und friedlich.

An diesem Wochenende ist der „Tag des Friedhofs“. Ehrlich gesagt weiß ich das nur, weil es in meinem Kalender vorgedruckt eingetragen ist. Allerheiligen oder der Volkstrauertag, das sind für mich die markanten Friedhofs-Besuchs-Tage.

Ein Freund hat einmal gesagt: Friedhöfe, die sind wie öffentliche Parkanlagen, die von Bürgern und Bürgerinnen angelegt, schön gestaltet und gepflegt werden. Ein Spaziergang über den Friedhof ist für mich immer auch wie eine Reise durch die Zeit. Inschriften auf Grabsteinen zeigen unterschiedliche Epochen und Generationen. Manche Gräber sind sehr alt, andere gerade neu angelegt und mit frischen Blumen geschmückt, hinter jedem eine eigene Geschichte.

Als Kind habe ich öfter meinen Vater begleitet, wenn er das Grab meiner Großeltern gepflegt hat. Ich habe sie leider nie kennengelernt, daher war ich zwar mit auf dem Friedhof, aber das Ganze war für mich schon etwas abstrakt. Seit zwei Jahren besuche und pflege ich hier nun selber ein Grab. Als meine Mama gestorben war, wurde der Waldfriedhof ein konkreter Ort, ein emotionaler. Die Grabstelle aussuchen, die Beerdigung, den Stein samt Schrift wählen, dann die ersten Blumen pflanzen. Das alles war noch mittendrin in meinem Trauerschock.

Der Schock, der hat sich gelegt, die Trauer ist noch da, mal mehr, mal weniger. Ich denke jeden Tag an meine Mama, aber wenn ich zu ihrem Grab gehe, ist das nochmal Besonders.

Anfangs fiel es mir schwer auf den Friedhof zu gehen. Mittlerweile ist es ein lieb gewonnenes Ritual. Und dann spreche ich in Gedanken mit meiner Mama. Das mache ich sowieso oft, aber so am Grab ist das nochmal anders. Da ist es still, nichts lenkt mich ab und dann setze ich mich ein bisschen hin und mache gar nichts. Ich bin einfach da, lasse die Ruhe auf mich wirken.

Als ich im Frühjahr dort war und die verblühten Erika gegen die ersten bunten Hornveilchen getauscht habe, habe ich dieses Gedicht geschrieben:


Lila gelbe Blütenblätter

Sonnenschein und Frühlingswetter

In mir drin oft tränenschwer


Ich bring dir den Frühling

Warme Farben in kalte Erde

Ein buntes Lachen zwischen meine Tränen


Und genau so ist es. Zwischen die Traurigkeit hat sich auch wieder das Lachen gemischt. Der Tod gehört zum Leben und auf dem Friedhof zu sein, weckt in mir auch immer den Gedanken, wie dankbar ich für mein eigenes Leben bin. Hier zu sein lässt mich innehalten und über manches reflektieren. Ich merke welche Spuren meine Mama in meinem Leben hinterlassen hat und wenn ich den Friedhof verlasse fühle ich eine Mischung aus Trauer und Dankbarkeit. Ich fühle Mut mein eigenes Leben zu gestalten und Trost, dass unser Leben hier zwar vergänglich ist, aber eben nicht das Ende.




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