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Kirche in WDR 4 | 26.01.2024 | 08:55 Uhr

Gesunder Menschenverstand

Guten Morgen.

Johann Matthäus Meyfarth war ein ganz normaler Mann seiner Zeit. Geboren 1590 in Jena. Ehemann, Vater, evangelischer Pfarrer. Kirchenlieder hat er geschrieben, eins davon ist sogar noch im Gesangbuch. Ansonsten nichts Besonderes zu vermelden, außer dass er offensichtlich einer der wenigen Menschen seiner Zeit war, die beim Thema Hexenverfolgung ihren gesunden Menschenverstand behalten haben. Die allermeisten anderen verfielen total dem Hexenwahn. Es war eine grausame Zeit. Der Dreißigjährige Krieg tobte im Land. Tod und Verderben überall. Nicht nur durch das Schwert, auch durch Seuchen und Hunger starben die Menschen wie die Fliegen. Die Hälfte der deutschen Bevölkerung war am Ende tot. Hinzu kam die so genannte „Kleine Eiszeit“: Es war ein paar Jahre wesentlich kälter als früher, und es kam zu Missernten. Alles ganz entsetzlich. Da kam ein Buch auf den Markt, das erklärte das alles angeblich: Der Hexenhammer. In dem Buch wurde behauptet: Hexen und Zauberer sind schuld an der ganzen Misere, man muss sie töten. Das Buch wurde ein Bestseller. Überall wurden Menschen, vor allem Frauen, der Hexerei angeklagt. Methode der Beweisführung war die Folter. Wenn man die Leute lange genug quälte, gaben sie irgendwann zu, Hexen zu sein, damit die Folter aufhörte. Und dann wurden sie verbrannt.

Natürlich gingen die Seuchen, die Missernte, der Hunger danach weiter. Und man fragt sich heute: Hat denn da keiner seinen gesunden Menschenverstand eingeschaltet und gesagt: „Vielleicht stimmt das mit den Hexen ja gar nicht?“

Doch, einige wenige haben das gesagt. Der evangelische Pfarrer Johann Matthäus Meyfarth gehörte dazu. Er hat ein Buch geschrieben, in dem er vor allem gegen die Logik der Folter anschrieb. Er sah, was für ein Wahnsinn das war. Und er hatte auch einfach Mitleid mit den Menschen.

Er war nicht ganz allein. Es gab zum Beispiel auch Friedrich Graf Spee von Langenberg aus Kaiserswerth, ein katholischer Theologe. Auch er kämpfte dagegen. Und schließlich ließ der Wahn ja auch nach. Aber es waren wenige, die sich so tapfer gegen den kranken Zeitgeist stellten.

Hätte ich den Mut gehabt, zu widersprechen? Trau ich mich denn heute, gegen den Zeitgeist zu stehen? Folter oder Verbrennung drohen mir gar nicht. Aber wenn ich Unrecht sehe, wenn mich das Schicksal der Mitmenschen berührt, komme ich dann aus meiner Komfortzone und widerspreche? Ich finde es wichtig, an Menschen wie Meyfarth zu erinnern, der den Mut hatte für Gefolterte und gegen Unrecht aufzustehen. Der seinem Gewissen und dem gesunden Menschenverstand gefolgt ist. Heute ist sein Gedenktag.


(Ende WDR 4, Verabschiedung für WDR 3 und 5: )

Es grüßt Sie, Pfarrer Klaus Künhaupt aus Essen.


Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze

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