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Kirche in WDR 5 | 09.05.2014 | 06:55 Uhr

Brotvermehrung

„Die schönste Kirche im Heiligen Land“, sagen viele Menschen. Sie haben Gottesdienst gefeiert. In Tabgha. Nahe am Wasser vom See Genezareth und mit Blick auf die Golanhöhen. Ein unvergessliches Erlebnis. Gehört haben sie an diesem Ort die Erzählung von der Brotvermehrung. In der Pilgerüberlieferung ist der Ort als „Dalmanuta“ bekannt. Einmal taucht dieser Name im Markus-Evangelium auf.

Guten Morgen, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer.

Die Araber nennen den See „das Auge Gottes“. Auch mich hat dort die Naturschönheit sehr beeindruckt. Unvergessen ist aber auch die biblische Geschichte, die sich mit diesem einzigartigen Ort verbindet: Die Broterzählung, die mir soviel sagt von der Sehnsucht, die uns Menschen weit gehen lässt.

Jesus will mit seinem engeren Schülerkreis allein sein. Sie sollen ausruhen, denn sie hatten eine anstrengende Arbeit hinter sich. Sie sollten Menschen überzeugen, dass Gott mit ihnen ist. Das ER mitten in der erlebten, oft so harten und widersprüchlichen Welt immer schon mit ihnen war. Nun versammelt sich der Schülerkreis wieder um Jesus. Sie sollen Ruhen finden und erzählen. Aber dazu kommt es nicht. Sie haben bei vielen Menschen Hoffnungen geweckt. Diese Menschen sind ihnen gefolgt. Nun sind sie da.

Die Menschen wegzuschicken, läge nahe. Aber nicht für Jesus. Er sieht die Menschen, „es drehten sich ihm die Eingeweide um“, müsste man das griechische Wort korrekt übersetzen, „und er lehrte sie lange, denn sie waren wie Schafe, die keinen Hirten haben“ (vgl. Mk 6, 34). Jesus verwandelt diesen Ort angesichts der vielen, die gekommen sind, zu einem Lehr- und Lernhaus. Eine wunderbare Aufgabe der Kirche: Lehr- und Lernhaus zu sein. Menschen nicht wegzuschicken, um Ruhe zu haben, sondern Menschen mit ihren Ängsten, Bedrückungen und Hoffnungen in die Augen zu sehen.

Tatsächlich kann dieser Blick in die Realität der Menschen „die Eingeweide verdrehen“. Aber wenn wir ihn aushalten und daraus lernen, kann Neues und Wunderbares entstehen. Türen zu schließen, wegzuschicken, um Ruhe zu haben, sollte jedenfalls keine christlich-kirchliche Antwort sein.

Es wird ein arbeitsreicher Tag für Jesus. Und irgendwann muss doch einmal Schluss sein. Am Abend wollen deshalb die Schüler die Menschen entlassen. Der Vorwand lautet: Damit die Menschen nicht verhungern. Deshalb sollen sie sich selbst Nahrung besorgen. Die kurze Antwort Jesu lautet dagegen: „Gebt ihr ihnen zu essen!“ Das Lehrhaus, die Bibelschule, verwandelt Jesus in einem zweiten Schritt in ein Haus des Teilens: ein Gasthaus. Und unter teilender Hand wird aus dem erlebten und vermuteten Mangel ein Brot- und Fisch-Fest. Jesus nimmt das, was da ist, segnet es, und alle werden satt.

Mehr noch: Es bleibt sogar übrig. Zwölf Körbe mit Broten und Fischen bleiben übrig. Ein jüdischer Freund hat mich einmal darauf aufmerksam gemacht, dass dieses Brotfest wohl ein Tag v o r dem Sabbat war, also ein Freitag. Denn nach jüdisch-biblischer Tradition erhielt das Volk Israel während der Wanderung durch die Wüste freitags die doppelte Portion an Manna. So brauchten sie sich am heiligen Sabbat, dem Ruhetag, nicht „um das tägliche Brot“ zu kümmern. Von diesem großen Ruhetag, der den Menschen geschenkt ist, sollten Menschen bei Jesus erfahren.

Alle sind eingeladen. Die Türen sind offen, und keiner wird weggeschickt. Der große Sabbat der Juden, der Sonntag der Christen, der heilige Gebets-Freitag der Muslime hätte endlich begonnen, zu einer großen Feier in versöhnter Verschiedenheit zu werden.

Ich bin Pfarrer Wilhelm Bruners aus Mönchengladbach und wünsche Ihnen die Fülle und Freude dieser gesegneten drei Feier-Tage.

Bildrechte: hoyasmeg (flickr) CC-BY 2.0

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