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Kirche in WDR 4 | 20.03.2024 | 08:55 Uhr

In jeder Hinsicht

Autor: Guten Morgen,

als erstes fällt das knallgelbe Quietscheentchen ins Auge, das den altehrwürdigen Rahmen des Bildes sprengt. Mit Knopfauge und rotem Schnabel. Ein Kind hält das Entchen im festen Griff seines Händches, den Arm lang ausgestreckt. Und es schaut, als gäbe es nichts Wichtigeres als dieses Quietscheentchen. Bei dem Kind, das da auf dem Schoß einer jungen Frau sitzt, ist etwas anders. Das merke ich erst als zweites. Die mandelförmigen Augen stehen weit auseinander, der Mund ist weit offen und die Zunge groß und schlaff. Mir wird klar: Das Kind hat das Downsyndrom, Trisomie 21. Wie jedes achthundertste Kind, das weltweit geboren wird.

Die Frau auf dem Bild hat den Blick gesenkt. In sich gekehrt sieht sie aus, die Lippen lächeln und die Hände sind gefaltet vor dem Bauch ihres Kindes. Und man fragt sich: Woran sie wohl denkt, worum sie bittet und wofür sie dankt?

Das Bild heißt „Madonna mit dem Kinde“; es hängt im RELíGIO Museum in Telgte. Die Künstlerin Madeleine Dietz hat es geschaffen. Sie hat dafür ein Andachtsbild aus dem 16. Jahrhundert mit dem Computer bearbeitet und das Jesuskind auf Marias Schoß durch ein Kind von heute mit Downsyndrom ersetzt. Aber was heißt hier eigentlich ersetzt?

Ich weiß nicht, wie Sie sich das Jesuskind vorstellen. Aber mir fällt auf, dass Jesus egal ob bei den Frommen oder den Politischen, den Modernen oder den Traditionellen, eigentlich immer wie die ein bisschen bessere Version, die ein wenig perfektere Kopie von uns selber erscheint. Wo sollte denn Gott wohl auch Mensch werden als in einem, der so ist, so redet, so denkt wie ich. Bloß den Gefallen tut er mir nicht.

Eine Betrachterin des Bildes in Telgte hat einmal gesagt:


Sprecherin (weiblich): „Für mich […] zeigt so ein Bild, wie [Menschwerdung Gottes] gemeint ist. […] Ein totaler Perspektivwechsel. Aber ich frage mich wie viele Christen diesen Perspektivwechsel wirklich vollzogen haben. Das gilt auch für mich. Ich müsste mir auf dem Schoß Mariens an gewissen Tagen eine psychisch oder demenziell [E]rkrankte […] vorstellen, die an den Nerven zerrt. […] ich glaube, um so einen Perspektivwechsel zu vollziehen, muss man selbst ziemlich an Grenzen gekommen sein.“ (1)


Autor: Die Frage, wie Jesus Christus ist, wem er ähnelt und wem nicht, die treibt Generationen von Christinnen und Christen um. Immerhin ist in Jesus nach christlichem Verständnis Gott selbst Mensch geworden. Der Apostel Paulus schreibt einmal dazu:


Sprecherin (weiblich): „Christus hielt nicht daran fest, Gott gleich zu sein – wie ein Dieb an seiner Beute. Er […] wurde in allem den Menschen gleich. In jeder Hinsicht war er wie ein Mensch.“ (2)


Autor: In jeder Hinsicht wurde Gott Mensch. Auch in der, die mir nicht passt, die mich verwirrt, und mir manchmal viel abverlangt.

Das ist das knallgelbe Quietscheentchen, das der menschgewordene Gott frech in meine glatten Selbstbilder hält, in mein Ideal vom Menschsein und übrigens auch in mein Bild von Gott selbst. Gott geht mit mir an Grenzen und für mich darüber hinaus.

Was könnte wichtiger, tröstlicher und heilsamer sein?


Einen überraschenden Tag, wünscht Ihnen

Ihr Jan-Dirk Döhling aus Bielefeld.


(1) Zitiert nach: Werner Schüßler, Die Dinge anders sehen, in: Bibel heute 235.3 (2023),
Seite 30.

(2) Philipperbrief 2,7 Basisbibel.



Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze

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