#
Aktuelles

Beiträge auf: wdr5 

evangelisch

Kirche in WDR 5 | 06.10.2021 | 06:55 Uhr

Tomatensymphonie

Guten Morgen.

Meine Oma war eine handfeste Frau. Weder besonders romantisch noch sonstwie verträumt veranlagt. Und ich sehe sie vor mir mit Kittelschürze im Garten, wo sie täglich goss und harkte, pflanzte und erntete. Von früh bis spät. Sparsam, nüchtern und unglaublich fleißig.

Und doch hat meine Oma sich Zeit genommen tagtäglich mit ihren Tomaten geredet. Nicht mit den Früchten, sondern den Pflanzen. Die hatte mein Vater vom winzigen Kern zum Pflänzchen gepäppelt. Und sie dann bei meiner Oma aufs Fensterbrett gestellt. Da sollten sie stehen bis sie kräftig genug waren, nach draußen gepflanzt zu werden. Meine Oma hat sie gegossen und -  nun ja - jeden Tag gegrüßt, gelobt oder motiviert, was weiß ich. Weil die - das hatte sie irgendwo gelesen - dann besser wüchsen, kräftiger würden und schließlich dicker und leckerer. Was meine Oma den Tomaten gesagt hat, weiß ich nicht, geht mich vielleicht auch nichts an. So richtig rückte sie jedenfalls nicht damit raus. Wie auch immer. Die kleine Verrücktheit hat sie sich geleistet.

Pflanzen haben keine Ohren und nichts spricht dafür, dass sie auf menschliche Worte hören. Aber so weiß die Forschung, sie kommunizieren mit ihrer Umgebung, mit anderen Lebewesen und untereinander. Mit Insekten sprechen sie über Duft- oder Bitterstoffe, schicken sich Nachrichten, über die Wurzeln und durch die Luft. Immer tiefer erkennt die Wissenschaft, dass in der Natur buchstäblich alles mit allem verbunden ist. Tiere und Pflanzen und ganze Ökosysteme über Kontinente, Meere und Jahrmillionen hinweg. Bloß dass wir fast nur die dürre Fremdsprache der Moleküle, der Formeln und Naturgesetze haben, das zu beschreiben. Und die Welt wäre besser dran, wenn wir endlich verstünden: Eigentlich reden wir schon immer mit in diesem großen Gespräch. Nur halt als ziemliche Stoffel. Unhöflich, taub und ignorant.

Da fragt sich wer hier eigentlich wen nicht versteht?

In der Bibel lese ich:

 

Sprecherin: Von der Erde her lobt Gott, den Herrn.

Lobt ihn ihr Blitze, Hagel, Schnee und Nebelschwaden, lobt ihn, ihr Berge und Hügel, ihr Obstbäume und Zedernwälder, ihr Raubtiere und alles Vieh, ihr Kriechtiere und gefiederten Vögel. Lobt ihn, ihr Könige der Welt und alle Völker,

ihr Herrscher und alle Richter dieser Welt, ihr jungen Männer und (auch) ihr jungen Frauen, ihr Alten und Jungen.“ (Psalm 148,7-12)

Und so wären dann endlich mal alle Geschöpfe beisammen. Sie summen, rauschen, blühen, leuchten und duften und blinken, plätschern und zirpen mit in dem großen Gespräch namens Schöpfung, mit je ihrer Sprache von der Sternschnuppe bis zur Tomate, vom Hahenfuß bis zum Hagelkorn. Und wir mittendrin. Orkas im Meer und Omas im Garten, Nacktmullen und Nadelstreifenträger, Meerschweinchen und Minister, Dompfaffen und Demonstrantinnen.

 

Wie großartig daran mitatmen, mitschweigen, mitbeten und mitjubeln zu dürfen. 

 

Einen klangvollen Tag wünscht Ihnen

Ihr Jan-Dirk Döhling aus Bielefeld.

 

 

Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze

katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen