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Das Geistliche Wort | 06.08.2017 | 08:35 Uhr

„Alles klar mit dem Glauben? – Von wegen!“

„Klar, das habe ich kapiert!“ – „Alles klar, ich kümmere mich darum.“ – „Na klaro, das bekommen wir hin…!“

Sie kennen diese Aussprüche: Wenn was klar ist, dann weiß jeder, was zu tun ist. Dann hat man es kapiert. Dann läuft die Sache, dann hat man sich verstanden. Und, ehrlich gesagt, das ist doch eine gute Lebenserfahrung: Ich werde verstanden. Ich kann mich verlassen. Das, was ich möchte, passiert. Meine Ideen werden aufgegriffen. Es geht positiv weiter.

Guten Morgen!

Musik I

Das kleine Wort „klar“ ist dem Lateinischen entlehnt und bedeutet „hell“. Und wenn etwas geklärt ist, dann ist es eigentlich erhellt und besagt im übertragenen Sinne, dass etwas einleuchtet und damit kapiert worden ist, dass es verstanden worden ist. Es gibt keine Verdunkelungen, keine Unklarheiten, keine Missverständnisse mehr.

Ich verbinde mit „klar“ noch eine ganz andere Erfahrung: Wenn ich nämlich glasklares Wasser aus einer Quelle trinke. Dieses Wasser ist nicht verschmutzt, nicht verunreinigt. Es erfrischt.

Ein wunderschönes Gefühl: reines, sauberes Wasser, eben klar.

Manchmal kann Klarheit aber auch wehtun, dann, wenn mir jemand ungeschminkt die Wahrheit sagt, wenn ich enttäuscht werde, also eine Täuschung aufgedeckt wird und ich erfahre, wie es sich wirklich verhalten hat. Dann ist die Klarheit zunächst schmerzlich. Aber sie kann dann auch helfen, richtig hinzuschauen und neu zu beginnen.

„Klar“ ist also ein Wörtchen, was für mich eine durchaus positive Bedeutung hat, vor allem, wenn es darum geht, eine Klärung herbeizuführen, eine Art Erhellung oder Erleuchtung.

Von Klärung im Sinne der Erleuchtung ist auch am heutigen Festtag in der katholischen Kirche die Rede. Der Festtag fällt zufällig auf einen Sonntag, aber weltweit wird in der katholischen Kirche am 6. August die Verklärung des Herrn gefeiert.

Jesus, so heißt es dazu im Evangelium, ist mit Petrus, Jakobus und Johannes auf einen Berg gestiegen. Vor ihren Augen verwandelt er sich. Sein Gesicht leuchtet hell wie die Sonne und seine Kleider werden blendend weiß wie Schnee. Genau diese Veränderung hat dem heutigen Fest seinen Namen gegeben „Verklärung des Herrn“. Und eben in diesem Wort „Verklärung“, da steckt es drin, das kleine Wort „klar“.

Heißt das nun, dass mit Jesus alles klar ist?

Für die drei, die mit ihm auf den Berg steigen, für Petrus, Jakobus und Johannes, ist überhaupt nichts „klar“. Petrus redet unverständliches Zeug. Er will Hütten bauen, weil er überhaupt nicht weiß, wie er mit dem, was er da mitbekommt, umgehen soll.

Er ist schlicht überfordert. Er hat Jesus als außerordentlichen, charismatischen Menschen erlebt, aber was da jetzt abgeht, auf dem Berg – das ist zu viel für ihn.

Das da Licht ist, eine Verwandlung, blendend weiße Gewänder und Männer, die erscheinen, damit hat er nicht gerechnet. Im Bilde gesprochen: So viel Licht blendet ihn, dass er ganz nichts mehr sieht und versteht. Trotz Licht, trotz Überwältigung, nichts ist „klar“! Dem Petrus nicht, dem Johannes nicht und auch dem Jakobus nicht. Sie bekommen vielmehr Angst und werfen sich zu Boden.

Musik II

Petrus, Jakobus und Johannes bekamen es mit der Angst zu tun – geblendet von dem leuchtenden Jesus. Wahrscheinlich war ihnen das Ganze, was sie erlebten, zu hoch. Es war für sie nicht mehr hell, sondern grell.

Das kann man vielleicht auch so verstehen: Verklärung hat etwas Schillerndes, etwas Irreales. Wenn Klärung dazu dient, Angst vor Uneindeutigkeit, Orientierungslosigkeit und Dunkelheit zu vertreiben, dann kann Verklärung zu viel des Guten sein und Angst erzeugen, wenn zu sehr idealisiert wird. Bedeutet nämlich Verklärung nicht auch Vergeistigung, also Ver-un-klarung, im Sinne einer geheimnisvollen, im letzten nicht verstehbaren Sache.

Manchmal scheint es mir heutzutage so zu sein, dass keiner mehr so richtig was versteht, wenn es um den Glauben geht. Man kommt zwar zu bestimmten Anlässen noch in die Kirche wie Weihnachten, Ostern oder bei einer Beerdigung und Trauung, die Mitfeier der Liturgie gefällt und tut einem auch ganz gut. Aber worum geht es eigentlich? Wozu das Ganze? Das wissen die meisten nicht.

Offenbar ist die Sache mit dem Glauben, die Sache mit Jesus, mit Gott, mit der Kirche alles andere als „klar“. Etwas konkreter formuliert: Ist die Sache mit Jesus, der aufruft zur Nachfolge, ihm zu trauen, „klar“? Sind seine Wunder, seine Botschaften, seine Worte, seine Heilungen eindeutig, „klar“, unmissverständlich? Verstehe ich eigentlich, was er von mir will?

