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Das Geistliche Wort | 06.12.2020 | 08:40 Uhr

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Kinder in die Mitte

Autor: Heute, am 6. Dezember, ist Nikolaustag. Geschichten und Legenden ranken sich um den Bischof Nikolaus von Myra, der im 4. Jahrhundert lebte. Er soll ein Wohltäter und Helfer der Kinder gewesen sein. Deshalb stellen Kinder in vielen Ländern am Vorabend des Nikolaustags ihre Stiefel vor die Tür - in der Hoffnung, dass sie in der Nacht mit Süßigkeiten gefüllt werden.

 

Aber Kinder brauchen natürlich mehr als Süßigkeiten. Sie brauchen Geborgenheit und Freiheit, Bildung und Nahrung, religiöse Orientierung und Werte. Sie brauchen Erwachsene, die sie als eigenständige Persönlichkeiten achten. Das alles ist nicht selbstverständlich. Schon lange wird z.B. über Kinderrechte diskutiert. Ohne Ergebnis. Noch immer wächst in unserem reichen Land jedes fünfte Kind in Armut auf. Und wer in eine finanzschwache Familie geboren wird, hat von vorherein schlechte Aussichten. Da bleiben zu viele Nikolausstiefel leer.

 

Im Evangelium wird erzählt, das Kinder Vorbilder der Erwachsenen sind. Die Szene beginnt, wie wir es oft erleben. Viele Leute scharen sich um Jesus. Sie reden und diskutieren. Erwachsene unter sich. Es sind auch Kinder dort. Sie können aber nichts sehen, werden an die Seite geschoben. Kinder stören. Als einige Väter und Mütter sie auf den Arm nehmen, um nahe an Jesus heran zu kommen, werden sie von den Jüngern schroff zurückgewiesen. Weg da! Kinder haben hier nichts zu suchen! Hier geht es um erwachsene Fragen.

 

Jesus reagiert ganz anders. Er sagt:

 

Sprecher: „Lasst die Kinder zu mir kommen und wehret ihnen nicht; denn solchen gehört das Reich Gottes... Wer das Reich Gottes nicht empfängt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen.“

 

Autor: Jesus stellt Kinder in die Mitte. Er macht sie zu Vorbildern der Erwachsenen.

Das ist eine Provokation. Meine Frau und ich sind einmal mit unserem zweijähigen Sohn in den Dom gegangen. Voller Begeisterung entdeckte er, dass sein lautes Rufen und Klatschen einen mächtigen Hall erzeugte. Er fand den Dom klasse! Aber schnell eilte der Küster herbei und komplementierte uns aus dem Gotteshaus. Mein Protest - unter sanftem Hinweis auf das Kinderevangelium Jesu - half nichts. Die Welt der Erwachsenen dreht sich nach eigenen Gesetzen. Auch in der Kirche. Auch da ist für Kinder oft zu wenig Platz.

 

Jesus öffnet meine Augen dafür, dass ich durch unsere Kinder das Leben neu entdecken kann. Auch meinen Glauben an Gott vertiefen. Kinder sind spannende Theologen. Sie fragen nämlich ganz souverän: Was bedeutet das? Warum ist das so? Plötzlich geht es darum, was unser Leben trägt und die Welt zusammenhält. Von wegen: erwachsene Fragen.

Und da ist noch mehr: Die Geborgenheit, die Kinder aufblühen lässt, erinnert mich daran, dass auch ich gehalten und getragen bin von Gott. Eine Geborgenheit, die frei macht.

Ihre Empfindlichkeit für Ungerechtgkeit und Leiden anderer Menschen, auch der Tiere, spornt mich an, immer wieder selbst zu fragen, was richtig ist und was wir tun müssen.

 

Kinder rücken meine Werte zurecht. Nicht Intelligenz, Erfolg und Status zählen. Geschweige denn Geld. Kinder sind das sichtbare Zeichen des Evangeliums, dass Gottes Liebe von Anfang an gilt. Ohne Voraussetzung. Alle Menschen sind gleich wichtig. Niemand muss sich den Sinn des Lebens erst erarbeiten.

