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Kirche in WDR 5 | 02.11.2017 | 06:55 Uhr

Vom Leben umfangen

Guten Morgen!

„Mitten wir im Leben sind, mit dem Tod umfangen“, so beginnt ein altes Kirchenlied. Martin Luther hatte es aus dem Lateinischen übersetzt und so hat es Einzug gehalten zunächst in die evangelische Kirche. Heute, am Allerseelentag, dürfte es aber auch in vielen katholischen Kirchen erklingen, gewissermaßen ein ökumenischer Gleichklang. Mit seiner getragenen Melodik erinnert es mich daran, dass alles Leben endlich, vergänglich ist, auch wenn wir mitten im Leben stehen und der Gedanke an den Tod weit weg ist. Doch der Tod lässt sich nicht einfach aus unserem Leben verbannen. „Memento mori!“ – „Denk daran, dass Du sterben musst“, so lautete ein bekannter Slogan im Hochmittelalter, und in den Kirchen mahnten Bilder vom Totenreich, vom Jüngsten Gericht, von Hölle und Fegefeuer, dass der Tod zum Leben gehört. Gewissermaßen ein drohender Impuls, vom Ende her das Leben zu gewinnen.

Daran erinnert auch jenes Lied, das Martin Luther besonders schätzte: „Mitten wir im Leben sind, mit dem Tod umfangen“. Man schrieb das Jahr 1524. Es war der Beginn der Bauernkriege, als die landlose Bevölkerung aufbegehrte und mit Waffengewalt um ihre Rechte kämpfte. Dabei berief sie sich auf Luthers Schrift „Von der Freiheit des Christenmenschen“, eine schreckliche Verirrung. Erschüttert musste Luther mit ansehen, wie die Gewalt eine Eigendynamik entfaltete, die auch er nicht mehr eindämmen konnte.

Sprecher:

„Mitten wir im Leben sind, mit dem Tod umfangen,

wer ist’s, der uns Hilfe bringt, dass wir Gnad erlangen.

Das bist du, Herr, alleine.“

Angesichts der vielen Toten und Verwundeten des Krieges klingt in dem streitbaren Reformator jene dunkle, schwere Melodie auf, die ihn die eigene Ohnmacht und Schwachheit durchleben lässt, das Gefühl des Versagens und der eigenen Hilflosigkeit. Aber darin keimt auch die Hoffnung auf den lebendigen und gnädigen Gott. Im Tiefsten ist er dessen gewiss: Wenn wir an ein Ende kommen und nicht weiterwissen, ist es Gott, der uns mit seiner unendlich zärtlichen Liebe umgreift. Wir sind zwar vom Tod umfangen, doch nicht verloren, sondern erlöst. Und so dreht Luther die Worte jener Liedzeile um, die plötzlich einen ganz neuen, tieferen Sinn entfaltet: „Mitten im Tod sind wir vom Leben umfangen“. Aus der Vergänglichkeitsklage wird ein Lobpreis, Ausdruck gläubigen Vertrauens auf den lebendigen und gnädigen Gott.

„Vom Leben umfangen“, das sagt sich so leicht und ist doch so schwer zu glauben, besonders dann, wenn man am Grab eines lieben Menschen steht. Wenn man damit hadert, dass ein junger Mensch viel zu früh aus dem Leben geschieden ist. Wenn man doch noch so viel gemeinsam unternehmen wollte und nun alleine zurechtkommen muss ... Auch Trauern gehört zum Leben dazu. Abschied nehmen braucht seine Zeit. Vor allem aber braucht es eine Hoffnung. Daran glauben und darauf hoffen zu können, dass es ein Leben auch jenseits der Grenze des Todes gibt: ewiges Leben.

Zeichen dieser Lebenserwartung sind die Lichter, die heute – wie mancherorts auch schon gestern – auf den Gräbern unserer Verstorbenen entzündet werden: Licht, das die Dunkelheit besiegt – eine Sprache der Hoffnung, die jeder versteht. Auch ich werde heute Abend mit meinem Vater auf den Friedhof gehen und an unserem Familiengrab ein Licht entzünden. Und vielleicht werde ich auch Luthers Lied anstimmen, aber in umgekehrter Wortfolge: „Mitten wir im Tode sind, ganz vom Leben umfangen“.

Ich bin Peter Klasvogt aus der Kommende Dortmund.

Kommen Sie gut durch den heutigen Tag!

Vgl. GL 503.

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