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Kirche in WDR 5 | 08.10.2014 | 06:55 Uhr

Vom Zuviel

Guten Morgen, verehrte Hörerinnen und Hörer!

Der Schriftsteller Bertholt Brecht stellt in seinen Autobiografischen Aufzeichnungen aus den Jahren 1920 bis 1954 sein eigenes Schlafzimmer vor. Er schreibt:

In meinem Schlafzimmer, das klein ist, habe ich zwei Tische stehen,…, ein hölzernes altes Bett, das nicht länger ist als ich, aber etwas breiter,…, zwei chinesische Bettvorleger und einen großen Manuskriptschrank mit Leinwandzügen. Darauf habe ich einen Filmvorführungsapparat, eine Projektionslampe und eine Heizsonne stehen sowie einen Gipsabguss meines Gesichtes. Der Schriftsteller erwähnt noch zwei Schränkchen mit Kleidung, sowie zwei Lampen. Seine Beschreibung endet mit dem Satz: Das Zimmer und die meisten dieser Dinge gefallen mir, aber des Ganzen schäme ich mich, weil …

Ja, warum schämt sich Bertholt Brecht für sein Schlafzimmer? Um das zu verstehen, müssen Vergleiche gezogen werden. Schämt er sich, weil das Zimmer recht dürftig, und kühl wirkt? Eher zusammengewürfelt zu sein scheint?

Der Autor gibt einen völlig anderen Grund an. In seinem Text heißt es:

… des Ganzen schäme ich mich, weil es zuviel ist.

Bertolt Brecht war ein politisch denkender Mensch, der sich in seinen Werken, vor allem in seinen Theaterstücken, für soziale Gerechtigkeit und Solidarität mit Benachteiligten einsetzte. Von daher wird er sich beim Betrachten seines Schlafzimmers bewusst geworden sein, dass er Güter um sich gesammelt hatte, die nicht jedem Menschen zustanden. Er wird sich eingestanden haben, dass er mehr als das Nötigste besaß. Und das musste ihm als sensiblem Menschen gegen die eigenen Ansprüche gehen.

Dieser knappe Text stimmt mich nachdenklich.

Nicht über die Ausstattung meines Schlafzimmers, sondern darüber, wo in meinem Leben ein Zuviel herrscht. Ein Zuviel, das mich wegführt von der Solidarität mit anderen Menschen, vom eigenen Wesentlichen.

Beim Nachdenken gerate ich in meinen inneren Bereich.

Kann es sein, dass mein Überschüttetsein mit familiären und beruflichen Belangen mich von meinem eigenen Denken und Fühlen entfernt?

Kann es sein, dass mein Kreisen um mich selbst in negativen Bahnen das Entdecken meiner eigenen, freien Identität blockiert? Ebenso das Zuviel an Informationen um mich herum?

All das kann auch Gott aus meinem Leben heraustreiben.

So weit, dass Gott ins Abseits gerät. Vergessen wird.

Was sollte mich auch an Gott erinnern?

Ein wohliges Gefühl aus Kindertagen?

Oder das Gegenteil: ein unangenehmes Gefühl aus Kindertagen?

Wenn ich mich wegen etwas schäme, ist mir etwas anderes sehr wichtig.

So wie es sich bei Berthold Brecht zeigte. Er stellte das eigene Zuviel an materiellem Besitz in Frage aus Solidarität zu ärmeren Menschen.

Wenn ich anfangen würde, darüber nachzudenken, dass ich Gott in meinem Leben verloren habe, wird Gott für mich wichtig. Und ich erschrecke darüber, wie leicht es ist, Gott im Alltag zu vergessen.

Lebendiger Gott, ich glaube, dass Du jeden Menschen und so auch mich gut verstehst. Genau in der Banalität meines schönen, schweren Alltags. Und dass Du in Deiner Sehnsucht nach mir froh bist, wenn ich Dich von all meinem Zuviel nicht verschütten lasse.

Es grüßt Sie Petra Fietzek aus Coesfeld.

Copyright Vorschaubild: Public Domain Pixabay

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