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Das Geistliche Wort | 20.07.2014 | 08:40 Uhr

DIESER BEITRAG ENTHÄLT MUSIK, DAHER FINDEN SIE HIER AUS RECHTLICHEN GRÜNDEN KEIN AUDIO.

Dagegen ist kein Kraut gewachsen

Guten Morgen liebe Hörerinnen und Hörer!

Gartenarbeit – gerade bei sommerlichen Temperaturen – ist für mich der perfekte Ausgleich für die viele Zeit, die ich am Schreibtisch und Sitzungen verbringe. Ich heiße Cäcilia Leenders-van Eickels, bin Pastoralreferentin in Recklinghausen und arbeite schwerpunktmäßig in der Ehe- Familien- und Lebensberatung. Als Hobbygärtnerin ärgere ich mich total darüber, wenn der wuchernde Giersch in meinem Garten den neu gepflanzten Stauden den Boden nimmt und die kleinen Pflanzen erstickt.

Um das Problem zu lösen, habe ich dann einen Profigärtner gefragt: „Wie befreie ich meine Beete vom alles erstickenden Giersch?“ Sein Blick war mitleidig, seine Antwort ernüchternd: „Wehret den Anfängen! – Gegen den Giersch ist kein Kraut gewachsen! – Wer nicht den ganzen Sommer Unkraut jäten will, der muss dem Übel schon im Frühjahr an die Wurzel gehen; sonst überwuchert der Giersch den ganzen Garten.“

Das heißt also: Raus mit dem Unkraut – je eher desto besser!

Wenn ich dann aber höre, was im neuen Testament Jesus empfiehlt in Sachen Unkrautbekämpfung, muss mich doch sehr wundern. Da heißt es bei Matthäus (Mt 13,24-30):

„Jesus erzählte der Menge folgendes Gleichnis: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Mann, der guten Samen auf seinen Acker säte. Während nun die Leute schliefen, kam sein Feind, säte Unkraut unter den Weizen und ging weg. Als die Saat aufging und sich die Ähren bildeten, kam auch das Unkraut zum Vorschein. Da gingen die Knechte zu dem Gutsherrn und sagten: Herr, hast du nicht guten Samen auf deinen Acker gesät? Woher kommt dann das Unkraut? Er antwortete: Das hat ein Feind von mir getan. Da sagten die Knechte zu ihm: Sollen wir gehen und es ausreißen? Er entgegnete: Nein, sonst reißt ihr zusammen mit dem Unkraut auch den Weizen aus. Lasst beides wachsen bis zur Ernte. Wenn dann die Zeit der Ernte da ist, werde ich den Arbeitern sagen: Sammelt zuerst das Unkraut und bindet es in Bündel, um es zu verbrennen; den Weizen aber bringt in meine Scheune.“

Musik I.

Jesus empfiehlt im Umgang mit Unkraut und Getreide: „Lasst beides zusammen wachsen“ – Ich, als Hobbygärtnerin sage: „Das ist absurd. Unkraut und Weizen gemeinsam wachsen lassen? Weg mit dem Unkraut, so früh wie möglich.“ – Das empfiehlt auch mein Profigärtner. Das liegt auch auf der Linie der Knechte im Gleichnis Jesu, denn die fragen ja: „Sollen wir das Unkraut ausreißen?“ Und das klingt sehr viel vernünftiger.

Das Unkraut, von dem Jesus spricht, ist der Taumellolch – auch Tollkorn genannt. Dieses Krauts ist optisch vom Weizen kaum zu unterscheiden. Und genau so bleibt es zunächst unentdeckt und kann beim Unkrautjäten überleben. Das Fatale aber ist: Das Tollkorn umschlingt mit seinen Wurzelfäden unterirdisch die Weizenwurzeln und mindert so die Kraft, die der Weizen zum Wachsen braucht. Aber auch wenn beim Ausjäten des Tollkorns zwangsweise viel vom Weizen verloren geht, so ist Warten das falsche Mittel gegen die Bedrohung der Ernte – so der Rat des Profigärtners. Nur wenn man dem Unkraut rechtzeitig zu Leibe rückt, kann man auf eine halbwegs ertragreiche Ernte hoffen und damit auf einwandfreies unverdorbenes Mehl.

Die Anweisung Jesu „Unkraut und Weizen zusammen wachsen lassen“, klingt also in den Ohren selbst einer Hobbygärtnerin wie die naive Anweisung eines Ökoromantikers.

Musik II.

Wenn Jesus für das gemeinsame Wachsenlassen von Unkraut und Weizen plädiert, dann geht es ihm nicht um eine Arbeitsanweisung für Gärtner. Jesus erzählt ein Gleichnis. Und dabei bedient er sich der Erfahrungswelt seiner Zeit. – Nur, dass er die damit verbundenen Bilder der damals selbstverständlichen Arbeitsprozesse einfach auf den Kopf stellt. Das irritiert und löst Fragen und Nachdenken aus. Aber genau das will Jesus. Ihm geht es um einen anderen Blick auf diese Welt, ihm geht es um die neue Welt; ihm geht es um das Himmelreich.

Und: Im Himmelreich, im Reich Gottes – da gelten eben andere Kategorien und andere Maßstäbe als in der Landwirtschaft.

Das Wachsen des Himmelreiches ist so wirkmächtig – kein äußerer Einfluss, kein Schädling und kein Unkraut kann sein Wachsen letztlich aufhalten. Das Himmelreich, das Jesus erwartet und für die Zeit der Ernte verheißt, wird sich aus kleinsten Anfängen – aus Senfkorngröße zu einem Baum entwickeln, der jedes andere Gewächs überragt (vgl. Mt 13,31-32). Das Gute wird sich durchsetzen. Dagegen ist kein Kraut – auch kein Tollkkorn – gewachsen.

Deshalb kann Gott auch ganz geduldig sein. Gott allein hat den Blick dafür, was taugt und was nicht, was giftig ist und was nahrhaft. Lieber lässt er das Unkraut wachsen, als dass er einen guten Halm preisgibt. Erst ganz am Ende des Wachsens, dann, wenn die Zeit reif ist, bei der Ernte, wird unterschieden, was wirklich Weizen und was Unkraut ist, also was Gut und was Böse ist.

Musik III

Gutes und Böses liegen eng beieinander. Die Dinge sind nicht so eindeutig, wie der Mensch sich das denkt. Gut und Böse sehen sich manchmal so täuschend ähnlich, dass Verwechslungsgefahr besteht und kein Mensch die Trennung zwischen dem Nützlichen und dem Schädlichen vornehmen kann. Es kann sogar sein: Manches Unkraut erweist sich vielleicht später als guter Weizen, und manches, was aussieht wie Weizen, ist doch nur Unkraut. Deshalb ist Vorsicht im Umgang mit beidem geboten. Und da hat das Gleichnis ja recht: Denn auf dem Acker ist das nicht anders als im Leben.

Schon in der Gemeinde des Matthäus, der das Gleichnis in seinem Evangelium überliefert hat, gibt es offensichtlich eine Gruppe von Leuten, die sich zwar auf Jesus berufen, aber die Gesetze des Moses nicht einhalten. Diese Unruhestifter aus der Gemeinde einfach auszugrenzen, ja sie aus der Gruppe auszuschließen, das wäre doch das Einfachste, um Harmonie und Ruhe wiederherzustellen, vergleichbar dem Unkrautjäten.

Damals wie heute gibt es genau dieses exklusive Gruppenverhalten, auch in der Kirche Aus Sorge um den eigenen Selbststand werden Andersdenkende, Anderslebende, Infrage-Steller und Reformer als Unkraut bezeichnet. Es wird über Ausgrenzung nachgedacht, noch bevor sich erweisen kann, ob es sich wirklich um Unkraut handelt, der dem guten Weizen, sprich dem Wachsen des Himmelreiches wirklich schadet. Welche Möglichkeiten werden damit vertan, wenn neue Initiativen von vorneherein denunziert und geblockt werden. Welcher Zugewinn, welche Chance der Weiterentwicklung, des Zuwachses in der Gemeinde wird mit dieser Radikalkur vergeben, so frage ich mich oft?!

