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Sonntagskirche | 26.11.2023 | 08:55 Uhr

Hein

Und es klingelte an der Tür und sie öffnete sich. Und da stand er! Den verlebten und etwas abgeranzten Koffer in der Hand. Die Haare etwas wirr. Aber immer: mit einem Lächeln, dass einem spätestens dann das Herz aufging.

So war das… wenn ich richtig überlege… ja... seit ich neun Jahre alt war. Und das ist jetzt immerhin schon 34 Jahre her. So lange kenne ich Hein. Zu diesem Zeitpunkt, also vor 34 Jahren, betrat ich mit meinen Eltern die Musikalienhandlung in meiner Heimatstadt. „Der Junge möchte Klavier lernen“, höre ich meine Eltern noch sagen. Und… das habe ich dann auch. Auf einem Rippen-Piano und das bis heute in meiner Wohnung steht. Derzeit ungestimmt und wenig klangschön.

Hein müsste mal wieder kommen… das denke ich in diesen Tagen so oft. Denn: Hein ist von Beruf Klavierbauer und beschäftigt sich hauptsächlich mit dem Stimmen der wunderbaren Tasteninstrumente. Und so kennt er mein Klavier seit 34 Jahren. Er kennt alle Macken des Instrumentes und was viel wichtiger ist: Er kennt mich, ich kenn ihn… wir kennen uns.

Wenn Hein bisher kam, konnte das mit dem Stimmen auch schon mal was länger dauern. Nicht nur, dass Herzblut und Zeit hatte für jeden einzelnen Ton … es gibt so viel zu erzählen. Und da konnte schon die ein oder andere Stunde ins Land ziehen. Oft blieb er spontan zum Essen… oder saß nach getaner Arbeit im Garten mit uns. „Wat iss et doch schön“ – höre ich ihn noch sagen, als er zuletzt bei uns war und in unseren urwüchsigen Garten schaute.

Und wenn er ging… nun ja… immer dasselbe Theater: „Hein… was kriegst du?“ – Stille! „Ach, ich gebe dir mal ne Rechnung über 50!“ – Ich dann: „Hein! Das ist zu wenig… ich bestehe drauf, dass du mehr nimmst!“ – „Ach weißt Du“, höre ich ihn sagen, „was bin ich doch beschenkt, dass wir so schön schnäbbeln konnten!“.

So war Hein! Und er war mit einem übergroßen und frohen Herz ausgestattet. In dieser Haltung hat er Musik gemacht, hat sogar hier und da Menschen in sein Haus aufgenommen, die es nötig hatten. Weil sie auf der Flucht waren, oder sonst irgendwie heimatlos, orientierungslos. Hein hat das alles zu „seinem Projekt“ gemacht – und deswegen wurde es gut und die Stimmung passte. Das gilt übrigens auch für mein Klavier.

Auf dem liegt seit einigen Wochen ein kleines Klavierhämmerchen. An dieses Hämmerchen ist mit einem Faden ein Bild von Hein gehängt. Es ist quasi sein Totenbildchen. Alle, die auf seiner Beerdigung waren, haben es mit auf dem Weg bekommen. Hein starb und es ging am Ende schnell. Diagnose, Therapie, alle Kräfte gebündelt… aber: es reichte nicht.

Es ist November. Und in den Kirchen denken wir auch an unsere Verstorbenen. Ich denke an Hein. Der wird leider nicht mehr klingeln und das macht traurig. Aber schon nächste Woche ist auch wieder Advent und ich hoffe, dass ich wieder „in Stimmung komme“. So hätte es Hein gewollt… und „Watt iss et doch schön?“ gesagt. Und damit nicht nur mein Klavier gemeint.


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