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Das Geistliche Wort | 24.01.2021 | 08:40 Uhr

Kommunikation? Kommunikation!

Was hat der heilige Franz von Sales, dessen Gedenktag heute ist, mit Donald Trump zu tun? Ganz einfach: Beide sind Meister der Kommunikation – allerdings mit einer ganz unterschiedlichen Haltung und einem unterschiedlichen Umgang mit der bunten Medienwelt. Und das hatte jeweils Konsequenzen.

Guten Morgen!

Musik I: Kiss „Star Sprangled Banner“

Donald John Trump war der 45. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Gerade wurd sein Nachfolger Joe Biden eingeführt. Aber erinnern Sie sich noch, vor vier Jahren? „Make America great again“ – das hat TRump damals gesagt. Was dann daraus wurde, wir haben es erlebt. Gleich nach seiner feierlichen Einführung ging es so richtig los: Die Tatsachen wurden einfach verdreht. Es seien, so der Pressesprecher des Präsidenten, bei der Einführung von Donald Trump viel, viel mehr Leute dagewesen als bei der Einführung von Barack Obama. Schon bald zeigten Fotos: Fake. Alles erfunden. Das Umfeld des neuen Präsidenten aber blieb dabei: Das seien eben „alternative Fakten“. Keine Falschbehauptungen oder Lügen. Sondern Fakten aus einer anderen Wirklichkeit. Alternative Fakten – sie wurden zum Kennzeichen einer der eigenwilligsten Präsidentschaften der letzten Jahrzehnte. Was bei der Amtseinführung mit einer falschen Zahlenangabe begann, endete vier Jahre später mit der unbewiesenen Behauptung von Donald Trump, man habe ihm den Wahlsieg gestohlen. Vier Jahre lang ein neuer Stil in der amerikanischen Politik, eine Mischung aus Populismus, Selbstlob und dreisten Behauptungen. Am Ende: Gewalt und Chaos. Und das Ganze flankiert durch Nachrichten, Interviews, Kommentaren auf allen Kanälen. Es wurde Stimmung gemacht, verleumdet, es wurden Gerüchte gestreut – auf allen Seiten der politischen Arena. Man hat sich nichts geschenkt. Ohne die Medien und ihre Strahlkraft wäre die Präsidentschaft von Donald Trump mit all ihren alternativen Fakten nicht denkbar. Ein Präsident wie dieser braucht die Öffentlichkeit, braucht das Medienecho wie der Fisch das Wasser.

Musik II: Adam West, Burt Ward “Two perfectly ordinary people - or: Stars and stripes forever”

Soll das jetzt eine Medienschelte sein? Nein, auf keinen Fall. Aber wer von Donald Trump redet, der redet nicht nur von einem eigenwilligen Politiker, der redet auch von der Macht der Medien, von deren Möglichkeiten, ein ganzes Volk – und in seinem Falle – die halbe Welt in atemlose Unruhe zu versetzen. Kommunikation ist eine Macht. Auch bei uns in Deutschland. Die Zahlen sprechen für sich: 94 % aller Bundesdeutschen waren 2020 online, drei von vier Bürgern nutzen regelmäßig das Internet. Der Bundesdeutsche ist täglich dreieinhalb Stunden im Netz. Schließlich besitzen vier von fünf Deutschen ein Smartphone. Neben WhatsApp und Facebook begleiten die meisten Menschen tagtäglich Internet-, Radio- und Fernsehangebote mit ihren Programmen: Ein Riesenwirbel an Informationen, Nachrichten und Themen! Mal zeigt mein Handy neueste Nachrichten auf dem Display, dann gibt es wieder irgendeinen Brennpunkt im Fernsehen zu irgendeiner Thematik.

Die Medien bestimmen in jeder Hinsicht mein Leben.[1] Irgendwie ist mein Handy zu einem Teil meines Körpers geworden. Kaum sitze ich im Zug, greife ich danach. Ich schaue rasch nach den neuesten Nachrichten, SMS, Mails. Berufliches, Privates: Alles kommt auf meinem Handy an. Ob mein Leben damit leichter geworden ist? Ich finde die Flut der Informationen ziemlich anstrengend. Es fällt mir schwer, das Berufliche vom Privaten zu trennen. Und immer mitten in einer Wolke von neuen Informationen zu stehen – das kann auch richtig nerven. Und sollte Donald Trump einmal nicht mehr Schlagzeilen machen: Dann kommt bestimmt irgendetwas, irgendjemand anderes. Immer ist irgendwo eine Sensation, wird irgendein Rekord gebrochen. Den Medien geht der Stoff nicht aus.

Musik III: Hugh Jackman; Keala Settle, Zac Efron, Zendaya & The Greatest Showman Ensemble “The Greatest Showman”

