Aktuelles

Beiträge auf: wdr4 

evangelisch

Sonntagskirche | 03.12.2023 | 08:55 Uhr

Gottes Schrittzähler

Guten Morgen.

„Ich muss noch meine 15.000 Schritte vollkriegen“, sagt meine Freundin. Ok, dann gehen wir eben noch eine Runde, bevor wir uns gemütlich aufs Sofa setzen, mit der Teetasse in der Hand und ausgezogenen Schuhen. Ich hab´ nichts dagegen, reden können wir auch beim Gehen.

Das ist mittlerweile fast Standard: Menschen gucken auf den Schrittzähler auf dem Handy oder der Uhr, und dann gibt es Tagesziele. Gesundheitstechnisch sehr zu begrüßen, denn wir sitzen zu viel und bewegen uns zu wenig. Dank GPS-Tracking erfahre ich exakt wieviel ich heute gelaufen bin – für manche Menschen eine super Motivation. Zugleich sehe ich aber in diesem Diktat der Schrittzähler – denn als solches erlebe ich das öfter – etwas so Typisches. Immer weiter, immer in Bewegung, immer noch mehr machen. Immer auf dem Sprung. Stillstehen kommt als Stillstand rüber, und das ist quasi gleich Rückschritt. Im Beruf, im Privaten, aber auch innerlich, im Seelischen, selbst im Glauben. Brich auf, zieh los, bleib in Veränderung, äußerlich, innerlich. Bewegung überall.

Und im Advent ja sowieso. Da wird das Bewegungsmuster nochmal intensiviert, da kommen noch eine Menge Schritte dazu. Von der Weihnachtsfeier im Betrieb zu der vom Sportverein. Vom Basteln in der Klasse zum verkaufsoffenen Sonntag mit super Schnäppchen. Die schönsten Holzkünstler auf diesem Weihnachtsmarkt und auf dem nächsten die leckersten gebrannten Mandeln.

Ich werd´ schon ganz atemlos beim Aufzählen. Ganz ehrlich: Eigentlich schreit alles in mir nach Stehenbleiben. Advent, hallo? Der erzählt doch vom Warten! Vom Stehen, Stillwerden und Empfangen, statt vom ungeduldigen Hinrennen. Der Advent hat das Zeug, meine angespannte Hektik mit geheimnisvollem Glitzern zu überziehen. Wie er das macht?

Ich hör mal hin. Da gibt es die alten Lieder und Worte – in ihnen eine geheimnisvolle Prophezeiung. Gott ist es, der aufbricht, und ich - muss gar nichts. Ich darf empfangen. Gott bewegt sich, ich darf stille stehen, staunen und schauen. Da kommt der Retter, und er bringt Frieden. Klar, alte Worte sind das, kaum zu übersetzen in unsere so ganz, ganz andere, bitter andere Welt, aber – ganz ehrlich? Mit einer Kraft, dass sie auch mein ungläubiges Staunen erreicht.

Tochter Zion, freue dich. Dein König kommt, heißt es in meinem Lieblings-Adventslied. Dieser König macht ein Vielfaches mehr als 15.000 Schritte. Er ist aus der Ewigkeit her in Bewegung auf mich zu, auf alle zu, die erschöpft sind vom permanenten Bewegen, die ausgebremst sind, weil sie nicht mithalten können beim Diktat der Schrittzähler. Gott ist in Bewegung, hin zu den Bewegungsunfähigen und Bewegungsverweigerern.

Advent sagt: Warte einfach ab - Gott kommt! Und wenn dir das zu abstrakt ist, dann lass die alten Bilder in dein Herz: Gedanken des Friedens, Worte von Versöhnung, kraftvolle Liebe, die so vieles tragen kann – das alles kommt und will Heimat finden in unserem Leben. Bewegen ist nicht alles, so wichtig das auch sein mag.

Jetzt ist Zeit für anderes. Lass die Schritte mal Schritte sein und öffne deine Herzenstür. Für einen Advent, der dich ganz anders bewegt und du in allem Bewegen Ruhe finden kannst – was für ein Segen.



Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze

evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
katholisch
Abspielen