Mit seinem Gleichnis warnt Jesus doch vor solchem Radikalismus, der scheinbar fromm daherkommt. Jesus mahnt zur Vorsicht beim Einsatz von Unkrautvernichtern. Er empfiehlt seinen Zuhörern vielmehr: Stört euch doch nicht an dem Unkraut. Vertraut vielmehr auf die Kraft, die dem Guten innewohnt.

Vertraut auf den guten Samen, der in euch und unter euch ausgesät ist. Er wird seine Wirkmacht entfalten. Wartet doch ab, was sich entwickelt. „Gut Ding will Weile haben.“

Musik IV

„Gut Ding will Weile haben“, das heißt für mich nach dem Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen: Ertragt mit Geduld das Andere und erwartet mit Gelassenheit die Ernte am Ende der Zeit.

Jesus erinnert seine Zuhörer aber auch noch an etwas anderes. Er sagt: Ihr seid nicht die Macher des Gottesreiches. Das ist jemand anderes. Aber ihr sollt euch darum kümmern, dass der in euch angelegte gute Samen sich entfalten kann. Gestaltet euer Leben so, dass etwas von der Kraft und Stärke des Reiches Gottes auch durch euch in dieser Welt sichtbar und erfahrbar wird.

Papst Franziskus hat beim Weltjugendtag in Rio de Janero 2013 die Aufgabe der Christen deshalb so formuliert:

„Ich hoffe, dass es einen Wirbel gibt … ich will, dass ihr auch in den Diözesen Wirbel macht, ich will, dass man hinausgeht, ich will, dass die Kirche auf die Straßen hinausgeht, ich will, dass wir standhalten gegen alle Weltlichkeit, Unbeweglichkeit, Bequemlichkeit, gegen den Klerikalismus und alles In-sich-verschlossen-sein.“

Und ich bin überzeugt: Genau so können wir beim Wachsen des Himmelreiches mitwirken. Und alles andere können wir getrost Gott überlassen.

Musik V

Bei meiner Beschäftigung mit dem Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen habe ich sogar noch etwas gelernt, was mich als Hobbygärtnerin echt beeindruckt: Bei der Arbeit im Garten werde ich oft von Mücken gestochen – und was hilft dagegen? Mein Hausarzt hat mir, gegen meine Mückenstiche geriebenen Giersch empfohlen. „Das lindert den Juckreiz und reduziert die Schwellung.“ Und ich habe erfahren, dass genau dieses Unkraut, Giersch, reich an Wirkstoffen, Mineralsalzen und Spurenelementen ist. Schon Hildegard von Bingen hat dem Giersch besondere Lebenskraft zu geschrieben und rät: Er darf in keinem Klostergarten fehlen. Giersch Salat von jungen Blättern hilft beim Entschlacken und Giersch Tee schafft Linderung bei Gicht, Rheuma und Husten.

Vielleicht sollte ich den Giersch doch nicht komplett aus dem Garten verbannen? Wie es der Profigärtner empfiehlt. Gegen Giersch ist ja sowieso kein Kraut gewachsen. Und ob der Giersch tatsächlich nur Unkraut ist, dass bezweifele ich inzwischen.

Zeiten über das Wachsen der vielfältigen Saat zu staunen, dass wünscht Ihnen aus Recklinghausen Cäcilia Leenders-van Eickels

1.Begegnung mit jungen Argentiniern beim Weltjugendtag 2013, 27.07.2013, vgl. Das Franziskus-ABC, Jugendliche, siehe unter: www.bistum-regensburg.de/glauben/papst-franziskus-in-zitaten/

(Copyright Vorschaubild: Hans Public Domain Pixabay)

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