 

Jesus sagt: Kinder sind Vorbilder. Sie gehören in die Mitte. Sie provozieren Erwachsene zu einem guten Leben.

 

 

Musik 1: Sei willkommen, Text und Musik: Gerhard Schöne, CD Menschenskind, Track 1, 'Buschfunk' Musikverlag GmbH, LC 06312;

 

(1.) Nahe unter Mutters Herzen
Schwebt er leicht, der kleine Träumer.
Bald beginnt die schwere Reise,
Bald betritt er den Planeten.
Jetzt muss er sich vorbereiten,
Dass heisst, muss wachsen schlafen,
Dass heisst, er muss sich bewegen
Und dann auf die Landung warten.

(Ref.) Hast du das Signal vernommen,
Kleines Wesen sei willkommen,
Sei willkommen hier auf Erden,
Du sollst werden glücklich.

 

(2.) Wo wirst du die Welt betreten,
Wird man dich auf Kissen betten,
Schläfst du in Kartons aus Pappe
Zugedeckt mit einer Zeitung.
Wie wird man dich hier empfangen
Mit dem Bandmaß und der Waage,
Mit Umarmungen und Küssen,
Wird man lachen oder fluchen.

(Ref.) Hast du das Signal vernommen,
Kleines Wesen sei willkommen,
Sei willkommen hier auf Erden,
Du sollst werden glücklich.

Autor: Kinder in die Mitte! Vor einigen Wochen hat die Evangelische Kirche in Deutschland mit diesem Titel eine lesenswerte Handreichung zur Arbeit der Kindertagesstätten veröffentlicht. (1) Denn die Aufgaben der Bildung, Erziehung und Betreuung der Kinder werden ja in unserer Gesellschaft heute nicht nur von den Familien, sondern auch zunehmend von Bildungseinrichtungen wahrgenommen. Eltern wünschen sich, dass sie Familie und Beruf gut vereinbaren können. Das verstärkt diesen Trend. Eltern und Einrichtungen werden dabei im besten Falle zu starken Partnern. Denn viele Kinder verbringen schon sehr früh mehr Lebenszeit in der Kindertageseinrichtung als in ihrer Familie. Die Handreichung erläutert die Auswirkungen dieser Entwicklung, insbesondere für die annähernd 9000 Einrichtungen der Evangelischen Kirche. Denn der Kindergarten ist in den letzten 200 Jahren vielfach zu ihrem Markenzeichen geworden.

 

Heute wissen wir genau: viele Weichen werden in den ersten Lebensjahren gestellt. Der Druck auf Erzieherinnen und Erzieher ist hoch, zumal die Kinder beim Eintritt in die Einrichtung immer jünger werden. Angesichts der vielfältigen Herausforderungen darf die Basis der Arbeit nicht aus dem Blick geraten, meint Michaela Moser, Leiterin der Kindertagesstätte Rosengarten in Wassenberg:

 

O-Ton Moser: „Kinder in die Mitte - ist für mich die Grundlage, der Leitsatz für die Arbeit, die wir in der Kita leisten, für die pädagogische Arbeit. Bei allen Angeboten, die für die Kinder gemacht werden. Dabei finde ich ganz wichtig, dass jedes Kind so wie es ist, wichtig ist, herzlich willkommen ist und da abgeholt wird, wo es ist. Ich denke, das ist das, was unsere Arbeit in der Kita wiederspiegelt. Speziell bei den Kindern mit Förderbedarf hat das eine besondere Wichtigkeit.“

 

Autor: Nicht wenige Fachleute sind überzeugt davon, dass in der Elementarbildung die individuelle Förderung der Kinder besser gelingt als in der Schule, weil dieser Bereich nicht so stark geregelt und von Leistungsnachweisen überlagert ist. Jutta Nieswand leitet das Familienzentrum Apfelbaum in Wassenberg. Sie weiss, dass es manchmal um ganz einfache Dinge geht:

 

O-Ton Nieswand: „Es ist auch die Situation, dass die Kinder soviel Lebenszeit im Kindergarten verbringen im Vergleich zu früher, dass man dem gerecht werden muss, dass 3-6jährige Kinder auch komplexe Spielzusammenhänge erleben müssen. Das, was man früher zu Hause hatte, dass über Tage im Kinderzimmer eine Landschaft entstehen kann und wirklich stehenbleiben kann. Und in den Kindergarten ist man früher vielleicht zusätzlich gegangen, das müssen wir den Kinder jetzt hier bieten.“

