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Sonntagskirche | 14.01.2024 | 08:55 Uhr

Wohin gehst Du?

Guten Morgen!

Ich mache eine Runde an der frischen Luft und gehe so vor mich hin. Da kommt mir ein Mensch entgegen und fragt freundlich: „Wohin gehst du?“. Schnell nenne ich den Nachbarort. „Wohin gehst du?“, fragt er nochmals. Ich nenne den Ort ein zweites Mal. Da fragt er wieder: „Wohin gehst du?“ Verdattert setze ich meine Runde fort. Und während ich so weitergehe, frage ich mich selber: „Ja, wohin gehst du?“


Habe ich noch was vor? Pläne, Träume, Ziele – oder ziehe ich nur noch den Kopf ein angesichts dunkler Nachrichten aus aller Welt. Heißt meine Lebensparole: Meide den Kummer und meide den Schmerz? Aber nur was vermeiden ist doch kein Leben, denke ich. Freude am Leben stellt sich bei mir ein, wenn ich was anpacke und Probleme angehe. Lebendig werde ich beim Pläneschmieden, gerade auch gemeinsam mit anderen. Dann fühle ich mich erfüllt. Auch, wenn’s mal schwierig ist, und die Lösung alles andere ist als einfach.


Ich erinnere mich an eine alte Geschichte: Die Herrschaft in Florenz hat einen großen Marmorblock bestellt und einen Bildhauer beauftragt, daraus eine Figur zu hauen. Doch der müht sich vergeblich, der Marmorblock sagt ihm nicht zu. Andere Bildhauer kommen, versuchen was und gehen wieder. Mit diesem Block ist wohl nichts anzufangen, und die Versuche haben ihm nicht gutgetan. Da kommt Michelangelo in seine Vaterstadt, misst den Stein ab, sinniert, schaut und schaut: Immer deutlicher sieht er in diesem Stein die Figur des David vor sich, des Hirtenjungen aus der Bibel, David mit der Schleuder auf der Schulter und dem Kieselstein in der Hand, wie er, gelassen und gelöst, zum Kampf schreitet gegen den Riesen Goliath, den alle für unbesiegbar halten.


Alle anderen hatten nur den unbrauchbaren Steinblock gesehen, Michelangelo aber sah darin den David. Sein David in Florenz ist bis heute eines der berühmtesten Kunstwerke der Welt.

Was sehe ich vor mir in diesem Neuen Jahr? Liegen mein Leben, mein Alltag und unsere Welt vor mir wie ein unbrauchbarer Steinblock? Oder könnte ich - wie Michelangelo – mit Neugier und Geduld entdecken, dass Gott darin auch Gutes für mich verborgen hat? Die Dichterin Marie-Luise Kaschnitz hat dafür ein schönes Bild: In dem undurchsichtigen Sack Zukunft, sagt sie, steckt vielleicht auch ein Entzücken.

Wohin gehst du? Ja, wie guckst du auf diese Welt? Diese Frage will ich mitnehmen ins Neue Jahr.

Einen gesegneten Sonntag wünsche ich Ihnen.


Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze

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