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Kirche in WDR 5 | 18.09.2021 | 06:55 Uhr

Hoffnung schöpfen

Welches Gefäß ist wohl geeignet, um Hoffnung zu schöpfen? Die Frage ist etwas kurios. Aber sie kam mir, als ich im Sommer in einem Pool in Italien lag. Ich war allein im Becken. Es war die Morgenstille, die mich umgab, gemeinsam mit dem kühlen Wasser. Und auf einmal fragte ich mich: Was ist wohl das richtige Gefäß zum Schöpfen von Hoffnung? Eine Suppenkelle? Eine Baggerschaufel? Ein Fingerhut?

Das war natürlich nur eine Gedankenspielerei im Urlaub. Aber einmal mehr hatte ich mich in meine Sprache verliebt. Dass die Hoffnung geschöpft werden kann wie das Wasser des Pools – das ist doch ein wunderbares Bild der deutschen Sprache. Dass ich Hoffnung schöpfen kann, das erinnert an Erfrischung, an eine Oase. Rundherrum? Wüste. Neue Lebensgeister werden wach. Intuitiv ist klar: Hoffnung hat einen Quellort, einen Ursprung, einen Grund. Und das ist doch bemerkenswert.

Denn: Erst beim weiteren Überlegen kommt mir, dass im Wort „Schöpfen“ nicht nur das Abschöpfen steckt, wie die Fettaugen von der Suppe, sondern dass darin auch das „Schaffen“ mitschwingt; das Schöpferische. Kann man Hoffnung also aus sich selbst schöpfen? Kann ich meine eigene Hoffnung schaffen? Ich liege im Pool und denke mir: das geht so leicht nicht. Hoffnung braucht nun mal einen Grund, einen Quellort.

Und während ich das überlege, umso mehr wundere ich mich über die Richtung meiner Gedanken. Ich denke da ja gerade rückwärts. Ich frage nach der Quelle. Aber: Hoffnung richtet sich ja im Grunde immer auf etwas, das kommt, auf eine Zukunft. Warum ist dann gerade der Grund, so wichtig, die Begründung? Na, weil Hoffnung eine begründete Zuversicht ist. Eine selbstgeschaffene, selbst-geschöpfte Hoffnung ohne Grund ist hohl. Die trägt nicht … . Auch wieder so ein Sprachbild: dass die Hoffnung trägt, wie eine Brücke. Oder mehr noch: Die Hoffnung trägt … mich. Nun: Gerade in den durstigen Strecken meines Lebens, da kam ich manchmal nur weiter mit einer Tagesration Hoffnung. Mit diesem „das wird schon“, das meine Mutter mir einst ins Ohr flüsterte, wenn was schief gelaufen war.

Aber noch mal: Welches Gefäß ist geeignet, um Hoffnung zu schöpfen? „Ein gläubiges Herz“ – sage ich mir leise im Pool und erschauere sogleich, dass das Wasser Wellen kräuselt. Weil das eigentlich kitschig klingt. Abgestanden. „Ein gläubiges Herz“ … wer sagt so was heutzutage noch, außer ein Mann im Kirchenfunk? Aber: Was, wenn da was dran ist? Wenn der Glaube widerstandsfähiger, hoffnungsstärker macht – weil er die Zukunft wie die Vergangenheit begründet sieht in einer Wirklichkeit, die stabiler ist, als es die Wirren der Zeit erscheinen lassen? Der einstige UN-Generalsekretär Dag Hammarskjöld hat diese Intuition einmal in Worte gefasst: „Das Seil über dem Abgrund wird von denen gespannt, die es am Himmel fest machen“[i].

Ich weiß nicht, ob das Bild vom Abgrund derzeit in Ihr Leben passt. Keiner wünscht sich dort zu stehen, über dem Abgrund. Aber manchmal tut sich so einer schneller auf, als gewollt. Und dann wünsche ich Ihnen, dass Sie nicht ins Schwimmen kommen, wie ich, als ich im Pool in Italien lag und über all das nachdachte. Ich wünsche Ihnen, dass es da etwas gibt, an dem Sie sich festmachen können. Und wenn es nicht gleich der Himmel ist, dann doch diese Tagesration Hoffnung, dass es schon wird. Eine Kelle Zuversicht – das wünsche ich Ihnen … und ein gutes Wochenende! Ihr Klaus Nelißen aus Köln.


[i] https://books.google.de/books?id=9aUfq20YcMcC&lpg=PA90&ots=4WfPNqjyUE&dq=Das%20seil%20%C3%BCber%20dem%20Abgrund%20wird%20von%20denen%20gespannt%2C%20die%20es%20am%20himmel%20festmachen&hl=de&pg=PA90#v=onepage&q=Das%20seil%20%C3%BCber%20dem%20Abgrund%20wird%20von%20denen%20gespannt,%20die%20es%20am%20himmel%20festmachen&f=false

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