 

Musik 1: Sei willkommen, Text und Musik: Gerhard Schöne,CD Menschenskind, Track 1, 'Buschfunk' Musikverlag GmbH, LC 06312;

 

(3.) Wirst du eine Nummer kriegen
Oder einen Kosenamen.
Wirst du Hungerschreie hören
Oder Schlager aus dem Radio.
Werden sie dich lieben, achten
Oder wollen sie dich dressieren,
Wirst du stehlen lernen müssen
Oder Schokolade essen.

(Ref.) Hast du das Signal vernommen,
Kleines Wesen sei willkommen,
Sei willkommen hier auf Erden,
Du sollst werden glücklich.

(4.) Wirst du einst umjubelt werden
Oder lebst du unbeachtet.
Bist du eingeplant für's Schlachtfeld
Oder wirst du selbst befehlen.
Wirst du aufstehen gegen Unrecht
Oder wirst du schweigend dulden.
Werden sie dich wachsen lassen
Zu dem Menschen der du sein willst.

(Ref.) Hast du das Signal vernommen,
Kleines Wesen sei willkommen,
Sei willkommen hier auf Erden,
Du sollst werden glücklich.

 

Autor: Die Schließung von Kindergärten und Schulen während der Corona-Pandemie war eine erhebliche Belastung, auch wenn viele Erzieherinnen versuchten, trotz „Lockdown“ Kontakt zu den Eltern zu halten. Natürlich fehlte den Kindern das gemeinsame Spiel mit ihren Freundinnen und Freunden. Vielfach musste das gesamte Familienleben im Wechselspiel von Beruf, Home-Office, Haushalt und der Hinwendung zu ihren Kindern neu organisiert werden. Viele Eltern atmeten hörbar auf, als Kindergärten und Schulen wieder ihre Türen öffneten. Die hatten in der Zwischenzeit ihre Arbeitsabläufe coronagerecht überarbeitet. Die Kinder stellten sich schnell darauf ein, freuten sich auf das Wiedersehen in ihrer Gruppe. Dabei zeigen sie sich meist verantwortlicher als manche Erwachsene in der Öffentlichkeit - Kinder als Vorbilder.

 

O-Ton Moser: Ich sehe, dass die Kinder nach dieser coronabedingten Pause guter Dinge zurückgekommen sind in die Kita, die veränderten Rahmenbedingungen einfach hingenommen haben; es ist selbstverständlich, morgens an der Tür abgegeben zu werden, sich an der Garderobe auszuziehen, erst Händewaschen, Temperatur messen, wir hatten jetzt eine Situation, da war ein Mädchen, die war morgens schon in der Leseecke, ein zweites kam dazu, die erste Frage war: Hast Du auch deine Hände gewaschen? Sie haben verinnerlicht, dass das wichtig ist, denn sie wollen miteinander in Kontakt treten. Sie geben acht aufeinander, erzählen, es ist wichtig, dass ich aufpasse, denn ich möchte Oma und Opa besuchen.

 

Autor: Satt, sauber, warm - so werden oft die Grundbedürfnisse von Kindern beschrieben. Aber sie brauchen mehr. Sie brauchen Religion. Das ist ein wesentliches Anliegen der EKD- Handreichung „Kinder in die Mitte“. Kinder sind neugierig auf Religion und das Geheimnis des Lebens. Diese Neugier hat ihnen schon erstaunliche Lernerfolge beschert. Noch bevor sie in den Kindergarten kommen, haben sie große Erfahrungen im Lernen. Sie haben - nicht ohne Anstrengungen - sitzen gelernt, stehen, laufen, sprechen. Sie wissen, dass Menschen sehr unterschiedlich sind und die Welt mit zahlreichen Ansprüchen an sie herantritt. Religion hilft ihnen, sich mit dem Leben auseinanderzusetzen. Auch mit den Krisen. Wenn alles gut geht, lernen sie, Hoffnung zu haben. Dass Not beendet und Krisen bewältigt werden können.

