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Kirche in WDR 5 | 23.10.2015 | 06:55 Uhr

Stillleben

Guten Morgen!

Eigentlich habe ich für Stillleben nicht viel übrig: Jene Bildgattung, in der je nach Geschmack und Stilrichtung Blumen, Früchte oder weitere Requisiten kunstvoll drapiert auf einem Tisch angerichtet und gemalt werden. Eine Augenblicksaufnahme, nicht selten ausgestattet mit Hinweisen auf die Vergänglichkeit: ein Stundenglas, ein toter Fasan, verwelkende Blütenblätter …

Doch das ist nichts im Vergleich zu dem Stillleben, das Max Beckmann unter dem Einfluss der Kriegserlebnisse und der Nazi-Diktatur gemalt hat, am 10. April 1945 in seinem Amsterdamer Exil, kurz vor dem Einmarsch der Alliierten.

Sein Stillleben ist nicht die formschöne, bildgetreue Wiedergabe einer Obstschale oder erlesener Jagdtrophäen. Mit kräftigen Strichen und in grellen Farben bringt Beckmann drei grinsende Totenköpfe auf die Leinwand – der eine hält sich noch, wenn das denn ginge, an einer Flasche fest –, auf dem Tisch liegen einige Spielkarten, daneben eine erloschene Kerze. Die Flamme ist schwarz.

Grotesk! Surreal, so der erste Eindruck. „Lustig und Gespensterhaft“, wie Beckmann selbst sein Werk mit kaum verhohlenen Sarkasmus kommentiert. Doch die Botschaft ist klar: Das Spiel ist aus! Die Party ist vorbei. Was ist geblieben von der Arroganz der Übermenschen, die ganz Europa in Schutt und Asche gelegt haben?

Das alles liegt, Gott lob, schon über 70 Jahre zurück, und doch ist die Welt immer wieder von dieser Fratze des Todes, von menschenverachtenden Mächten und Gewalten heimgesucht. Was maßen sich etwa die selbsternannten Gotteskrieger an – gleich, ob IS, Boko Haram oder Al Kaida –, vermeintlich im Namen Allahs, des Allbarmherzigen –, die in unserer Zeit ganze Landstriche mit Leid und Elend überziehen? Was ist das für eine Pseudoreligion, in der die Anführer sich heute wieder zu Herrenmenschen aufschwingen und andere, auch scheinbar westlich zivilisierte, in ihre Verblendung und in ihren Größenwahn hineinziehen. Zurück bleibt eine Spur der Vernichtung und Verwüstung.

Gar nicht so weit entfernt von jenen Landstrichen, die heute wieder von Gewalt und Terror überzogen werden, lassen sich auch andere Spuren finden, ein Trostschreiben, fast 2000 Jahre alt für Christen im damaligen Kleinasien: „Ich kenne deine Bedrängnis und deine Armut (Offb 2,9)“, ruft ein Engel den bedrängten Gemeinden im letzten Buch der Bibel zu. Und weiter: „Ich kenne deine Werke, dein Mühen und dein Ausharren“ (Offb 2,2). Und schließlich „Ich habe vor dir eine Tür geöffnet, die niemand mehr schließen kann“ (Offb 3,8). Gerade dieses letzte Wort spricht mich zutiefst an. Egal, was geschieht, wie schlimm es auch kommen mag: Gott hält die Tür offen – die Tür zum Leben, die Tür der Hoffnung. Das ist die Antwort, die Gott all dem Bedrängenden und Bedrückenden entgegenhält.

Es ist das, was mir beim Anblick jenes grotesken Szenarios durch den Kopf geht, das Max Beckmann da als sein Stillleben portraitiert hat: Es gibt diese Tür, die Gott aufhält. Und er ist es auch, der mitgeht, durch alle Untiefen und Schrecknisse hindurch. Auch heute.

Ich bin Peter Klasvogt aus der Kommende Dortmund.

Kommen Sie gut durch den heutigen Tag!

Bildnachweis: http://harburg-magazin.netsamurai.de wp-content uploads 2014 09 Max-Beckmann-1884-1950-Totenkopfstillleben-1945.jpg

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