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Kirche in WDR 4 | 13.03.2024 | 08:55 Uhr

Normal und gut

Wenn man seinen Schlüssel sucht, kommt schnell Panik auf. Bei mir war es letztens früh am Morgen so weit. Minutenlang hab ich den Haustürschlüssel gesucht, wurde immer hektischer. Um dann erschrocken festzustellen: Der steckt außen. Und zwar schon die ganze Nacht! Puh, denke ich, was ein Glück, nix passiert. Keine ungebetenen Gäste. Alles da, alles heile. Noch mal gut gegangen. Die Erleichterung war direkt da – und im zweiten Moment habe ich mich über mich selbst gewundert: „Mach mal halblang, Michaela. Ist ja nicht so, als müssten wir stetig und ständig mit dem Schlimmsten rechnen.“ Wie oft haben mir Menschen schon erzählt: „Früher haben wir hier auf dem Dorf die Türen nie abgeschlossen“. Gute Idee denke ich, denn sie erspart einem Schlüsselsuchaktionen am Morgen. Aber nicht selten kommt dann der Zusatz „Aber das waren andere Zeiten. Heute muss man ja viel mehr aufpassen.“

Und ich frage mich: Ist das so? Ist das Zusammenleben so gefährlich, wie es sich oft anfühlt? Der Blick in die Kriminalstatistik sagt: Im Jahr 2022 gab es bundesweit insgesamt 5,6 Millionen registrierte Straftaten. Und die Zahl ist schon heftig, wenn man sie so schwarz auf weiß liest. Weil jede Straftat jemanden schädigt und somit eine zu viel ist.

Das Ding ist nur: Der Blick ist einseitig. Es gibt keine jährliche Statistik für das Gegenteil von Straftaten. Überhaupt: Wie soll man die nennen: Normaltaten? Normal-und-gut-Taten vielleicht.

Wir lesen und erzählen uns von Schurken und von Helden. Also von dem, was besonders ist: Wir Menschen sind darauf geeicht, auf Ausnahmen zu achten. Gute wie Schlechte. Das sichert uns das Überleben.

Und so funktioniert auch die Berichterstattung. Sie liefert uns permanent Geschichten von Ausnahmen. In der Kaffeepause und in den Medien. Und womöglich gerät dadurch unser Bild vom Zusammenleben in eine Schieflage.

Stellen wir uns mal vor, die Lokalzeitungen würden eine Woche lang von all dem berichten, was die Menschen in unserem Land normal und gut machen – ihre Kinder trösten, arbeiten gehen, dem Azubi die Aufgabe zum achten Mal geduldig erklären, der Kollegin einen Kaffee mitbringen, das Paket für die Nachbarn annehmen, für die Familie einkaufen, dem Freund mit Liebeskummer zuhören… ich ahne: das wären ganz schön dicke Zeitungen, die wir da zu lesen bekämen, in einer „Normal- und gut-Schlagzeilenwoche“.

Lauter Nachrichten, die guttun, statt Panik zu schüren. Ich fänds super. Im letzten November gab einen kleinen Vorgeschmack auf eine solche Nachrichtenlage: In der Stadtbibliothek Göteborg hatte ein Mitarbeiter abends vergessen, die Tür abzuschließen. Am nächsten Tag war Feiertag und die Bibliothek geschlossen. Eigentlich. Denn ganze 446 Menschen wussten nichts davon, dass die Bibliothek geschlossen hat. Sie alle fanden im Laufe des Tages die offene Tür vor, gingen rein, wunderten sich darüber, dass keine Mitarbeiter in Sicht waren und taten schließlich, wozu sie da waren: sie schlenderten durch die Regalreihen. Sie liehen sich ordnungsgemäß Bücher aus und gaben Bücher zurück. Kein Vandalismus, kein Diebstahl. Ganz normales Bibliotheksleben.

Und diese kleine Geschichte als eine von vielen lässt mich die These aufstellen: Bundesweit kommen wir locker auf 5,6 Millionen „Normal- und gut-Taten“ am Tag. Wenn ich das mit 365 multipliziere, kommt da eine unaussprechlich große Zahl an normalguten Taten raus. Und Menschen.


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