 

In der Kindertagesstätte begegnen Kinder vielfach zum ersten Mal dem Thema Religion. Sie lernen biblische Geschichten kennen und fangen an, einen eigenen Standort zu finden. Darüber hinaus führen sie den Dialog mit anderen Religionen. Gott ist für Kinder eine geheimnisvolle Frage. Hinter der Suche nach Antworten, ob Gott uns sieht, ob er Gebete hört oder sich um Kranke kümmert, stehen umfassende Orientierungen: Wie soll man sich zurechtfinden? Worauf kann man sich verlassen? Woher kommt das Leid in der Welt? Welchen Sinn haben all die widersprüchlichen Erfahrungen der Angst und des Glücks? Kinder wollen die Welt, die sie umgibt, mit all ihren Rätseln verstehen und stellen dazu Fragen, die mit ihrem Glauben zusammenhängen: Fragen nach Tod und Leben, Fragen nach der Welt, nach dem Himmel, nach Gott. Ziel religiöser Bildung ist es nicht, auf alle Fragen Antworten zu liefern. Vielmehr sollen Kinder befähigt werden, den eigenen Weg zu finden.

 

Wo Kinder in der Mitte sind, wo sie ernst genommen werden als Persönlichkeiten, können sie von dort aufbrechen zu neuen Erkundungen. Die Stiefel, die vor die Tür gestellt werden, müssen nicht leer bleiben. Dafür werden in den frühen Lebensjahren die Grundlagen gelegt. Kinder sollen Vertrauen ins Dasein gewinnen, Mut zu eigenen Entscheidungen haben, sich Schwierigkeiten stellen, ohne die Hoffnung zu verlieren, sich entwickeln und keine Angst vor Fehlern haben. Sie sollen das werden, was sie sind: Gottes Kinder im großen Garten des Lebens.

 

Einen gesegneten Sonntag wünscht Ihnen Klaus Eberl von der Evangelischen Kirche.

 

Musik 2: Jedes Kind braucht einen Engel, Text und Musik: Klaus Hoffmann, CD Mein Weg, Track 9, 1999 stille-music; LC: 00890

 

Sie sind der Anfang und das Licht

Doch wir seh'n es nicht

Sie sind das Wort, das niemals bricht

Doch wir versteh'n es nicht

 

Sie haben Herzen

Die begreifen jede Hand, die gibt

Und öffnen sich dem

Der sich zeigt und ihnen Liebe gibt

 

Sie sind das Wasser und die Kraft

Doch wir beugen sie

Die Kraft, die neues Leben schafft

Doch wir beschneiden sie

 

Sie haben Augen

Die können viele Sonnen seh'n

Doch wer sie bricht

Der wird in ihnen seinen Schatten seh'n

 

Jedes Kind braucht einen Engel

Der es schützt und der es hält

Der es schützt und der es hält

Jedes Kind braucht einen Engel

Der es auffängt, wenn es fällt

 

Sie sind der Boden, der uns trägt

Doch wir belächeln sie

Das Grün, das aus den Zweigen schlägt

Doch wir zerbrechen sie

 

Sie sind die Zukunft

Doch wir sperren ihre Träume ein

Und sehen fassungslos:

Aus unsern Mauern stammt der erste Stein

 

Jedes Kind braucht einen Engel

Der es schützt und der es hält

Der es schützt und der es hält

Jedes Kind braucht einen Engel

Der es auffängt, wenn es fällt

 

Braucht einen Engel

Der es schützt und der es hält

Der es schützt und der es hält

Jedes Kind braucht einen Engel

Der es auffängt, wenn es fällt

 

(1) Kinder in die Mitte!
Evangelische Kindertageseinrichtungen: Bildung von Anfang an.
Eine Handreichung des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland
Hrsg. EKD, Evangelische Verlagsanstalt Leipzig, 2020

https://www.ekd.de/kinder-in-die-mitte-fruehkindliche-bildung-evangelische-kitas.htm (aufgerufen am 17.11.2020)

 

 

Redaktion: Landespfarrer Dr. Titus Reinmuth

 

 

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