Aktuelles

Beiträge auf: wdr5 

evangelisch

Kirche in WDR 5 | 06.08.2015 | 06:55 Uhr

Hektisches Buch

Guten Morgen! Kürzlich bin ich über eine ungewöhnliche Formulierung gestolpert. Ein junger Pfarrer erzählte von dem neuen Buch, das er gerade las. Er war ganz angetan von dem Roman. Betonte dann aber, er sei ziemlich „hektisch“ geschrieben. Das sorgte nun doch für Erheiterung in der Runde. Und prompt folgte der Ratschlag: „Dann lies doch einfach langsamer.“ Aber er blieb dabei: „Es ist einfach ein stressiges Buch.“

Tags darauf traf ich meine Nichte. Sie ist zwölf. Per Handy verabredete sie sich mit einer Freundin. Für mich schien die Absprache etwas unklar. Deshalb sagte ich: „Besprich das doch noch einmal später in Ruhe mit deiner Freundin!“ Darauf meine Nichte: „Wieso, das war doch in Ruhe.“ - So unterschiedlich können Alltagserlebnisse empfunden werden. Was dem einen schnell und hektisch vorkommt, ist für die andere eine entspannte Angelegenheit.

Da gibt es wohl keine objektiv Sicht, sondern jeder empfindet das auf seine Weise. Da kann sogar ein Buch hektisch wirken, egal wie langsam und bedächtig es gelesen wird. Mich erinnert das an den schönen Vers aus der Bibel: „Es ist noch eine Ruhe vorhanden für das Volk Gottes.“ (Hebräer 4,9)

Ich wünsche mir, gerade in diesen letzten Ferientagen, dass ich mir etwas von dieser Ruhe bewahren kann. Die Geschäftigkeit greift ja schon wieder um sich; die Urlaubszeit ist für Viele vorbei. Es tut so gut, Zeiten zu haben, in denen man innehält und durchatmet. Das geht im Alltag leider schnell wieder verloren. Ich hoffe, ich kann mich immer wieder einmal an diesen Vers erinnern: „Es ist noch eine Ruhe vorhanden für das Volk Gottes.“ Gegen allen Stress, alles Tempo und allen Druck, dem ich immer wieder ausgesetzt bin, steht dieser göttliche Zuspruch.

Nicht umsonst ruhte Gott selbst am siebten Tag, nachdem er die Erde mit ihren Pflanzen, Tieren und Menschen erschaffen hatte. Und nicht umsonst heißt es in einem anderen Bibelwort: „Den Seinen gibt´s der Herr im Schlaf.“ (Psalm 127,2b)

Es gibt allerdings auch eine falsche Ruhe oder anders gesagt: eine richtige Unruhe.

Wenn Dinge schief laufen in unserer Gesellschaft - wenn Menschen verfolgt, ausgegrenzt oder ungerecht behandelt werden – dann gibt es Leute, die mahnen zur Ruhe. Doch das ist falsch. Wir spüren den Unterschied zwischen solchen falschen Beruhigungen dieser Welt und der Ruhe Gottes in uns. Denn Gott will durchaus, dass wir auch Unruhestifter werden, wenn es nötig ist, die Stimme zu erheben.

Mit Gottes Hilfe gelingt beides: Ruhig werden und in heilige Unruhe geraten. Ruhig werden ist nicht so leicht: Manchmal habe ich regelrecht Angst davor. Denn wenn ich still werde, spüre ich sie manchmal: Die Angst vor schwierigen Entscheidungen, die ich zu treffen habe oder vor einem Schmerz, den ich vielleicht zeitlebens spüren werde; oder die Angst vor einer Sehnsucht, die vielleicht nie erfüllt wird.

Aber gleichzeitig bekommen wir von Gott eine „heilige Unruhe“: Wenn es wichtig ist, zu widersprechen oder sich nicht abzufinden mit falschen und ungerechten Zuständen. Dann sollen und dürfen wir unruhig und widerspenstig werden.

Und zur Entspannung können wir ja mal wieder ein Buch zur Hand nehmen.

Aber hoffentlich das richtige: Eines, das nicht zu hektisch geschrieben ist.

Ruhe und Unruhe zur richtigen Zeit, das wünscht Ihnen Ihr Pfarrer Bernd Becker aus Bielefeld.

evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
katholisch
Abspielen