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Kirche in WDR 5 | 25.09.2021 | 07:55 Uhr

Vergeben und Gedenken

Autor: 1983 kam er das erste Mal wieder zurück nach Bad Laasphe, in seine Heimatstadt in Südwestfalen. Das war keine leichte Entscheidung für Herbert Präger.

 

O-Ton: Zwei Häuser weiter neben meinem Elternhaus hat Herbert Präger ja die ersten 20 Jahre seines Lebens verbracht.

 

Autor: So erinnert sich heute Rainer Becker.

 

O-Ton: Der Anlass war, dass er das erste Mal seit seiner Deportation in seine Heimatstadt Laasphe zurückkehrte. Das war also genau 40 Jahre nach seiner Deportation in das Lager Auschwitz.

 

Autor: Rainer Becker ist Vorsitzender des Freundeskreises für christlich-jüdische Zusammenarbeit in Bad Laasphe. Er erinnert sich gut an die ersten Gespräche mit Herbert Präger.

 

O-Ton: Ich habe ihn auch gefragt, ob er mit Hassgefühlen nach Deutschland gekommen ist, und da war seine Antwort, dass er Hass nicht kennt. Er sagte mir: "Wir sind religiöse Leute" – aber er sagte dann auch noch: "Es tut nur weh, dass ich keinen mehr sehe.“

 

Autor: 1988, am 50. Jahrestag der Reichsprogramnacht, lädt die Stadt Bad Laasphe Überlebende des Holocausts ein. Tatsächlich kommen etwa zwanzig ehemalige jüdische Mitbürger und Angehörige. Es gibt einen Gesprächsabend im evangelischen Gemeindehaus.

 

O-Ton: Da gab es eben auch eine besonders emotionsgeladene Situation, als der Ruhestandspfarrer Otto Kunze sich outete und berichtete, dass er damals als SA-Mann versagt hätte. Und bat um Vergebung. Und Herbert Präger und auch ein anderer Überlebender, Simon Burg, standen auf und reichten dem früheren SA-Mann die Hände.

 

Autor: Kein Hass, sondern Vergebung. Wie hatte Herbert Präger gesagt... „Wir sind religiöse Leute.“ Hier wird es spürbar. Für die einen sind es persönliche Begegnungen wie diese, andere lässt einfach dieser Teil ihrer Heimatgeschichte nicht los. Alle wollen die Erinnerung wachhalten. Vor gut zwei Jahren konnte der christlich-jüdische Freundeskreis endlich das Gebäude der alten Synagoge erwerben. Den Wunsch gab es schon länger. Jetzt werden Pläne geschmiedet. Ein Architekt hat Entwürfe vorgelegt und mit der Denkmalbehörde abgestimmt, der Landesverband der jüdischen Gemeinden wurde einbezogen, Fördermittel des Landes sind beantragt.


O-Ton: Wir stellen uns vor, dass es einmal ein kulturelles Zentrum wird. Das heißt, der ehemalige Bet-Raum, der soll genutzt werden für Veranstaltungen wie Vorträge, Lesungen, Ausstellungen.

 

Autor: Und die alte Synagoge soll ein Ort des Lernens werden. So ähnlich wie in einem jüdischen Lehrhaus.

 

O-Ton: Dort, wo früher die Judenschule war, da sollen dann heutige Schulklassen oder Konfirmandengruppen etwas über das jüdische Leben erfahren.

 

Autor: In Bad Laasphe soll die alte Synagoge so wieder ein Teil der Stadt werden. Sie soll das Gedenken lebendig halten – nicht nur an den großen Gedenktagen. Im Obergeschoss ist ein Raum der Erinnerung geplant.

 

O-Ton: Das heißt, es soll eine Dauerausstellung an das jüdische Leben und an die an die Opfer des NS Terrors entstehen. Und entsprechende Plätze, wo eben Menschen quasi Informationen zu jedem einzelnen Opfer oder zu jeder einzelnen Familie dann abrufen können.

 

Autor: Der christlich-jüdische Freundeskreis findet viel Unterstützung für sein Vorhaben. Stadt, Kirchengemeinde, Kulturring, Heimatverein, alle ziehen mit. Ein ganzes Gemeinwesen erinnert sich an das jüdische Leben in der eigenen Stadt. Wer weiß, vielleicht geht das gar nicht ohne ein paar „religiöse Leute“, die genau das können: vergeben und gedenken.



Es grüßt Sie Rundfunkpfarrer Titus Reinmuth aus Wassenberg.

 

  

Redaktion: Pfarrerin Julia-Rebecca Riedel

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