Er hat es so vorausgesehen. Neil Postman. Auch ein Amerikaner. Professor in New York für Kommunikationswissenschaft und „Medienökologie.“ Ein kleines Buch von ihm hat seit seinem Erscheinen im Jahr 1985 Weltkarriere gemacht. „Wir amüsieren uns zu Tode “ – so der Titel. In seinem Buch vertritt der Medienwissenschaftler die These, dass die neuen Techniken der Kommunikation eine Gesellschaft verändern, diese sogar zerstören können. Für Neil Postman ist die Telegrafie der Ausgang eines tiefgreifenden Wandels. Im frühen 19. Jahrhundert war es soweit: Der elektrische Telegraph vermittelte Nachrichten aus den fernsten Winkeln der Welt. Eine technische Revolution. Ihre Folge: Eine ungeheure Nachrichtenflut. Zwischen wichtigen oder nur illustren Informationen konnte von da an nicht mehr unterschieden werden. Auf den Telegrafen folgte der drahtlose Funk, das Radio, das Fernsehen, schließlich das Internet. Und mit ihnen noch weit größere, unüberschaubare Mengen an Informationen und Meinungen. Neil Postman ist recht skeptisch. Seine Furcht: Im endlosen Strom der Informationen werden gute Gedanken über wichtige Themen zur bloßen Unterhaltung. Beschränkt sich aber in der Flut von Sensationen und Nachrichten das Engagement der Bürgerinnen und Bürger auf das reine Zuschauen und Konsumieren, ist eine ernsthafte Debatte in Politik und Gesellschaft nicht mehr möglich, verwandelt sich alles zu einem Gerede und Geplapper. Damit aber ist die Kultur, ist die Demokratie in Gefahr, so Postman.

Denn wenn alles durcheinandergeht - Wahres, Falsches, Gerüchte, Vorurteile, Halbwahrheiten - schlägt die Stunde der Verführer und Verschwörungstheoretiker. Die Geschichte ist voll davon. Andererseits denke ich mir: Ich kann die Uhren nicht zurückdrehen. Das Internet wird bleiben, die Welt wird sich immer mehr vernetzen. Kommunikation ist die Währung des 21. Jahrhunderts. „Digital ist real“: Neue Formen der Begegnungen werden gerade geboren. Videokonferenzen ersetzen Dienstreisen. Das Smartphone macht mich an fast jeden Winkel der Erde erreichbar – mit allen Vor- und Nachteilen. Wie aber mit den Medien, wie mit der Informationsflut umgehen?

Da kann der Heilige Franz von Sales eine Hilfe sein. Geboren 1567, entstammt er einer vornehmen Familie aus Savoyen. Sein Vater sieht für ihn eine juristische Karriere vor. Der junge Mann aber wird gegen den väterlichen Widerstand Priester. Und er macht seinen Weg. Im Jahr 1602 wird er Fürstbischof von Genf. Franz – so würden wir heute sagen – ist ein sehr moderner Mensch, denn er steht den Medien seiner Zeit sehr aufgeschlossen gegenüber. Als die strengen Genfer Protestanten den Menschen verbieten, seine Predigten zu hören, da nutzt Franz von Sales das neue Medium des Flugblattes, um seine Gedanken in die Öffentlichkeit zu bringen. Und – er hat damit Erfolg. Viele, die sich von der Katholischen Kirche losgesagt hatten, kehren nach kurzer Zeit zu ihr zurück. Das überzeugt: Papst Pius XI. wird den Heiligen Franz von Sales im Jahr 1922 zum Patron der Schriftsteller und Journalisten ernennen. Heute, am 24. Januar, ist der Gedenktag des Heiligen.

Musik IV: Leroy Anderson and his Orchestra “The Typewriter”

Vielleicht muss man es ja wirklich so machen, wie es Franz von Sales gemacht hat. Er nutzte die neuen Medien seiner Zeit. Sein Anliegen war es, die Menschen aufzuklären, sie konsequent zu informieren.

Darauf also kommt es bis heute an. Im Getümmel der Meinungen, im schrillen Auftritt der Bilder, in der Flut von Informationen und Meinungen selbstkritisch und sorgfältig abzuwägen, was davon wirklich wichtig ist und was nicht. Es geht darum, Haltung zu beweisen, Flagge zu zeigen. So mit Informationen und Medien umzugehen, wie viele Menschen es oftmals eben nicht tun: Statt Populismus Toleranz und Weite, statt Spektakel Orientierung und Hilfe, statt alternativer Fakten die klare Information, das fundierte Argument. Eine solche Haltung zeigt sich bereits im Kleinen, bei der morgendlichen Mail, die ich im Bus auf dem Weg zur Arbeit über mein Smartphone versende, bei meinen Bewertungen die ich per „Daumen hoch“ gebe.

Was die Arbeit des Zweiten Vatikanischen Konzils vor fast 60 Jahren tief geprägt hat, Franz von Sales hätte es sicherlich gefallen: Es geht um die Vorstellung, dass Gott zu uns Menschen redet. Und dass dieser Gott zu uns Menschen wie zu Freunden redet (DV 1). Ich meine: Genau dieser Geist der Freundschaft sollte uns leiten – in jedem Gespräch, bei jeder Begegnung. Vor allem sollte er uns dort leiten und bewegen, wo wir Stellung beziehen, Meinung machen, öffentlich werden. Das gilt im Grunde schon für jede meiner Nachrichten auf WhatsApp, im Internet. Dass ich das, was ich zu sagen habe, nach bestem Wissen und Gewissen sage. Und dass ich es so sage, dass die, die ich erreichen möchte, sich weder überrumpelt noch bedrängt fühlen – und schon gar nicht betrogen werden. Es braucht die Bereitschaft, neue Wege der Kommunikation zu wagen. Wie es Franz von Sales getan hat. In aller Ehrlichkeit und Freundschaft.

Dazu ermutigt Sie - Ihr Wilhelm Tolksdorf aus Essen.

Musik V: Beyonce “I’m proud to be an American”

 


[1] Statistische Angaben nach: https://www.ard-zdf-onlinestudie.de/files/2020/2020-10-12_Onlinestudie2020_Publikationscharts.pdf (Zugriff 06.12.2020)

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