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Kirche in WDR 5 | 24.09.2016 | 06:55 Uhr

Vom Ende der Nacht

Guten Morgen!

„Wächter, wie lange noch dauert die Nacht?“ (Jes 21,11) – Nein, das ist jetzt kein Weckruf am frühen Samstagmorgen, vielmehr ein Hilferuf des Propheten Jesaja aus lang zurückliegender Zeit. Ein Ruf, der durch die Jahrhunderte hindurch zum Himmel dringt. Auch heute. Wann endlich endet die Nacht der Bosheit und Gemeinheit, von Terror und Gewalt? Wo zeigt sich ein Silberstreif am Horizont?

Jesaja sieht sich mit der Ungeduld der Geängstigten und Verzweifelten konfrontiert und muss doch zugleich die Hoffnung dämpfen auf ein baldiges Ende. Er weiß nicht, wie lange die Nacht der Bedrängnis noch andauert. Der Prophet muss ansagen, was er sieht, nicht was er erhofft. Aber er kann andeuten, wo sich ein Weg aus der Nacht zeigt, und wer es ist, der sein Volk einem neuen Morgen entgegenführt. Da ist die Bitte an Gott, er möge dem Bösen ein Ende setzen.

Mir stehen die zerbombten Städte in Syrien, in Libyen und im Irak, vor Augen, die gesprengten Tempel in Nimrod, al Hadra und Palmyra: Weltkulturerbe und „Wiege der Menschheit“ … Vor allem aber denke ich an Menschen, die vor der Brutalität und Grausamkeit des IS geflohen sind, die Hab und Gut zurücklassen mussten und oft auch Angehörige und Freunde dort verloren haben. „Wächter, wie lange noch dauert die Nacht?“ – die Nacht des Mordens, der Zerstörung, der Verzweiflung? Auch wenn keiner vorhersagen kann, wie lange das Wüten noch andauert: Es ist wichtig, dass es solche „Wächter“ gibt, die inmitten der Zerstörung dort aushalten, in all dem Chaos und Leid, in der Ungewissheit, was der morgige Tag bringt: „Wächter“, die auch in bedrängter Zeit tiefer sehen und in der Schwärze der Nacht bereits den Silberstreif des Morgens erkennen. Wachsame Menschen, die aus der Hoffnung leben.

„Wächter, wie lange noch dauert die Nacht“: Diese bange Frage schwingt auch heute mit, im Nahen und Mittleren Osten und ebenso in unserem wohl behüteten Europa. Die Attentate in Paris, Brüssel, Istanbul, Nizza die Brandanschlägen auf Flüchtlingsunterkünfte, die Hass-Tiraden im Internet und auf den Straßen, die Bilder von geretteten und ertrunkenen Flüchtlingen – über all den Gräueln erhebt sich eindringlich der Schrei: „Wächter, wie lange noch dauert die Nacht?“

Und in der Tat: es gibt sie, diese Wächter der Hoffnung, auch heute und mitten unter uns. Antoine, ein Journalist in Paris, ist so jemand. Seine Frau Hélène ist bei dem Attentat von Bataclan ums Leben gekommen. Zwei Tage später wendet er sich auf Facebook direkt an die Attentäter von Paris und schreibt:

"Freitagabend habt ihr das Leben eines außerordentlichen Wesens geraubt, das der Liebe meines Lebens, der Mutter meines Sohnes. Aber meinen Hass bekommt ihr nicht … Wenn dieser Gott, für den ihr blind tötet, uns nach seinem Bild geschaffen hat, dann muss jede Kugel, die meine Frau getroffen hat, eine Wunde in sein Herz gerissen haben. … Ich weiß, dass … wir uns in jenem Paradies der freien Seelen wiedersehen werden, zu dem ihr niemals Zutritt erhalten werdet. … Wir sind zwei, mein Sohn und ich, aber wir sind stärker als alle Armeen dieser Erde.“

Lichtvolle Worte gegen das Dunkel der Nacht. Sie haben sich wie ein Lauffeuer verbreitet. Millionenfach. Worte der Hoffnung. Nicht nur für den heutigen Tag.

Ich bin Peter Klasvogt aus der Kommende in Dortmund.

Kommen Sie gut durch diesen Tag!

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