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Kirche in WDR 5 | 24.08.2017 | 06:55 Uhr

Unterwegs

Guten Morgen!

Zu Beginn der Sommerferien habe ich mich auf den Weg gemacht – von Corvey bei Höxter bis nach Paderborn, wo ich wohne. Ich war als Pilger unterwegs auf dem alten Jakobsweg, der nach Santiago führt, der Stadt des heiligen Jakobus‘ im Nordwesten Spaniens. Ganz so weit wollte ich nicht, aber immerhin: die ersten siebzig Kilometer habe ich geschafft. Schon bei der Vorbereitung und beim Packen des Rucksacks musste ich überlegen: Was brauchst du für die drei Tage? Worauf kannst du verzichten? Ein paar T-Shirts, gute Wanderschuhe, genug Wasser zu trinken und ein Regenponcho.

Der ostwestfälische Jakobsweg schlängelt sich durch eine wunderschöne Landschaft mit uralten Buchenwäldern und Feldern mit reifem Korn. Ich ging an Weiden entlang mit Pferden und Kühen, ich sah Rehe und Feldhasen, hörte Spechte an die Bäume klopfen, und freute mich über Bussarde, die am Himmel ihre Kreise zogen. Ich spürte: Auch ich bin ein Teil dieser Welt, dieser Schöpfung! Und so wurde ich immer dankbarer auf dem Weg und konnte beten, wie ich es aus dem Buch der Psalmen kenne: „Ich danke dir, Herr, dass du alles so wunderbar gemacht hast. Staunenswert sind deine Werke!“ (Vgl. Ps 139,14)

Ich habe auch daran gedacht, wie viele Pilger Jahrhunderte vor mir schon auf diesem Weg gegangen sind. Wie viele Gebete wurden an den Bildstöcken und in den Kapellen wohl schon gesprochen? Wie viele Kerzen angezündet? Der Jakobsweg könnte sicher viel erzählen von der Freude und dem Leid der Menschen, die ihn gegangen sind.

Am zweiten Tag pilgerte ich im Dauerregen und in einem Waldstück hätte ich mich fast verlaufen: Die Wegmarkierung war nicht mehr zu finden, und der eigentliche Weg war kaum passierbar infolge von Pfützen und Schlammlöchern. Da war ich dann ganz schön frustriert. Ich kam mir vor wie im Dschungel. Sollte ich zur Hauptstraße zurück und versuchen, ein Auto anzuhalten, und darum bitten, mich mitzunehmen – wenigstens bis zum nächsten Ort?

Nein! Ich wollte ja den richtigen Weg gehen! Aber wo war der „richtige“ Weg?

Ich stand allein auf weiter Flur und war auf mich selbst zurückgeworfen. Das war für mich eine geistliche Erfahrung: Hindernisse gehören zum Leben dazu. Das ist natürlich mühsam und frustrierend. Wenn ich dann aber versuche, die Herausforderung anzunehmen, Schritt für Schritt weiterzugehen und nach vorne zu schauen, dann können diese Hindernisse helfen, innerlich zu wachsen. Meine persönliche Erkenntnis daraus: Der „richtige“ Weg ist nicht immer der leichteste.

Diese geistliche Erfahrung haben Menschen immer wieder gemacht. Auch die Bibel erzählt davon. Da gibt es viele solcher Weggeschichten: Das Volk Israel muss zum Beispiel vierzig Jahre durch die Wüste wandern, bevor es endlich das verheißene Land erreicht. Und in dieser langen Zeit gibt es unzählige Probleme. Obwohl die Israeliten regelmäßig in die Gefahr kommen, den richtigen Weg zu verlieren, steht Gott in Treue zu seinem Volk. Er verlässt es nicht und begleitet es durch alle Gefahren.

Im Johannesevangelium wird schließlich ein Wort Jesu überliefert, das mir sehr wichtig geworden ist. Jesus sagt da von sich selbst: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich.“ (Joh 14,6) In ihm zeigt sich mir so eine Richtung: Wer nämlich auf ihn vertraut, der braucht keine Angst zu haben, vom richtigen Weg abzukommen, denn er selbst wird zum Weg, der zu Gott führt. Er selbst ist die Wahrheit, die mich frei macht, und das Leben, das mir als Christ verheißen wird.

Zwar bin ich noch nicht am Ziel meines Lebens angekommen, aber das Ziel meiner dreitägigen Wanderung, Paderborn, habe ich gut erreicht. Und die Erfahrung möchte ich nicht missen:

Hindernisse anzunehmen und zu bewältigen, ohne gleich vorweg zu wissen, ob ich mein Ziel erreiche.

Aus der Stadt an der Pader grüßt Sie herzlich Ihr Pastor Achim Hoppe!

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