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Kirche in WDR 4 | 01.02.2024 | 08:55 Uhr

Eckiges Schüsselchen

Weil wir hier gerade so ganz unter uns sind, Sie und ich, vertraue ich Ihnen ein kleines Geheimnis an: Ich mag Porzellan. Im Ernst. Wir haben hier daheim zum Beispiel ein Kaffeeservice mit der schönen Bezeichnung „Marie-Luise – Alte Ranke blau“. Wird rausgeholt bei Taufe, Erstkommunion, Firmung und so. Wir haben ein Essgeschirr namens „Asymmetria“ – von einem Hersteller, dessen Namen ich nicht nennen darf, aber mit dem ich nicht verwandt bin. Und dann haben wir Bunzlauer Porzellan. Wird in Polen gefertigt. Ist dort ein Klassiker. Manufaktur mit klobigem Design und altbackener Bemalung. Aber: Urgemütlich. Haben wir deshalb in unterschiedlichen Farben und Formen. Das klassische Pfauenauge ist selbstverständlich dabei. Es gibt weiße Tellerchen mit kleinen, aus blauen Tupfern gestalteten Blüten. Wir haben zierliche Espressotässchen mit aufgemalten Katzen. Und bauchige Kaffeehumpen – nebst passenden Milchkännchen, die wie eine Kuh aussehen. Größere und kleinere Krüge mit weißen Punkten auf blauem Grund haben wir – und Butterdosen mit blauen Punkten auf weißem Grund. Will sagen: Das ist schon ein ziemlich „buntes“ Geschirr. Aber es hat Charakter. Es schafft Atmosphäre. Für uns zumindest.

Und mein Lieblingsdesign nennt sich „Kadinski“. Wer sich diesen Namen ausgedacht hat, weiß ich nicht. Über die Gründe kann ich auch nur spekulieren. Wahrscheinlich, weil es wie der Künstler Kandinsky klingt und ebenso bunt und unsortiert aussieht wie dessen Kunstwerke. Ist aber eigentlich auch egal. Ich mag jedenfalls diese farbigen Punkte und Kreise. Aber: Ich habe eine Schüssel aus dieser Design-Linie – die ist eckig. Und das heißt: Die passt nirgendwo rein. Also: Ich bekomme die nicht gestellt. Oder besser: Ich bekomme die nicht gestapelt. Weil alle anderen Schüsseln ja rund sind. Während also alle anderen Schüsseln meinem Wunsch nach Ordnung nachkommen und sich platzsparend im Schrank unterbringen lassen, nimmt diese eine Schüssel rücksichtlos einen Teil des Regalbodens ganz allein für sich in Anspruch. Die lässt sich nicht einfügen ins Schüssel-Einerlei. Die passt nicht in den Schüsselkonformismus, den unser Geschirrschrank uns auferlegt. Und trotzdem mag ich die. Nein: Deshalb mag ich die. Weil sie anders ist. So anders, dass sie mich immer wieder nötigt, umzudenken, umzuplanen und umzuschichten.

Und wissen Sie, warum ich Ihnen das erzähle: Weil ich mir manchmal selber so vorkomme wie diese eckige Schüssel. Weil es Tage gibt, da habe ich auch den Eindruck, dass ich nirgends richtig reinpasse. Dass ich nicht kompatibel bin. Nicht stapelbar. Keiner sozialen Konfektionsgröße entspreche. Aber dann denke ich an unseren Geschirrschrank und sage ich mir: Naja, irgendetwas wird sich der liebe Gott wohl dabei gedacht haben, als er mich eckiges Schüsselchen in seine ansonsten ziemlich gut geordneten Porzellan- und Keramiksammlung geholt hat. Irgendetwas scheint es zu geben, was er an mir mag. Ich muss mir deshalb vielleicht gar nicht so viele Gedanken machen. Oder zumindest muss ich mich nicht sorgen, dass ich „falsch“ bin. Bin ich nicht. Und wissen Sie: Ich wünsche Ihnen, dass Sie das gleiche fühlen können. Denn eines weiß ich: Gott macht keine Fehler. Bei uns Menschen schon mal gar nicht. Wir sind geliebt. So, wie wir sind. Heute – und alle Tage.

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