Ich behaupte einmal: Gott sei Dank ist das alles nicht klar! Um „Klarheit“ ist es Jesus nämlich nie gegangen! Im Gegenteil: Die größte Unklarheit herrschte, als Jesus am Kreuz starb. Da dachten alle, selbst seine engsten Weggefährten, er wäre gescheitert. Wieder einer von denen, die viel versprechen und gar nichts halten. Da hat kaum einer verstanden, was in diesen Stunden seines Kreuzweges passiert ist. Deshalb rannten sie weg. Sie brauchten Zeit, um zu verstehen, brauchten Klärung, Erhellung, auch wenn bei weitem nicht alles „klar“ wurde.

Aber offenbar haben sie erahnt, dass dieser Weg durch Leiden, Kreuz und Tod doch am Ende nicht scheitern kann. Sie haben nach neuer Klarheit gesucht, haben die Augen geöffnet, um die Welt mit anderen – sprich vertrauensvollen Augen zu sehen.

Der Blick mit gläubigen Augen auf die Welt hat ihnen schließlich mehr Klarheit verschafft, wer Jesus für sie wirklich war und ist. Ihr Glaube war schließlich ein ständiger Prozess der Klärung aber nicht die Klarheit.

Musik III

Es geht im christlichen Glauben nicht um Klarheit, sondern um Klärung!

Sicher, die Kirche kennt klare Regeln, den Katechismus mit den Lebenshinweisen und den Geboten. Das alles ist „klar“ formuliert. Das alles will eine Hilfe sein, sich zu orientieren.

Aber Glauben ist kein Aneinander von Regeln, von Geboten, von Vorschriften und moralischen Einschränkungen und Verdikten.

Im Glauben geht es um eine Beziehung zu Gott, deren Fundament Liebe ist.

Es geht um Vertrauen, um „Ja-sagen“, um Offenheit, um Treue, um das immer wieder aufrichtige Bemühen, auf IHN zu schauen, IHN zu sehen, IHN zu hören, IHN, Jesus Christus.

Da kann es hoch hergehen – wie in einer zwischenmenschlichen Beziehung. Denn auch da gehören Zweifel, Auseinandersetzung, Zeit füreinander, Aufrichtigkeit, miteinander Sprechen, die Erfahrung von Geborgenheit und der Wille dazu. Für mich als Priester heißt das konkret: Die erste Priorität in meinem Leben ist Jesus, der Sohn Gottes.

Es geht mir nicht darum, immer direkt alles „klar“ zu haben, nach irgendwelchen Handlungsanleitungen zu leben, die schnelle Lösung zu haben, alles zu durchschauen. Es geht mir um die immer weitergehende Klärung: Jesus, wer bist Du für mich? Was zählt in meinem Leben? Was ist jetzt nötig zu tun, um Gott bei den Menschen erfahrbar werden zu lassen?

Sicher, wir Menschen mögen das gerne, wenn wir alle Dinge geordnet, „klar“, einsichtig haben. Aber da Glauben im Kern eine Liebesbeziehung zwischen Gott und jedem Einzelnen ist, gibt es nun mal so viele Weg zu Gott, wie es Menschen gibt. So hat das Papst Benedikt einmal gesagt. Und er hat Recht: Jeder einzelne Mensch ist eingeladen, eine einmalige, unverwechselbare, nicht zu ersetzende, abenteuerliche, oft herausfordernde aber im letzten tief erfüllende Liebesgeschichte mit Gott zu beginnen.

Wenn ich in dieses Experiment des Lebens eintrete, zu dem Jesus mich einlädt – wie einen jeden Menschen – dann werden mir Dinge aufgehen.

Dann kann ich vor allen Dingen Erfahrungen machen: Die Erfahrungen, dass der Weg mit dem Gott Jesu Christi sich lohnt: durch Höhen und Tiefen, durch Krisen und Erfolge, manchmal auch durch Schicksalsschläge und Enttäuschungen, oft aber auch durch Freude und Dank. Denn Gott schenkt das, was Jesus einmal „das Leben in Fülle“ genannt hat (Joh 10,10).

Musik IV

Bei der Verklärung auf dem Berg war für Petrus, Jakobus und Johannes nicht alles „klar“. Aber sie haben an der Beziehung zu Jesus Christus festgehalten, auch wenn sie versagt haben wie Petrus, der Jesus später einmal verleugnet hat. Petrus, Jakobus und Johannes hatten keine Klarheit, aber sie sind diesen abenteuerlichen Weg der Klärung weiter gegangen. Und sie wurden nicht enttäuscht.

„Herr, du weißt alles, du weißt auch, dass ich dich lieb habe“ (Joh 21,17). Dies sagt Petrus seinem Freund Jesus. Und ich bin mir sicher, dass es sich hier nicht um eine pathetische Floskel handelt, sondern um eine Überzeugung, die bis in den eigenen Tod trug, bis in die Hingabe des eigenen Lebens.

Nichts ist klar, wenn es um den Prozess des Glaubens geht. „Klar“ ist nur: die Sache mit Jesus. Die Sache mit dem Glauben, ist nicht bequem, aber verheißungsvoll – wenn am Ende einmal die Klarheit steht, die keine Auge gesehen und kein Ohr gehört hat, keinem Menschen in den Sinn gekommen ist: Das Große, das Gott denen bereitet hat, die ihn lieben (vgl. 1 Kor 2,9), das Leben in Fülle.

Aus Köln grüßt sie Pfarrer Mike Kolb

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